Der Fischwirt Heinrich Schweer repariert Reusen am Steinhuder Meer in Niedersachsen: Fischwirte haben derzeit gute Jobchancen. © Holger Hollemann/dpa

Ob Regenbogenforelle, Sprotte oder Karpfen: Etwa 1,1 Millionen Tonnen Fisch und andere Meeresfrüchte landen im Schnitt in Deutschland auf dem Teller – und alle sind hierzulande gezüchtet oder gefangen und anschließend verarbeitet worden. Ob Süß- oder Salzwasser – in Deutschland sind Fischwirte für die Zucht, das Fangen sowie die Verarbeitung von Meeresfrüchten verantwortlich. "Und das sowohl auf den Binnengewässern als auch auf Nord- und Ostsee", sagt Markus Kühlmann vom Ruhrverband.   

Aufgegliedert ist der Beruf derzeit noch in die drei Fachrichtungen "Fischhaltung und Fischzucht", "Seen- und Flussfischerei" sowie "kleine Hochsee- und Küstenfischerei", wobei die ersten beiden ab 2017 zusammengefasst werden. Offiziell wird die Berufsbezeichnung dann "Fischwirt für Binnenfischerei und Aquakultur" heißen.

Die erste Fachrichtung beschäftigt sich intensiv mit der Pflege und Aufzucht von (Süßwasser-)Fischen in extra dafür angelegten und bewirtschafteten Seen und Teichen. Oft sind die Betreiber auf eine bestimmte Art spezialisiert. Die Vielfalt ist groß und abhängig von der geografischen Lage des Gewässers. Auch unterscheidet sich die Verarbeitung: Besatz- oder Speisefische, etwa Forellen oder Karpfen, werden nach dem Fang oft gleich vor Ort verarbeitet und für den Lebensmittelhandel vorbereitet. "Oft werden die Fische in kleinen Hofläden oder auf Märkten der Region verkauft oder direkt an gastronomische Betriebe geliefert", sagt Kühlmann. Gleiches gilt in der Seen- und Flussfischerei, dem zweiten Fachbereich. Hier dreht sich alles im die Bewirtschaftung natürlicher Gewässer wie Seen und Flüsse. Die Tiere werden mit Netzen oder Reusen gefangen, allerdings nicht nur, um die Tiere zu schlachten, sondern auch, um den Laich zu gewinnen und so neue Tiere zu züchten, die ab einer bestimmten Größe wieder in Gewässern ausgesetzt werden. "Fischwirte haben heute eine sehr nachhaltige Aufzucht- und Fangphilosophie. Es geht nicht nur um den Fang, sondern auch um die Überwachung des Bestandes und gegebenenfalls auch der Besatz, also das Aussetzen von Jungtieren zur Arterhaltung", erklärt Kühlmann.

Wer sich auf die Hochsee- und Küstenfischerei spezialisiert, arbeitet in der Regel in den küstennahen Bundesländern, also in Niedersachen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Die Fischwirte hier fangen mit Fischerbooten und -schiffen und nutzen Netze. Und sie haben es nicht nur auf Seefisch, sondern auch auf Muscheln und Krebse abgesehen.

Ganz gleich, auf welche Richtung man spezialisiert ist, ohne Technik geht in diesem Beruf nichts. Ein gutes technisches Verständnis gehört daher für einen Fischwirt zur Arbeit dazu. "Fischwirte müssen ihre Maschinen Warten und kleinere Reparaturen auch selbst durchführen können", sagt Kühlmann. Handwerkliches Geschick sowie gute motorische Fähigkeiten sind daher Voraussetzung. Trotz des Einsatzes vieler Maschinen ist zudem Handarbeit gefragt. "Bei der Wartung und Reparatur von Boots- oder Schiffsmotoren, Gabelstaplern oder Traktoren oder sogar Sonartechnik wird täglich viel geschraubt. Man muss daher gut mit Werkzeugen umgehen können. Auch der Umgang mit Metall und Kunststoff wird schon während der Ausbildung beigebracht", sagt Kühlmann.

Erst Angler, dann Fischwirt

Neben manuellem Geschick sollten Fischwirte gute Mathematik- und Biologiekenntnisse haben, reges Interesse an der Biologie und der Tierwelt sowie Naturverbundenheit mitbringen. Auch ein gewisses Maß an körperlicher Fitness ist wichtig für die Arbeit. "Zu guter Letzt müssen Fischwirte wetterfest sein, denn wir arbeiten bei Wind und Wetter", sagt der Experte. Die meisten Bewerber seien das aber gewohnt, denn vielfach führt die Leidenschaft fürs Angeln in den Beruf.

Die Ausbildung ist staatlich anerkannt und dauert drei Jahre. Während der Lehrjahre lernen die angehenden Fischwirte alles über Gewässerbewirtschaftung und über die Pflege der Tiere. Das beinhaltet nicht nur den Schutz der Tiere, sondern den des Lebensraumes allgemein. Eine wichtige Rolle spielt in der Lehre auch die Technik. Alles vom Knüpfen eines Fischernetzes bis zur Wartung einer Zuchtanlage steht dabei auf dem Lehrplan. Nicht fehlen darf auch die Verarbeitung der Fische sowie Preiskalkulation, Betriebswirtschaft, Lebensmittelrecht und Vermarktung.

Die Ausbildung wird mit einer praktischen und theoretischen Prüfung abgeschlossen. Mit einigen Berufsjahren Erfahrung kann ist dann der Besuch der Meisterschule möglich. "Oft wird die Ausbildung auch genutzt, um sich ein umfangreiches Basiswissen anzueignen und sich dann durch ein Studium zu spezialisieren", sagt Kühlmann.

Außer der körperlichen Anstrengung und der Arbeit bei widrigen Wetterbedingungen kann Kühlmann keine Schattenseiten an dem Beruf entdecken, ganz im Gegenteil. "Der Beruf bringt gute Jobchancen mit sich, mit der nötigen Flexibilität und einer guten Ausbildung findet sich leicht eine Stelle."

  • Gehalt: ca. 2.200 Euro brutto zum Einstieg
  • Arbeitszeit: ca. 40 Stunden, allerdings auch am Wochenende.
  • Ausbildung: dreijährige, duale, staatlich anerkannte Ausbildung