1. Mehr Selbstständige

In Deutschland arbeiten rund elf Prozent der Erwerbstätigen als Selbstständige. In den USA sind es 34 Prozent und in Griechenland 36 Prozent. Schaut man genauer hin, dann sieht man, wie das klassische Angestelltenverhältnis der Baby-Boomer-Generation zunehmend am Schwinden ist: In der sogenannten Generation Y, also grob die zwischen 1980 und 1998 Geborenen, sind in Deutschland bereits 29 Prozent als Freelancer tätig. Die digitale Bohème verdingt sich als Crowdworker, Handwerker versteigern ihre Arbeitskraft auf Internetplattformen. Oft gilt hier das Prinzip: Der Billigste bekommt den Auftrag. Diese modernen Tagelöhner leben oftmals von der Hand in den Mund, sie haben weder eine Absicherung noch eine Gewerkschaft, dafür aber große Existenzängste.

2. Mehr Leiharbeit

Im Grunde arbeiten wir ja nicht mehr, wir jobben. Sinnbild dafür ist der Leiharbeiter, der von Arbeitsstätte zu Arbeitsstätte tingeln muss, um sich von Mercedes, Amazon und anderen großen Konzernen ausbeuten zu lassen.

Bis 1967 war Zeit- bzw. Leiharbeit (die Ausdrücke bezeichnen dasselbe, also die Arbeitnehmerüberlassung) in Deutschland gesetzlich verboten. Heute ist sie der Wirklichkeit gewordene Traum der neoliberalen Hardliner – und sie wird weiter zunehmen. Zwischen 1996 und 2016 hat sich die Zahl der Leiharbeiter mehr als verfünffacht auf mittlerweile fast eine Million Beschäftigte. Es ist eine bittere Ironie der Gegenwart, aber manch einer wäre heute schon froh, wenn er in einem Angestelltenverhältnis mit regelmäßigen Arbeitszeiten ausgebeutet werden würde.

Mittlerweile werden über ein Drittel aller offenen Stellen in Deutschland als Leiharbeit ausgeschrieben, so die Bundesagentur für Arbeit. In Städten wie Bielefeld sind sogar über 50 Prozent der offenen Stellen als Leiharbeit deklariert. Zukunftsforscher gehen davon aus, dass die Zahl weiter steigen wird.  

3. Mehr Lohnabhängige im Niedriglohnsektor

Jeder vierte deutsche Erwerbstätige arbeitet mittlerweile im Niedriglohnbereich, das heißt er oder sie verdient weniger als 9,54 Euro brutto die Stunde. Wer ist davon konkret betroffen? Fast 90 Prozent der Taxifahrer gehören dazu, nicht besser sieht es aus bei Friseuren und Kosmetikern (85,6 Prozent), Reinigungskräften (81,5 Prozent) oder in der Gastronomie (77,3 Prozent). Hätte das Statistische Bundesamt auch Studierende und Kleinbetriebe mit weniger als zehn Beschäftigten erfasst (beide fallen aus der Statistik heraus), wären die Zahlen wohl noch alarmierender ausgefallen.

In den Niedriglohnsektor fallen oft auch sogenannte zero-hour contracts, die insbesondere in Großbritannien auf dem Vormarsch sind. Dort gibt es bereits 1,4 Millionen solcher Verträge. Bei den britischen McDonald's-Filialen arbeiten etwa 90 Prozent der Belegschaft unter diesen Bedingungen. Die Verträge legen eine Mindestbeschäftigungszeit von null Stunden fest, sprich, feste Arbeitszeiten oder garantierte Stundenzahlen gibt es nicht. Wenn das Unternehmen gerade keinen Bedarf hat, bleibt die Lohntüte leer. Es ist absehbar, dass auch in Deutschland Null-Stunden-Verträge eingeführt werden.

Automatisierung und steigende Arbeitslosigkeit durch Turbo-Kapitalismus

4. Mehr Automatisierung

In Nürnberg rauschen seit 2009 fahrerlose U-Bahnen vollautomatisch durch die Unterwelt. Der Banken- und Versicherungssektor ist bereits zu über 50 Prozent automatisiert und digitalisiert. Und lernfähige E-Discovery-Programme wühlen sich durch Prozessakten und ersetzen mittlerweile Heerscharen von Rechtsanwälten. Computer und Roboter vernichten am laufenden Band Jobs.

