ZEIT ONLINE: Sie haben ein Trainingskonzept mit dem Namen Pausenkicker entwickelt, Frau Wittneben. Mit einem Kickerspiel im Büro hat das aber nichts zu tun, oder doch?

Lena Wittneben:(lacht) Nein. Ich habe das betriebliche Trainingskonzept vor zwei Jahren mit meinen beiden Partnerinnen Sina Morcinek und Katrin Wulff entwickelt. Sina Morcinek konzentriert sich mit Yogaübungen im Büro auf den Körper und sorgt so für Kraft, Mobilität und Entspannung. Katrin Wulff fördert mit einem Stimmtraining eine klare Artikulation, tiefe und gesunde Atmung und den Klang der Stimme. Das bringt also Geist und Körper in Einklang. Und ich trainiere mit einem Gedächtnistraining den Kopf und fördere so die Kreativität, Konzentration und Merkfähigkeit.

ZEIT ONLINE: Klingt nach reichlich viel Programm.

Wittneben: Gar nicht, die Übungen sind alltagstauglich und so zusammengestellt, dass man sie im Büro, auf dem Weg oder zu Hause einfach anzuwenden kann.

ZEIT ONLINE: Was bringt das Training?

Wittneben: Die Stimme ist so etwas wie eine persönliche Visitenkarte und sagt viel über einen Menschen aus. Im Stimmtraining üben wir daher, so zu artikulieren, dass es nicht anstrengt, sondern vielmehr Kunden und Mitarbeiter überzeugt. Und weil uns die heutige Informationsflut aus dem Gleichgewicht bringen kann, regen wir mit unserem Gedächtnistraining die Kreativität, die Fokussierung und auch die Schnelligkeit des Denkens an. Das ist wichtig, damit man berufliche und private Herausforderungen gelassen meistern kann. Und die körperliche Fitness lässt sich gut mit Yoga verbessern.

ZEIT ONLINE: Aber warum alles das gleichzeitig?

Wittneben: Wir glauben, dass durch das gezielte gleichzeitige Training eine gute Mischung geschaffen wird. Viele Menschen sind heute Wissensarbeiter, die viel am Schreibtisch arbeiten. Gerade in solchen Jobs führt Bewegung in Pausen zur Entspannung. Und wer sehr viel logisch denken muss, der bekommt Entspannung mit assoziativen Übungen. Generell sind gerade Kontrastprogramme fürs Wohlbefinden hilfreich.

ZEIT ONLINE: Wie sieht denn so eine Trainingsstunde mit Ihnen im Unternehmen aus?

Wittneben: Manchmal haben wir es erst einmal mit leichter Skepsis zu tun. Bei den Denksportaufgaben befürchten einige, zu versagen und sich so vor Kollegen zu blamieren. Yoga ist in den Augen vieler Männer noch per se ein Frauensport. Und atmen und sprechen, glauben viele, ist ja nun nicht schwer.

Die Hemmungen sind aber in der Regel schnell überwunden, denn wir zwingen niemanden zum Mitmachen. Es geht ja nicht mit erhobenen Zeigefinger zu Sache, sondern mit viel Humor.

Wer beispielsweise bei den Yogaübungen nicht alle mitmachen möchte, kann aussetzen oder bekommt eine alternative Übung. Oft kommen durch das gemeinsame Erleben plötzlich Kollegen ins Gespräch, die vorher wenig miteinander zu tun hatten. Unser Gedächtnistraining in Form einer Quizshow beispielsweise macht nicht nur den meisten sehr viel Spaß, sondern fördert auch den Teamzusammenhalt. Und der Erfolg gibt uns recht, denn bisher haben wir noch immer alle Zweifler innerhalb eines Trainings überzeugen können.