Auch nach dem Inkrafttreten des Gesetzes zur Frauenquote zu Jahresbeginn spaltet die Frage nach Sinn oder Unsinn der Frauenquote die Gesellschaft. Während Befürworterinnen wie die amtierende Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig das von ihr maßgeblich forcierte Gesetz historisch nennt, die Kritiker das Gesetz wahlweise als "Quötchen" verspotten (Linke), verweisen Wirtschaftsvertreter auf die kaum gestiegenen Frauenanteile in den Top-Managersesseln.

In der Tat: Der Frauenanteil in den gehobenen Führungsetagen der börsennotierten Unternehmen in Deutschland steigt nach wie vor eher langsam. Laut dem "Managerinnenbarometer" des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) waren am Jahresende 2015 in den Vorständen der 200 umsatzstärksten Unternehmen – nach 5,4 Prozent Ende 2014 – immer noch lediglich 6,3 Prozent Frauen.


Was dabei allerdings übersehen wird: Das Gesetz zur Frauenquote entfaltet hier auf den operativen Managementebenen überhaupt keine Gesetzeskraft. Ausschließlich börsennotierte und voll mitbestimmungspflichtige Unternehmen werden verpflichtet, für Aufsichtsratspositionen, welche ab 2016 neu zu besetzen sind, eine Quote von mindestens 30 Prozent einzuhalten. Diese Regelung kann man kritisieren, zumal von dieser Direktive des Gesetzgebers gerade einmal 101 Unternehmen erfasst werden. Faktisch vergleichbar ist die verbindliche Quote für Aufsichtsräte bestimmter Großunternehmen mit den personellen Entwicklungen in den Vorstandsetagen der Deutschen Wirtschaft jedoch kaum. Im Gegenteil: Kaum eine mir bekannte Top-Führungskraft, gleich welchem Geschlecht zugehörig, hatte eine sehr viel deutlichere Steigerung an weiblichen Vorstandsmitgliedern erwartet.

Nun war eine verpflichtende Geschlechterquote sowohl politisch als mutmaßlich auch juristisch kaum auf die operativen Führungsgremien einer breiteren Schicht von Unternehmen umsetzbar.

Werfen wir also einen Blick auf die Entwicklungen in den Wirkungsbereich der Frauenquote, stellen wir einen deutlich höheren Frauenanteil fest – wobei auch hier zunächst Ernüchterung einkehrt, betrachtet man die Zahlen. Von den gut Hundert Unternehmen, die laut Gesetz von diesem Jahr eine Frauenquote von 30 Prozent berücksichtigen müssten, erfüllen laut DIW bislang erst 28 Prozent die Vorgaben.

Optimistisch betrachtet ließen sich jedoch auch hier einige Punkte finden, welche die vorliegenden Zahlen zumindest ansatzweise relativieren: Zum einen sind hier die Neubesetzungen ab 2016 zu nennen. Viele Unternehmen, welche von der Frauenquote betroffen sind, haben schlicht noch keine Wechsel in ihren Aufsichtsgremien vollzogen, sondern müssen dies erst in den kommenden Monaten tun.

Die Debatte wurde nicht umsonst geführt

Zum anderen lassen die Zahlen erwarten, dass in der kommenden Legislaturperiode zumindest die große Mehrheit der Unternehmen die gesetzliche Vorgabe auch erreichen und somit einhalten werden. Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass die Entwicklung hin zu mehr Frauen in gehobenen Führungspositionen kaum aufzuhalten sein wird – wenngleich das Tempo der Steigerungen auf den Top-Managersesseln "einem Ritt auf der Schnecke" gleicht, wie es DIW-Direktorin Elke Holst zusammenfasst.

War es das also schon an Benefit, was uns eine mehrjährige und oft erbittert geführte Diskussion um die Einführung einer gesetzlichen Frauenquote gebracht hat? Nein. Schon 2012 ging ich davon aus: Der eigentliche Nutzen der Debatte liegt in der von ihr ausgehenden Signalwirkung durch die massive mediale Debatte rund um den Nutzen von mixed leadership. In unserer auf Frauen spezialisierten Personalberatung lässt sich die im Zusammenhang mit der Debatte stetig gestiegene Nachfrage seitens deutscher Unternehmen nach hochqualifizierten Frauen auch für die Führungsebenen unterhalb von Vorstand und Aufsichtsrat eindrucksvoll erkennen. Hier wächst nicht nur einerseits die bestausgebildetste Frauengeneration heran, sondern auch in den Köpfen der Personalentscheider zeigt sich ein deutlich gesteigertes Interesse an weiblichem Führungspersonal. Auch ich meine, dass genau diese Auswirkung den ambitionierten Frauen bereits heute mehr geholfen hat, als es einige Hundert weibliche Aufsichtsräte mehr je hätten können.