Meine Personalgespräche laufen immer nach dem Muster ab, dass ich im Gespräch ein positives Feedback erhalte, es hinterher aber heißt, dass meine Leistung nicht so gut ist und ich meinen Chef missverstanden habe. Jetzt steht wieder ein Personalgespräch an. Dieses Mal möchte ich es heimlich mit dem Smartphone aufzeichnen. Darf ich das?, fragt Michael Ihland.

Sehr geehrter Herr Ihland,

das sollten Sie auf gar keinen Fall machen: Ihnen kann in einem solchen Fall sogar die fristlose Kündigung drohen. Mit so einer Handlung verletzen Sie nämlich die Grundrechte – im Speziellen die Persönlichkeitsrechte – Ihres Vorgesetzten. Denn der geht von der Unbefangenheit des gesprochenen Wortes aus.

Bei Verletzungen des allgemeinen Persönlichkeitsrechts sehen Gerichte oft das Vertrauensverhältnis zwischen beiden Parteien derart als zerstört an, dass eine fristlose Kündigung möglich erscheint. Grundsätzlich gilt auch: Bei einer solchen Schwere der Verletzung braucht es nicht immer eine vorherige Abmahnung.

Allerdings ist immer der Einzelfall entscheidend und Gerichte bewerten zudem eine solche Pflichtverletzung unterschiedlich. Reicht es für eine fristlose Kündigung nicht aus, kommt eine verhaltensbedingt ordentliche Kündigung in Betracht. Auch eine zunächst ausgesprochene Abmahnung kann hier die mildeste Folge sein.

Ich rate Ihnen unbedingt, kein Risiko einzugehen. Sprechen Sie vielmehr mit Ihrem Vorgesetzten und machen Sie den Vorschlag, noch im Gespräch ein Gesprächsprotokoll zu erstellen, dass von beiden Seiten anschließend bestätigt wird bzw. freigegeben wird. Hier reicht es vollkommen aus, wenn Sie stichpunktartig das Wichtigste festhalten. So kommt es hinterher nicht wieder zu Missverständnissen.

Ihnen steht es allerdings auch frei, ein Betriebsratsmitglied oder eine Person Ihres Vertrauens mit in das Personalgespräch zu nehmen. Sollte es hinterher wieder zu Missverständnissen bezüglich des Gesprächsinhalts kommen, können diese dann als Zeugen zur Verfügung stehen und bestätigen, was letztendlich konkret besprochen wurde.

Ihr Ulf Weigelt