Der Trüffelhändler Massimo Ferradino © Massimo Ferradino

Der beste Freund von Massimo Ferradino ist der Paketbote – denn der bringt seine Ware in Styropor verpackt und mit Kühlakkus flankiert ganz schnell zum Kunden. Der gebürtige Italiener hat ein für deutsche Verhältnisse seltenes Gewerbe: Er ist Trüffelhändler.

Als er vor 15 Jahren frisch von der Uni aus Neapel nach Berlin kam, hätte er sich diese Entwicklung wohl nie träumen lassen: "Eigentlich wollte ich nur ein Jahr in Berlin bleiben, weil mich die Stadt so faszinierte. Mein Plan war es, ein Praktikum beim Film oder im Bereich des Videoschnitts zu machen", erzählt der 44-Jährige. "Tatsächlich lernte ich viele Menschen aus dem Kinobereich kennen, merkte aber bald, dass man dort nur mit Berufserfahrung weiterkommt und ich musste ja auch Geld verdienen."  

Ferradino suchte sich also einen Job und fand ihn bei eBay, wo er sich zum Projektmanager hocharbeitete. Zu seinen Aufgaben gehörte es, den Onlineplatz gegen Markenpiraterie zu schützen – beispielsweise gegen chinesische Louis-Vuitton-Handtaschen für 25 Euro. "Das war ein interessanter Job, aber nach einigen Jahren auch nicht mehr das, was ich jeden Tag machen wollte. Mir hat das Feedback von Menschen gefehlt", erzählt er.

Hinzu kam, dass das Unternehmen umstrukturieren wollte. Für Ferradino hieß das, wenn er weiterhin bei eBay angestellt sein wollte, müsste er nach Dublin umziehen. Doch der Italiener dachte gar nicht daran, sein geliebtes Berlin zu verlassen. "Eigentlich hat mich das nur darin unterstützt, neue Wege zu finden", sagt Ferradino. "Nach neun Jahren hatte ich sowieso keine Lust mehr, noch weiter jeden Tag mindestens acht Stunden am Computer zu sitzen und ohne Kundenkontakt irgendwelche Projekte zu managen. Also trennten wir uns." Während der folgenden Zeit, in der Ferradino für zwei Start-ups arbeitete, fand er eher zufällig den Weg in die Trüffelbranche.

Auf den Trüffel gekommen

"Darauf gebracht hat mich ein Freund, der aus dem kleinen italienischen Trüffelörtchen Bojano in der Region Molise kommt." Bei einem Besuch in Berlin brachte er 400 Gramm der edlen Spezialität mit. "Wir haben eine ganze Woche nur Trüffel gegessen – morgens, mittags, abends", erzählt Ferradino lachend. Zusätzlich gab der Gast ihm sein ganzes Wissen über die kostbare Knolle weiter. "Mich interessierte dieses Produkt auf einmal und ich beschloss nach dieser einen Woche, in der ich komplett in die Trüffelwelt eingetaucht war, mehr daraus zu machen." Sein Freund stellte ihm Kontakt zu den Trüffelsuchern aus seiner Heimat her und ab da wurde die Geschäftsidee mit jedem Tag konkreter.

"Das war komisch und spannend zugleich, denn ich stieg in ein Geschäft ein, das ich eigentlich nicht kannte." Zunächst verkaufte er die Trüffel nur über das Internet – wobei ihm seine bisherigen Erfahrungen bei eBay halfen. Einige ehemalige Kollegen unterstützten ihn zudem bei der Entwicklung des Webshops. Ferradino präsentierte sein Produkt auch bei großen Restaurants und stieß auf reges Interesse. "Ich hatte ein Topprodukt und wusste es zunächst gar nicht", erinnert er sich. Der Koch des Adlon war so angetan von der Qualität der Trüffel, dass er Ferradino gleich alle abnahm. "Das war beeindruckend und gab mir Schwung, weiterzumachen. Ich merkte, dass meine Freunde mir ein wahnsinnig gutes Produkt in die Hand gegeben hatten. Damit hatte ich das Wichtigste, was ich für diesen Job brauchte: Vertrauen in meine Lieferanten. Denn Trüffel sind extrem teuer und wenn ich für 10.000 Euro Trüffel kaufe, müssen sie auch eine super Qualität haben. Sonst habe ich ein Problem."

Im Laufe der Jahre hat sich Ferradino ein großes Netzwerk an Lieferanten und Abnehmern aufgebaut, dreimal die Woche bekommt er frische Trüffel aus Italien. Zu seinen Stammkunden zählen Sterneköche in ganz Europa – und während der Weihnachtszeit auch schon mal Privatkunden, die der Familie etwas Besonderes kochen wollen.

Endlich so sagt er, habe er wieder mehr Zeit für Frau und Kinder und den ersehnten intensiven Kundenkontakt. "Manchmal bekomme ich sogar Fanpost. Wenn mir ein Kunde schreibt, 'Herr Ferradino, das waren die besten Trüffel, die ich je gegessen habe', bin ich glücklich – und vermisse es wirklich nicht, irgendwelchen Excel-Tabellen und Umsatzzahlen hinterherzujagen."