Globalisierung und Digitalisierung verändern auch den Job von Juristen. Zunehmend mausern sich Mandate zu großen Projekten – Anwälte brauchen künftig Know-how über ihre eigentliche Fachkompetenz hinaus. Der Jurist, der sich nur in einem Fachgebiet auskennt, ist ein veraltetes Berufsbild.

Schon heute arbeiten in den USA Juristen zunehmend als sogenannte Legal Project Manager – eine Mischung aus Jurist, Ökonom und Projektmanager. Sie sind etwa in großen Kanzleien tätig oder arbeiten gleich in großen Unternehmen und achten darauf, dass rechtliche Standards und Vorschriften eingehalten werden, aber auch dass große Projekte weder zeitlich noch finanziell aus dem Ruder laufen. Außerdem haben sie die Effizienz und das Qualitätsmanagement im Blick. Legal Project Manager sind damit deutlich breiter aufgestellt als es Juristen heute sind.

In Deutschland steckt das neue Berufsbild zwar noch in den Kinderschuhen, sagt der Jurist Olaf Schmitt, aber er geht fest davon aus, dass sich das bald ändern wird. "In fünf Jahren wird sich dieses Berufsbild in Deutschland deutlich verändert haben", ist sich Schmitt sicher. Woher er das weiß? Er hat sich mit der Firma Perconex auf Personalberatung für den juristischen Markt spezialisiert und kennt die Branche genau.

Schon heute hätten zahlreiche Großkanzleien aber auch viele Unternehmen zunehmenden Bedarf an Juristen, die eher wie Projektmanager arbeiten. Allerdings könnten genau das viele Juristen nicht bieten. Laut Schmitt ist ein Grund dafür, dass die Branche recht konservativ sei und sich mit Veränderungen schwer tue.

Die zunehmende Nachfrage nach Legal Project Managern sei daher vor allem für Jura-Absolventen ein interessantes Feld mit guten Jobchancen. Bisher hängen die Karrierechancen vor allem von der Examensnote ab. In eine Topkanzlei schafft man es nur, wenn das Staatsexamen mit vollbefriedigend oder besser bestanden wurde. Legal Project Manager dagegen werden auch mit mittelmäßigen Noten angeheuert – denn sie glänzen durch ihre entsprechenden Zusatzausbildungen vor allem in den Bereichen IT oder Wirtschaft.

Schlechte Jura-Noten? Kein Problem

Legal Projekt Manager steuern in der Regel große Projekte mit komplexen Daten und Dokumenten. Daher brauchen sie neben fundierten juristischen Kenntnissen vor allem betriebswirtschaftliches und IT-Fachwissen. In der Regel bringen Legal Project Manager einen Abschluss als Diplomjurist oder Wirtschaftsjurist mit. Aber auch immer mehr Betriebswirte und Informatiker steigen ein – mit einem gezielten Studium oder Aufbaustudium zum Projektmanager sowie entsprechenden IT-Kenntnissen.

Was man in diesem Job auf jeden Fall braucht ist große Flexibilität und Kommunikationsstärke.

Eine Schattenseite kann die doch sehr hierarchisch denkende Kanzleiwelt darstellen, in der bereits Wirtschaftsjuristen als Juristen zweiter Klasse angesehen werden und häufig nur Tätigkeiten ausüben, in denen sie den Anwälten zuarbeiten. Wer daher heute als IT-Experte oder Betriebswirt mit einer juristischen Weiterbildung als Legal Project Manager einsteigt, muss damit rechnen, dass der Standesdünkel der Juristen ein Problem sein kann. Ein gutes Selbstbewusstsein und Fachkenntnisse in Gebieten, mit denen sich die meisten Juristen allein nicht auskennen, helfen hier aber oft weiter, sich ein gutes Standing zu erarbeiten. Und wer über solchen Dingen steht, steigt in ein Berufsfeld mit hervorragenden Zukunftsaussichten ein.

  • Gehalt: Während für Juristen in Großkanzleien üblicherweise ein sechsstelliges Jahreseinkommen möglich ist, bewegt sich ein Legal Project Manager meist im noch fünfstelligen Bereich.
  • Arbeitszeit: Für Juristen beginnt nicht selten der Tag um 9 Uhr morgens und endet meist auch nicht vor zehn Uhr abends. Und weil auch am Wochenende Arbeit anstehen kann, müssen Juristen zeitlich flexibel sein. Ausgeglichen wird das in der Regel aber mit einem hohen Einkommen.
  • Ausbildung: Juristen, die als Legal Project Manager einsteigen möchten, sollten ein Aufbaustudium bzw. eine Weiterbildung zum Projektmanager absolvieren. IT-Experten oder Betriebswirte sollten entsprechend eine juristische Fortbildung mitbringen. Zielführender ist letzterer Weg.