Filzen, Marmelade einkochen oder Leinenwindeln auskochen: Wenn spätere Historiker versuchen, unsere Zeit zu datieren, könnten sie diese fast mit den fünfziger Jahren verwechseln. Tatsächlich ähnelt das Leben von jungen Müttern – besonders aus der Mittel- und Oberschicht – dem von Müttern in der Adenauer-Zeit.

Während Frauen vor der Familiengründung in der Regel studieren oder eine Ausbildung machen, dann in Vollzeit arbeiten und sich selbst verwirklichen, ändert sich ihr Leben mit der Geburt des Kindes meist drastisch. Viele geben für eine Weile die Berufstätigkeit ganz auf und es ist en vogue geworden, wieder Handarbeiten zu verrichten und Dinge selbst zu machen. Frau führt heute ein modernes Bio-Biedermeier-Leben. Und nicht wenige genießen das auch. Nur: Auf dem Arbeitsmarkt wird Frauen diese Zeit nicht als wertvolle Erfahrung, nicht als Qualifizierung, nicht als soziale Kompetenz anerkannt. Sondern vielfach als Makel betrachtet. Und so erfolgt der Wiedereinstieg für viele Frauen in Teilzeit, aus der sie nicht mehr herauskommen. Manche schaffen die Rückkehr in den Job sogar nur im Minijob. 

Der Wiedereinstieg nach einer Familienphase ist für Frauen die schwerste Karrierehürde. Und das trotz allen Unkenrufen, dass die Wirtschaft die gut ausgebildeten Frauen brauche.

Wiedereinstieg als Karrierehürde

Man hat es unzählige Male gelesen: Mehr Frauen als Männer machen das Abitur, haben die besseren Noten. Fast gleich viele Frauen und Männer beginnen ein Studium und zu Beginn des Arbeitslebens steigen Männer und Frauen – auch wenn die Berufswahl oft noch stereotyp ist – zu vergleichbaren Bedingungen ein. So weit, so gleichberechtigt.

Doch mit der Geburt des ersten Kinds fallen die meisten Frauen in der beruflichen Entwicklung zurück. Die Statistik zeigt: Nur 15 Prozent aller Eltern arbeiten nach der Elternzeit des ersten Kindes Vollzeit, in den ostdeutschen Bundesländern sind es 34 Prozent, in den westdeutschen Bundesländern nur elf Prozent. Und wenn wir von Eltern sprechen, sind vor allem die Mütter gemeint. 

Denn die meisten Väter übernehmen im Schnitt nur eine Stunde am Tag Erziehungsarbeit. Damit liegen die deutschen Männer eher im hinteren europäischen Mittelfeld, in unseren Nachbarländern Frankreich oder Dänemark übernehmen Väter einen viel größeren Anteil an der Familienarbeit. Seit 1975 hat sich bei der Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern weit weniger getan, als man vermuten könnte. Damals stellte die Bundesministerin für Jugend und Familie, Katharina Focke, bei einer Konferenz der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen lapidar fest: "Wer sich ohne Emotionen die Situation der Männer klarmacht, wird ihre Zustimmung für Gleichberechtigung und Partnerschaft in der Theorie, ihre Abneigung, sie in die Praxis umsetzen zu müssen, verstehen. Sie sollen auf jahrhundertealte Privilegien in Beruf, Gesellschaft und Familie verzichten, dafür aber mehr Aufgaben und Pflichten in Bereichen übernehmen, wo kein Lorbeer zu ernten ist."

Zu hohes Mutterideal

Das ist 40 Jahre später immer noch so: Es gibt zwar Papi-Lorbeeren, wenn Väter bei der Einschulung des Kindes dabei sind oder sie beim Kindergeburtstag mithelfen. Aber es gibt keine Mami-Loorberen fürs Sortieren der Buntwäsche, fürs Leeren des Töpfchens, fürs Beziehen des Kinderbettchens, wenn sich der Nachwuchs übergeben hat oder eben noch nicht trocken ist. Das übernehmen in der Regel, genau wie 1975, die Mütter. 

Hausarbeit und Kinderbetreuung hat insofern nicht viel mit dem vorherrschenden Bild der berufstätigen modernen Frau zu tun.

Andererseits wird Frauen, die diese Aufgaben nicht übernehmen wollen und frühzeitig in Vollzeit zurück an den Arbeitsplatz kehren wollen, das Leben schwer gemacht. In vielen Branchen und Unternehmen werden Mütter quasi aus Führungspositionen gemobbt. Und das hat auch mit dem Mutterbild hierzulande zu tun. In Deutschland herrscht seit Jahrhunderten Gluckenzwang. Luther definierte die Arbeit der Mutter als Heimgottesdienst, Rousseau wollte die Frauen von der Straße holen und propagierte das Stillen als Bürgerpflicht und im Nationalsozialismus sollte die gute Mutter strammen Nachwuchs erziehen und dem deutschen Volk zur Verfügung stellen.

Selbst in den sechziger Jahren verabschiedete sich die bundesdeutsche Kultur nicht von dem Prinzip, dass die Mutter besser zu Hause bleibe: "Die beste Amme ersetzt keine Mutter" ist ein deutsches Sprichwort, kein dänisches, kein französisches.