Mein Arbeitgeber hat Dienstkleidung eingeführt. Die Männer sollen Anzüge tragen, die Frauen können zwischen Kostümen oder Hosenanzug wählen. Das soll zum Unternehmensimage beitragen. Mir gefällt diese Bekleidungsvorschrift aber nicht. Kann mir gekündigt werden, wenn ich mich weigere, die Anzüge zu tragen?, fragt Kevin Köster.

Sehr geehrter Herr Köster,

es wird für Sie leider kaum möglich sein, sich gegen das Tragen der Dienstkleidung zu wehren. Anders als es kürzlich eine Mitarbeiterin eines Zeitarbeitsunternehmens in Großbritannien tat, die eine Petition gegen die Vorschrift startete, dass die Frauen High Heels bei der Arbeit tragen sollten, können Sie aus der Einführung der Dienstkleidung bei Ihrem Arbeitgeber keine geschlechtsspezifische Benachteiligung konstruieren.

Wenn Sie sich weigern, die Dienstkleidung zu tragen, wird Ihr Arbeitgeber Sie zunächst auffordern, der Weisung nachzukommen. Widersetzen Sie sich weiterhin beharrlich, hat er zunächst die Möglichkeit, Sie abzumahnen. Geht Ihr Arbeitgeber auf Nummer sicher, wird er Sie zwei Mal mit dem Hinweis abmahnen, dass Sie mit einer Kündigung zu rechnen haben, sollten Sie sich weiterhin dem Tragen der Dienstkleidung verschließen. Ignorieren Sie auch diese Warnschüsse, folgt in der Regel die verhaltensbedingte Kündigung.

In diesen Fällen haben Arbeitgeber das Arbeitsrecht auf ihrer Seite, da es sich in einem solchen Fall um eine beharrliche Missachtung der Kleidungsvorgaben handelt. Wer nämlich eine Dienstweisung ignoriert, verstößt gegen seine arbeitsvertraglichen Pflichten. 

Das ist auch der Fall bei Anweisungen, die ein Arbeitgeber später erlässt, die also noch nicht Bestandteil des Arbeitsvertrags sind oder durch sonstige kollektivrechtliche Regelungen tangiert werden. Denn nach § 106 Gewerbeordnung (GewO) können Arbeitgeber nach billigem Ermessen Anweisungen jederzeit aussprechen.

Gerade die Dienstkleidung soll für ein einheitliches Erscheinungsbild sorgen und so das Unternehmensimage fördern. Deshalb übernehmen die meisten Arbeitgeber auch die Kosten für die Anschaffung. Möchte ein Betrieb diese seinen Mitarbeitern aufbürden, ist das nur in geringem Umfang möglich. 

Ihr Ulf Weigelt