Hier eine Skulptur präsentieren, dort ein Bild aufhängen, auf Ausstellungen mit den Who-is-whos der Kunstszene fachsimpeln und jeden Tag ein Werk für teuer Geld verkaufen: Der Beruf des Galeristen suggeriert Außenstehenden oft paradiesische Arbeitsbedingungen. Dass die Realität in der Regel ganz anders aussieht, weiß Birgit Maria Sturm, Geschäftsführerin des Bundesverbands Deutscher Galerien und Kunsthändler (BVDG) nur zu gut.

"Künstler sind in der Regel von der Mithilfe eines Galeristen oder einer Galeristin abhängig, wenn sie erfolgreich sein wollen. Umgekehrt ist es aber genauso", sagt Sturm. Letztlich versucht ein Galerist, durch die Ausstellung der Werke eines Künstlers zwei Parteien zusammenzubringen: den Künstler und den Kunstliebhaber. "Der Galerist ist dazwischengeschaltet und hilft dem Künstler, seine Werke an den Mann oder die Frau zu bringen. Die Galerie bietet sozusagen eine Plattform", fasst Sturm zusammen und ergänzt: "Nicht jeder Künstler kann sich nach außen gut präsentieren. Das übernimmt die Galerie für ihn."

Aber Ausstellen und Verkaufen ist nicht alles. Galeristen müssen ihre Künstler auch bekannt machen. Dafür ist viel Kommunikation mit anderen Galeristen notwendig. Und Recherche, für wen die Werke interessant sein könnten. Dazu muss der Galerist den Künstler oder die Künstlerin und deren Werke sehr genau kennen und die über Jahre gewachsenen Kontakte innerhalb der Kunstszene nutzen. "Wenn ein Kurator beispielsweise eine Ausstellung zu einem bestimmten Thema vorbereitet und eine Galerie einen Künstler im Repertoire hat, dessen Werke zu dem Thema passen, dann bringt sie den Künstler beim Kurator ins Gespräch", sagt Sturm. Sie selbst versucht in der Regel, die Besonderheit der Arbeiten hervorzuheben und die Vorteile für den Organisator der Ausstellung darzustellen.

Für ihre Arbeit nutzt Sturm auch Facebook und andere soziale Medien. Bei neuen Künstlern achtet sie besonders auf den Lebenslauf, Stipendien und Ausstellungen, an denen der Künstler beteiligt war. Das sei meist ein zuverlässiger Nachweis für die Qualität. Zusätzlich müssen die Arbeiten des Künstlers dokumentiert werden. Etwa das Format eines Objekts, wo es sich befindet oder ob es schon mal verkauft wurde. Hinzu kommen allgemeine Informationen. Wo findet die nächste Ausstellung statt? Welche Werke sind neu? Welche Werke hat der Künstler insgesamt schon produziert? Alles das beinhaltet viel Verwaltungsarbeit.

Sich nur auf den vorhandenen Künstlerstamm zu verlassen, genügt für die erfolgreiche Arbeit als Galerist jedoch nicht. "Die Kunstszene dürstet stets nach neuen, unentdeckten Künstlern", sagt Sturm. Daher sind Galeristen immer auch mit einem Auge auf der Suche nach neuen, im besten Fall noch unentdeckten Künstlern und Künstlerinnen. Das erfordert neben einem umfangreichen Wissen auch ein Gespür, was sich zu einem Trend innerhalb der Kunstszene entwickeln könnte.

Aber auch der Kontakt zu den Kunden ist wichtig. Hier gilt es, sowohl neue Kunden auf die Galerie und die ausgestellten Kunstwerke aufmerksam zu machen, aber auch den Kontakt zu bestehenden Kunden, insbesondere Kunstsammlern, zu pflegen. "Eine gute und professionelle Galerie hat nicht nur einen interessanten Künstlerstamm, sondern auch einen stabilen Kundenstamm", sagt Sturm.

Und wie wird man Galerist? Eine Ausbildung im klassischen Sinn gibt es nicht. Das ist aber auch nicht notwendig. "Ein Studium des Kulturmanagements kommt als Vorbildung infrage, auch ein Kunstgeschichtsstudium ist eine gute Basis", sagt Sturm. Eine Garantie für den Erfolg der eigenen Galerie ist das jedoch noch lange nicht. Kamen in der Vergangenheit viele Galeriegründer noch als Quereinsteiger aus allen möglichen Berufen, so ist heute der Einstieg schwieriger geworden. Insbesondere der Aufbau des zwingend erforderlichen Netzwerks zu Kunden, Kuratoren, Künstlern und Kollegen ist in kurzer Zeit kaum aufzubauen. "Man muss sich einen Ruf erarbeiten und muss anerkannt werden. Die erfolgreiche Etablierung innerhalb der Branche, sowohl bei Kunden, aber auch bei Künstlern, ist ein langwieriger Prozess."

Ein Leben für die Kunst

Viele junge Galeristen gründen daher mit der Erfahrung als ehemalige Galeriemitarbeiter ihre eigene Galerie oder übernehmen die in der Szene bereits bekannte Galerie der Eltern.  

Für die Arbeit sollten gute Menschenkenntnisse, gute kommunikative Fähigkeiten, ein Gespür für Trends, Medienkompetenz, Improvisations- und Organisationstalent sowie natürlich ein ausgeprägtes Wissen über Kunst und Kultur gegeben sein. Darüber hinaus sollten Galeristen betriebswirtschaftlich denken und kalkulieren können und auch über rechtliche Rahmenbedingungen Bescheid wissen.

Mit der Arbeit ist eine gewisse permanente Drucksituation verbunden. Denn ein Verdienst kommt erst zustande, wenn ein Werk verkauft wird. Damit sich Erfolg einstellt, müssen Galeristen mobil und viel unterwegs sein, sich mit Künstlern und Kunden treffen, sich Ausstellungen und Biennalen anschauen und möglichst an Kunstmessen teilnehmen. Freizeit gibt es insofern so gut wie nie. Diese vermeintlichen Schattenseiten machen für Sturm jedoch gleichermaßen auch den Reiz an ihrer Arbeit aus. "Man lernt viele interessante Menschen kennen, ist ständig gefordert und muss über neuste Entwicklungen informiert sein. Das ist zwar anstrengend, aber auch überaus spannend."

  • Gehalt: Der Verdienst ist abhängig von der Nachfrage, der Größe und der Bekanntheit der Galerie, hier sind keine genauen Angaben möglich.
  • Arbeitszeit: 40 bis 50 Stunden pro Woche, bei der Teilnahme an Messen oder kurz vor Ausstellungseröffnungen auch mehr.
  • Ausbildung: Keine Ausbildung möglich und notwendig, umfangreiches betriebswirtschaftliches und kunstgeschichtliches Wissen in der Regel allerdings unabdingbar.