Obwohl die Bartrasur noch immer Teil der Friseurausbildung ist, bieten die wenigsten Herrenfriseure in Deutschland diese Dienstleistung an. Betrachtet man allerdings die Entwicklung der Bartträger auf deutschen Straßen, könnte man meinen, dass das ein großer Fehler ist. Denn ob Hamburg, Berlin, Köln, Frankfurt oder München, Barbierläden schießen wie Pilze aus dem Boden. Und die Nachfrage ist groß. Agrie Ahmad, der sich mit Bartmann auf Pflegeprodukte für Bärte spezialisiert hat, weiß, dass Männer in Berlin durchaus sechs Wochen auf einen Termin warten müssen.

Das sah einmal ganz anders aus. Als der elektrische Rasierapparat einzog, verschwanden erst die Bärte und dann die klassischen Barbiere. Nur türkischstämmige Friseure boten über all die Jahre diese Dienstleistung parallel zu ihrem Kerngeschäft an. In den USA und südeuropäischen Ländern gönnen Männer sich von jeher beim Barbier die professionelle Bartpflege.

Wer auf dem Friseurstuhl Platz genommen hat, schaut dem Barbier zunächst beim Rasierschaumschlagen zu. Erst wenn der richtig schön schaumig ist, wird er aufgetragen – und zwar so lange, bis die Haare weich genug für eine perfekte Rasur sind. Angst vor Messern sollte Mann nicht haben, denn der Barbier fährt mit der scharfen Rasierklinge über die Haut. Nach einer warmen Kompresse, einer Desinfektion und einem Aftershave ist Mann fertig. Und weil der Laie die Rasur kaum selbst so sauber und glatt hinkriegt, gönnen sich immer mehr Männer diesen Service, den es bereits ab zehn Euro gibt – Wohlfühlatmosphäre inklusive.

Vollbartträger kommen um eine tägliche Pflege ihrer Haarpracht nicht herum. Damit ein Bart auch wirklich gepflegt aussieht, muss er regelmäßig geschnitten sowie mit Shampoo, Öl und Pomade gepflegt werden, sagt Ahmad. Er weiß, wovon er spricht, er ist seit gut zwei Jahren Vollbartträger und informiert regelmäßig auf seinem Youtube-Channel über die richtige Bartpflege. Und weil die Industrie damals noch nicht die Vielfalt an Bartpflegeprodukten anbot wie heute, entwickelte er diese kurzerhand selbst.

Schattenseiten des Berufes sind Rückenschmerzen, die durch langes Stehen und das nach vorne gebeugte Arbeiten auftreten können. Und auch die immer freundliche und zuvorkommende Art kann vor allem in stressigen Situationen belastend sein. Dennoch bleibt der Bartfriseur ein Beruf mit Zukunft. Wer sich als Barbier spezialisiert, hat aktuell gute Jobchancen. Zumindest so lange, wie Männer wieder gern Bart tragen.

  • Gehalt: Friseure steigen nach der Ausbildung mit einem durchschnittlichen Bruttomonatslohn von rund 1.500 Euro ein. Wer sich zum Friseurmeister weiterbildet, kann bis zu 3.000 Euro brutto im Monat verdienen. Die Ausbildung zum Meister ist allerdings nicht ganz günstig. Friseure müssen hier mit ca. 10.000 Euro rechnen. Wer sich als Barbier spezialisiert, ist meist selbstständig tätig. Dann variiert der Verdienst stark nach Auftragslage.
  • Arbeitszeit: Friseure arbeiten in der Regel werktags.
  • Ausbildung: Für die dreijährige Ausbildung zum Friseur benötigt man mindestens einen Hauptschulabschluss. Die Bartrasur und -pflege ist dabei Bestandteil der Ausbildung.