Der Ausbildungsmarkt entwickelt sich zunehmend zu einem Bewerbermarkt. Das zeigen die jüngsten Daten der Bundesagentur für Arbeit. Demnach gab es 172.200 unbesetzte Ausbildungsplätze, aber nur 148.000 noch suchende Bewerberinnen und Bewerber. Das heißt, selbst wenn alle Bewerber eine Stelle finden, wären noch 24.200 Ausbildungsplätze unbesetzt. Noch nie waren zu Beginn des Ausbildungsjahres so viele Lehrstellen offen und noch nie war die rechnerische Lücke zwischen Nachfrage und Angebot so groß. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr suchten 4,2 Prozent mehr junge Männer und Frauen noch einen Ausbildungsplatz – und 5,5 Prozent weniger offene Stellen.

Mittlerweile findet im Laufe des Jahres fast jeder dritte Betrieb in Deutschland nicht mehr für alle angebotenen Ausbildungsplätze einen Lehrling. In den ostdeutschen Bundesländern sieht die Lage noch angespannter aus: Hier können 45 Prozent der Lehrstellen nicht besetzt werden, zeigen Zahlen des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). "Die Lage war für die Unternehmen noch nie so dramatisch wie jetzt", sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer.

Das liegt zum einen an der zunehmenden Akademisierung: Immer weniger junge Erwachsene verlassen die Schule mit einem Realschulabschluss, viele Schulabgänger hängen noch ein paar Schuljahre bis zur Fachhochschulreife oder dem Abitur dran. Zum anderen rücken mit der sogenannten Generation Z die geburtenschwachen Jahrgänge in den Arbeitsmarkt nach. Außerdem bleibt auch die Berufswahl der Jugendlichen weitgehend traditionell. Die jungen Männer und Frauen wählen vor allem klassische Handel- und Kaufmannsberufe. 

Besonders im Handwerk fehlt der Nachwuchs

Obwohl Berufsbilder in der IT und Technik bessere Zukunftschancen versprechen und hier auch die späteren Gehaltsaussichten in der Regel besser sind, entscheiden sich weniger Schulabgänger für eine duale Ausbildung in diesem Feld. Und auch die klassischen Handwerksberufe haben es zunehmend schwer: In der Gastronomie bleiben immer mehr Ausbildungsstellen zum Koch oder zur Köchin unbesetzt. Auch viele Bäckerei-Betriebe finden keinen Nachwuchs. Der am häufigsten genannte Grund: Die Arbeitszeiten gelten als familienunfreundlich und unattraktiv, ebenso bieten die Verdienstaussichten wenig Anreiz. 

Laut Bundesagentur für Arbeit gehörten zu den zehn gefragtesten Ausbildungsberufen  Ende Juli der Kaufmannsberuf mit Schwerpunkt Büromanagement, gefolgt von einer Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann oder zur Einzelhandelskauffrau sowie einer klassischen Verkäufer-Ausbildung oder eine Ausbildung zum Industriekaufmann oder zur Industriekauffrau.