Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) bei einer Pressekonferenz: Im Auftrag des Arbeitsministeriums wurde untersucht, wie sich Beschäftigte die Arbeitswelt im Jahr 2030 vorstellen. © Britta Pedersen/dpa

Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt rasant – und damit ändert sich auch das Bild, das Erwerbstätige von Arbeit generell haben. Mehr als jeder zweite abhängig Beschäftigte in Deutschland sieht sich zunehmendem Druck und sinkender sozialer Sicherheit ausgesetzt. Aber es gibt auch Arbeitnehmer, die sich durch die Digitalisierung befreit fühlen und neue Chancen sehen, sich zu entfalten oder zu Wohlstand zu kommen. Das geht aus der Studie Wertewelten Arbeiten 4.0 hervor, die vom Bundesarbeitsministerium in Auftrag gegeben wurde.

Für die Studie wurden 1.200 Erwerbstätige auf Basis des Mikrozensus von 2013 über ihre Vorstellungen von Arbeit und damit verbundene Werte befragt. Zusätzlich flossen Daten aus ausführlichen Tiefeninterviews ein. Die Untersuchung soll dazu dienen, die Sorgen der Beschäftigten in Bezug auf den digitalen Wandel besser zu verstehen und daraus politische Handlungsempfehlungen abzuleiten.

Grundsätzlich lassen sich Arbeitnehmer in Deutschland der Studie zufolge in sieben verschiedene Gruppen einteilen. Die meisten (30 Prozent) möchten sorgenfrei von ihrer Arbeit leben können. Sie wünschen sich materielle Sicherheit, wollen aber nicht, dass sich die Arbeit noch stärker in den Privatbereich ausdehnt. Kritisch sehen sie den zunehmenden Konkurrenzdruck auf dem Arbeitsmarkt.

Sie haben den Eindruck, immer mehr arbeiten zu müssen, ohne dass sich ihre Leistung auszahlt. Im Gegenteil: Viele kritisieren eine zunehmende Spaltung der Gesellschaft und eine sinkende soziale Sicherheit. Arbeitnehmer mit dieser Perspektive befürchten, dass sich Druck und Unsicherheit in Zukunft verschärfen werden.

Ein ähnliches Bild auf die Arbeitswelt haben Angehörige der zweiten Gruppe. Sie treibt der Wunsch an, in einer starken Solidargemeinschaft leben und arbeiten zu wollen. Neun Prozent der Arbeitnehmer gehören dazu. Sie befürchten, dass jeder jederzeit ersetzbar sein wird und sich reguläre Jobs in prekäre Beschäftigungsverhältnisse auflösen werden.

Eine dritte Gruppe dagegen, zu der 15 Prozent der Befragten gehören, kann an der Arbeitswelt von heute durchaus positive Seiten erkennen. Angehörige dieser Gruppe glauben, dass sich Leistung noch immer lohnt und man mit Fleiß und Anstrengung weiterkommt. Diese Arbeitnehmer begrüßen die Digitalisierung, weil sie darin eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen sehen. Daher betonen sie, dass viele Arbeiten durch Technikeinsatz effizienter geworden seien.

Gruppe vier mit 11 Prozent der Befragten ist hier noch einmal deutlich positiver eingestellt. Die Angehörigen dieser Gruppe streben nach Führungspositionen, pushen sich selbst gern zu Höchstleistungen und sehen in dem zunehmenden Druck eher einen positiven Stress. Gesund zu bleiben ist für sie zentral. Sie blicken alles in allem hoffnungsvoll in die Zukunft.

Einige sehen Erfüllung in der Leistungsgesellschaft

Die fünfte Gruppe (10 Prozent) möchte sich in ihrer Arbeit selbst verwirklichen und teilt den positiven Blick auf die heutige Arbeitswelt. Diese Beschäftigten wünschen sich weniger Regulierungen und mehr Freiraum. Sie legen besonderen Wert darauf, Arbeitsort und -zeit flexibel wählen und sich fortwährend weiterbilden zu können. Viele von ihnen sehen die Arbeitswelt in einer Umbruchphase: auf den Weg hin zu einer Arbeitswelt, in der sie alle ihre Vorstellungen verwirklichen können.

Für die sechste Gruppe (14 Prozent) ist dagegen eine gesunde Balance zwischen Privatleben und Arbeit entscheidend. Diese Menschen wollen sich sowohl im Job als auch in der Familie und anderen Bereichen selbst verwirklichen. Einerseits blicken sie daher verhalten optimistisch auf die Zukunft, andererseits befürchten sie in Zukunft eine Arbeitswelt, die ihnen das Äußerste abverlangt. Sehr wichtig ist für Arbeitnehmer mit dieser Perspektive daher, dass Bedingungen für entspanntes Arbeiten geschaffen werden.

Die siebte Gruppe schließlich sucht den Sinn jenseits der Erwerbsarbeit. 13 Prozent der Beschäftigten zählen dazu. Sie möchten eine Arbeitswelt, in der es soziale Gerechtigkeit gibt. Ansonsten stellen sie aber grundsätzlich infrage, dass Selbsterfüllung überhaupt in Erwerbsarbeit zu finden ist. Die Zukunft der Arbeitswelt bewerten sie entsprechend negativ.