Wer mit wem tratscht und wie Gerüchte entstehen, ist selbst im offenen Büro nicht immer klar: Angestellte in einem gläsernen Geschäftshaus im Europaviertel von Frankfurt am Main © Roland Holschneider/dpa

ZEIT ONLINE: Frau Stempel, viele Führungskräfte mögen den Flurfunk nicht. Für Mitarbeiter ist er aber oft eine wichtige Informationsquelle. Was bereitet den Chefs Sorgen?

Christiane Stempel: Der Flurfunk ist ein informeller Kommunikationskanal, der nur schwer zu lenken ist. Führungskräfte können ihn nicht kontrollieren. Und er wird immer dann wichtig, wenn die Mitarbeiter in einem Unternehmen oder einer Abteilung sich auf offiziellem Weg nicht ausreichend informiert fühlen.

Statt sich darüber zu ärgern, sollten Führungskräfte sich fragen, warum der Flurfunk floriert. Wird er durch eine Krise angeheizt, durch Neid, Konkurrenz oder das Werk eines Selbstdarstellers? Den Grund zu finden, ist entscheidend, um gegensteuern zu können.

ZEIT ONLINE: Wann werden Gerüchte für Unternehmen und Führungskräfte zum Problem?

Stempel: Ein Flurfunk entsteht meist in Krisen – wenn bei Mitarbeitern die Angst umgeht. In solchen Situationen fördert der Flurfunk das Gemeinschaftsgefühl und kann sogar Stress abbauen.

Kritisch wird es, wenn der Flurfunk Fehlinformationen, Gerüchte oder wichtige Informationen zu früh in Umlauf bringt. Das kann beispielsweise den Aktienkurs beeinflussen. Wird der Flurfunk strategisch genutzt, um Neid zu schüren, Gerüchte zu streuen oder ihre Agenda zu torpedieren, sollten Führungskräfte sofort eingreifen.

ZEIT ONLINE: Wie kann ich als Führungskraft dem Flurfunk vorbeugen?

Stempel: Gibt es einen regen Flurfunk, sollte eine Führungskraft zunächst schauen, wie im Unternehmen und Abteilungen Kommunikationswege verlaufen. Nur wer sie versteht, kann etwas gegen die Gerüchte unternehmen. Sind die Wege bekannt, können Führungskräfte nur vor allem mit einer sehr transparenten Kommunikation dem Flurfunk die Stirn bieten.