Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit und schon tut das es das Smartphone dem Butterbrot gleich und fällt mit der falschen Seite auf den Boden. Doch während das Butterbrot lediglich eine Schweinerei auf dem Fußboden hinterlässt, ist das Ergebnis des Malheurs beim Handy oft gravierender. "Gesprungene Displays sind der Klassiker unter den Handyreparaturen", sagt Thomas Schröder. Er arbeitet als Handydoktor und muss es wissen, denn täglich bekommt er bis zu ein Dutzend derartige Fälle zu sehen. Nicht selten hat es der Handyfachmann auch mit leistungsschwachen Akkus, defekten Knöpfen oder Wasserschäden zu tun. 

Je nach Hersteller variiert dabei der Aufwand der Reparatur. Einige Unternehmen würden ihre Smartphones durchaus serviceorientiert konstruieren, sodass eine Reparatur verhältnismäßig einfach sei. Andere Modelle wiederum seien so kompliziert aufgebaut, dass schon das Öffnen des Gehäuses eine Sache für sich ist. "Oft sind Teile verklebt oder aufwendig verschraubt. Bei einigen Modellen muss das komplette Handy zerlegt werden, nur um den Regler für die Lautstärke auszutauschen", sagt Schröder.
Auch mit den Ersatzteilen sei das bei einigen Herstellern nicht so einfach.

Das Problem: Mitunter kryptische Bauteilbezeichnungen machen es nicht leicht, das richtige Ersatzteil unter der Vielzahl der Angebote herauszufinden. Hinzu kommt, dass oft kaum zwischen Originalteilen und Nachbauten unterschieden werden kann. Selbst für den Fachmann ist das mitunter nicht leicht. "Insbesondere bei wichtigen Bauteilen wie Akkus, Platinen und Displays ist die Qualität schon wichtig", sagt Schröder.

Prinzipiell sei es für Laien mit etwas Technikverständnis, handwerklichem Geschick und dem richtigen Werkzeug auch durchaus möglich, die Reparatur selbst vorzunehmen. Anleitungsvideos aus dem Internet können hier mitunter helfen.

Wichtig ist für Schröder dafür die Ausrüstung: Handschuhe, eine geeignete, geerdete Unterlage sowie Qualitätswerkzeug seien bei jeder Reparatur ein Muss. Oft jedoch, so spricht Schröder aus Erfahrung, würden seine Kunden bei der Reparatur an ihre Grenzen stoßen und einen eigentlich simplen Schadenfall sogar noch verschlimmern.

Wie ist das Handy aufgebaut? Wie ist das Gehäuse verschraubt? Welche Teile muss ich ausbauen, um das defekte Bauteil austauschen zu können? Und wie baue ich zuletzt alles wieder zusammen? "Bei vielen Modellen erfordert die Reparatur ein bisschen Erfahrung", sagt der Smartphone-Arzt.

Der Beruf ist nicht geschützt, auch eine standardisierte Ausbildung wird nicht angeboten. "Die Einweisung erfolgt in der Regel intern im jeweiligen Betrieb", sagt Schröder.

Fingerspitzengefühl, handwerkliches Geschick sowie technische Kenntnisse sollten für die Arbeit als Voraussetzung gegeben sein. Eine Ausbildung in einem elektrotechnischen Bereich oder ein entsprechendes Studium sind zudem hilfreich für den Start. Voraussetzung für eine Anstellung seien ein einschlägiges Studium oder eine Ausbildung für eine Anstellung jedoch nicht. Allerdings, so Schröder, sollte man bereits im Privaten eine Vorliebe für elektronische Basteleien an den Tag legen und im Optimalfall schon selbst Hand ans eigene Handy gelegt haben. "Wenn man sein Handy dann auch wieder zusammengebaut und zum Laufen bekommen hat, sind das gute Voraussetzungen", sagt er und lacht. 

Gute Jobchancen

Die nach wie vor steigende Anzahl an Smartphones beschert auch den auf die Reparatur von Handys spezialisierten Werkstätten steigende Umsätze. Entsprechend werden hier versierte Techniker gesucht. "Viele Handybesitzer scheuen die teure und oftmals langwierige Reparatur beim Hersteller. Die kommen dann zu uns", sagt Schröder.

Nicht selten erfolgt die Anstellung als Handydoktor im Nebenjob oder in Teilzeit. Beliebt ist die Arbeit auch bei Studenten, die neben dem Studium zusätzlich Geld verdienen möchten. Mittlerweile gibt es auch Unternehmen, die Handytechniker auf freiberuflicher Basis direkt zur Reparatur zum Kunden schicken.

Der Boom bringt jedoch auch negative Aspekte mit sich. So tummeln sich in der schnell wachsenden Branche auch viele schwarze Schafe, die nur unzureichende Kenntnisse der Materie haben, aber dennoch ihre Dienste anbieten. "Viele davon haben sich ein paar Reparaturvideos im Internet angesehen und denken, sie seien qualifiziert genug, um auch gute Arbeit leisten zu können", sagt Schröder. Darunter leide die gesamte Branche.

Als Schattenseite seines Berufes nennt Schröder darüber hinaus eine gewisse körperliche Beanspruchung. So arbeite man nicht selten über einen längeren Zeitraum über das Handy gebeugt im Sitzen. Davon einmal abgesehen überwiegen für Schröder jedoch die positiven Seiten seines Berufes. "Das ist weit mehr als nur eine hobbyähnliche Bastelei. Das ist bisweilen, abhängig vom Handy und vom Schadensfall, schon eine echte Herausforderung. Hinzu kommt, dass immer wieder neue Modelle auf den Markt kommen. Da muss man auf Zack sein und sich immer wieder neu informieren."

  • Gehalt: abhängig vom Grad der Erfahrung sowie den Vorkenntnissen ab etwa 10 Euro Brutto pro Stunde und mehr
  • Arbeitszeit: Die Arbeit kann im Angestelltenverhältnis im Mini- oder Midijob, in Teil- oder Vollzeit und auch auf freiberuflicher Basis erfolgen.
  • Ausbildung: Keine einheitlich geregelte Ausbildung möglich. Die Einweisung erfolgt oft betriebsintern durch learning by doing.