Das Prinzip von Venture Capital ist einfach: Der eine hat eine Geschäftsidee, der andere Geld. Investmentmanager bringen die beiden zusammen. Michael Brandkamp arbeitet in diesem Beruf. Er ist einer der beiden Geschäftsführer des High-Tech Gründerfonds in Bonn, bei dem 28 Investmentmanager arbeiten. Der Gründerfonds ist nach eigenen Angaben größter Frühinvestor Deutschlands.

Risikokapital ist dabei ein deutlich aussagekräftigeres Synonym für Venture Capital. Denn es kann sein, dass das eingebrachte Kapital verloren geht. Die Anlageform ist riskant und sie wird getätigt mit dem Ziel eines lukrativen Exits des Geldgebers. In der Finanzierungsszene gilt als Faustregel, dass von zehn Deals drei sehr erfolgreich sein müssen, damit ein Fonds eine gute Gewinnquote hat. Je früher in ein Start-up investiert wird, umso wagnisreicher ist das, weil seine Entwicklung unvorhersehbarer ist.

Die Gesellschaft von Brandkamp investiert Risikokapital in Technologieunternehmen, die vielversprechende Forschungsergebnisse unternehmerisch umsetzen, beispielsweise mit 500.000 Euro in Chemie, Software, Wirkstoffentwicklung – plus optional einer Anschlussfinanzierung von 1,5 Millionen Euro. Die beiden aufgelegten Fonds haben ein Volumen von etwa 575 Millionen Euro und werden finanziert von öffentlichen Geldgebern wie der KfW-Bank und privaten Unternehmen, darunter BASF, Daimler, SAP. Rund 400 Unternehmen befinden sich im Portfolio der Fonds. In den vergangenen zehn Jahren gab es 53 Exits.

Was müssen angehende Investmentmanager mitbringen? Eine geregelte Ausbildung gibt es nämlich nicht. "Das wollen und brauchen wir auch nicht, weil fachliche Vielfalt die Entscheidung über Investments sicherer macht." Wichtiger seien drei Schlüsselqualifikationen, sagt Brandkamp und zählt auf: "Erstens, ein gutes Verständnis für technische Innovationen und die dazugehörigen Märkte. Zweitens, tiefe Kenntnisse in Finanzierungsfragen und drittens, das wohl wichtigste, unternehmerisches Denken."

Brandkamp selbst hat Volkswirtschaftslehre studiert, über Technologien für innovative Unternehmensgründungen promoviert und dann in einer Bankengruppe gearbeitet.

Ganz anders ist der berufliche Weg von Sebastian Schöfer, 31, aber genauso zielführend für diesen Job. Er hat in Deutschland Physik studiert, in den USA seinen Master gemacht und in Cambridge, England, promoviert. 2012 war er fertig. Anschließend beteiligte er sich an zwei Unternehmensausgründungen dieser Uni im Management. "In dieser Zeit habe ich das Handwerk eines Unternehmers gelernt. Wie er zu denken, zu entscheiden und zu organisieren hat", erzählt er.

Schätzungsweise 1.200 Investmentmanager arbeiten in Deutschland

Seit April 2014 ist Schöfer Investmentmager beim High-Tech Gründerfonds und betreut fünf Unternehmen. Das eine arbeitet an einer Art Herzschrittmacher, der Teile des Blutflusses im Herzen reguliert. Das andere entwickelt einen Augen-Innendruck-Sensor. Wenn der Druck zu hoch ist, wird der Träger via Smartphone darauf hingewiesen, dass er Tropfen in die Augen geben muss. Das beugt einer drohenden Blindheit vor. "In diese Startups haben wir investiert und ich unterstütze das Management, beispielsweise in unternehmerischen Entscheidungen wie medizinischer Zulassung des Systems", sagt Schöfer.

An zwei Tagen pro Woche ist er bei den Unternehmen oder Business-Plan-Wettbewerben, um Gründer kennenzulernen. In der anderen Zeit prüft er Businesspläne für neue Invests, die dem High-Tech Gründerfonds regelmäßig zugeschickt werden. "Bei Interesse schauen wir uns das Unternehmen und die Menschen dahinter sehr genau an und klären dann, ob eine Beteiligung in Frage kommt." Ein Nine-to-Five-Job ist das nicht.