Eine Studie der Universität Oxford kommt zu dem Schluss, dass bis 2030 rund 47 Prozent aller Arbeitsplätze in den USA der Automatisierung zum Opfer fallen könnten. Während etwa Sozialarbeiter oder Handwerker weniger gefährdet sind, ist das Risiko, ersetzt zu werden, für Beschäftige in den Bereichen Finanzen, Verwaltung, Logistik, Spedition und vor allem Produktion enorm hoch. Für Deutschland gibt es ähnliche Prognosen. Laut einer Studie von Volkswirten der ING-Diba-Bank sind 59 Prozent aller Arbeitsplätze gefährdet; von den rund 31 Millionen sozialversicherungspflichtigen und geringfügigen Beschäftigten hierzulande könnten 18 Millionen von Robotern und Software ersetzt werden.

Ja, Automatisierung gab es schon immer, auch die Webstühle ersetzten massenweise Arbeitsplätze. Historisch einmalig ist an der heutigen Lage aber nicht nur, dass die Automatisierung schneller wächst als die Märkte, sondern auch, dass die Maschinen weit mehr Jobs ersetzen, als zu ihrer Herstellung notwendig sind. Die wenigen Jobs, die in der Computer- und Roboterbranche entstehen, können die gegenwärtige Jobvernichtung keineswegs kompensieren: In den achtziger Jahren waren noch 8,2 Prozent der Arbeitnehmer in denjenigen Technologie-Branchen tätig, die in diesem Zeitraum neu geschaffen wurden. In den neunziger Jahren betrug die Quote 4,2 Prozent und in den 2000ern lediglich 0,5 Prozent.

5. Mehr Arbeitslose

Schon jetzt ist über eine Milliarde Menschen weltweit unterbeschäftigt oder ganz erwerbslos, Tendenz steigend. Die globale Arbeitslosenquote für die Altersgruppe zwischen 15 und 24 Jahren ist dreimal so hoch wie bei den Älteren, besonders betroffen sind Frauen. Nach Angaben der ILO (International Labour Organization) sind seit Beginn der Krise 2008 mehr als 61 Millionen Arbeitsplätze ersatzlos weggefallen. Und über 40 Prozent der Menschheit schuften für weniger als einen US-Dollar Lohn am Tag.

Fast zwei Drittel der jungen Leute in Spanien und Griechenland sind arbeitslos. Die Ursachen der kapitalistischen Dauerkrise sind keineswegs bloß in der irrwitzigen Finanzindustrie zu finden, sie liegen einerseits begründet in der steigenden Automatisierung.

Die Kapitalakkumulation gerät zwangsläufig ins Stocken, wenn es keine Arbeiter mehr gibt, die Lohn erhalten und dann als Konsumenten das Kapital füttern, wie auch Marx betont: "Es liegt also in der Anwendung der Maschinerie zur Produktion von Mehrwert ein immanenter Widerspruch, indem sie die Arbeiterzahl verkleinert. Mit der durch sie selbst produzierten Akkumulation des Kapitals produziert die Arbeiterbevölkerung also in wachsendem Umfang die Mittel ihrer eignen relativen Überzähligmachung."

Anderseits führt der Wegfall der Konsumenten zu einer permanenten Überproduktion. Den Unternehmen fehlen schlichtweg die Abnehmer, weshalb sie weiter Menschen auf die Straße setzen werden. Die Reservearmee der Arbeitslosen wächst inzwischen zu einer globalen Phalanx heran.

Gleichzeitig ist vom Fachkräftemangel die Rede. Tatsache ist: Einzig bei Pflegerinnen und Pflegern besteht ein Mangel an Bewerbern, weniger bei Absolventen der sogenannten Mint-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik). Beispiel Ingenieure: Die Bundesagentur für Arbeit spricht hier von einem Fachkräftemangel, wenn auf eine Stelle drei Bewerber kommen; beim Verein Deutscher Ingenieure beträgt die Quote sogar eins zu fünf.

Die Wirtschaft will natürlich die Löhne drücken und sich nur die Rosinen rauspicken, der Rest aber bleibt arbeitslos. Arbeitsplätze könnten künftig also Mangelware sein. Der arbeitskritische Philosoph Robert Kurz bemerkte dazu: "Der Verkauf der Ware Arbeitskraft wird im 21. Jahrhundert genauso aussichtsreich sein wie im 20. Jahrhundert der Verkauf von Postkutschen."