Um überhaupt ein Gefühl dafür zu bekommen, ob wir genug Geld haben und wie glücklich wir damit sein können, brauchen wir eine Vergleichsgröße. Mit einem absoluten Wert allein kann unser Gehirn wenig anfangen. Für eine solche Einschätzung schauen wir gerne in des Nachbars Garten. Zufrieden sind wir vor allem dann, wenn unser Gras etwas grüner ist. Das führt mitunter zu irrationalen Entscheidungen. Wenn man Menschen in Experimenten vor die Wahl stellt, für 100.000 Euro bei einer Firma zu arbeiten, in der alle Kollegen 130.000 Euro erhalten, oder aber für 80.000 Euro bei einem Unternehmen, in der alle anderen 60.000 bekommen, dann entscheidet sich der größere Teil der Probanden für Option zwei, obwohl sie dadurch objektiv deutlich schlechter gestellt wären. Wir sind lieber der große Fisch im kleinen Teich als umgekehrt.

Ein weiterer interessanter Effekt zeigt sich auf volkswirtschaftlicher Ebene. Schaut man sich die Listen der Länder mit den zufriedensten Einwohnern an, so fällt auf, dass die Plätze ganz oben zwar von wohlhabenden Staaten belegt werden (meist haben skandinavische Staaten die Nase vorn), aber nicht von den extrem reichen Ländern. Auch die USA liegen in der Zufriedenheitsliste weiter hinten, als der rein finanzielle Wohlstand vermuten lassen würde. Der Grund: Wie zufrieden die Bürger eines Landes sind, hängt neben dem absoluten Wohlstandslevel vor allem von der Fairness der Wohlstandsverteilung ab. Der Gini-Koeffizient, ein Näherungswert für die Gleichförmigkeit der Wohlstandsverteilung innerhalb einer Volkswirtschaft, hat signifikante Aussagekraft für den Zufriedenheitslevel der Einwohner. Wenn die Wirtschaft wächst, aber nur ein kleiner Teil der Bevölkerung an diesem Zugewinn partizipiert, dann steigt (im Mittel) der Wohlstand, nicht aber das Wohlbefinden.

Wohin mit der Kohle?

Studien legen nahe, dass es für unser Wohlbefinden am Ende des Tages gar nicht so wichtig ist, wie viel Geld wir besitzen, sondern wofür wir es ausgeben. Hier lassen sich zwei Empfehlungen für die Praxis ableiten.

Erstens: Investieren Sie überschüssiges Geld im Zweifel lieber in Erlebnisse anstatt in Dinge, beispielsweise in einen Kurzurlaub anstelle dieser wahnsinnig tollen Lederjacke. Der Unterschied: Die Jacke unterliegt, wie alles, was einfach nur da ist, dem Gewöhnungseffekt. Wir freuen uns, wenn wir sie das erste Mal tragen, und vielleicht auch bei der zweiten und dritten Gelegenheit – doch dann brauchen wir im Prinzip schon wieder den nächsten Kick. Psychologen nennen dieses Phänomen hedonische Tretmühle. Positive Erlebnisse wie der Kurzurlaub können hingegen durch aktives Erinnern, unterstützt durch Fotos, immer wieder hochgeladen werden – und damit auch ein Stück weit die guten Gefühle, die mit dem Erlebnis einhergingen. Wir zapfen gewissermaßen das Licht vergangener Freuden an, um die Gegenwart zu erhellen.

Zweitens: Investieren Sie überschüssiges Geld in andere Menschen, sei es, indem Sie ihren Lieben eine Freude bereiten, oder Geld (beziehungsweise Ihre Zeit) für wohltätige Zwecke geben. Wir kennen alle dieses warme Gefühl im Bauch, wenn wir anderen Gutes tun. Menschen haben bis zu einem gewissen Grad das Bedürfnis, sich selbst als wertvolle, tugendhafte Individuen wahrzunehmen. Sich als großzügig und fürsorglich sehen zu können, bestärkt uns in diesem Teil unseres Selbstkonzepts. Auch das hält deutlich länger als die Lederjacke.

Die perfekte monetäre Situation, so es sie gibt, ließe sich so beschreiben: Wir leben in einem wohlhabenden Land, in dem es möglichst wenigen grundsätzlich an etwas mangelt. Die Armen sind nicht wirklich arm, die Reichen aber auch nicht absurd reich. Wir haben etwas mehr als der Durchschnitt und insbesondere als die Nachbarn. Wir können uns schöne Dinge leisten, wenn wir es wollten, es ist uns aber nicht so wichtig. Lieber geben wir Geld für andere aus, für die Menschen, die uns teuer sind, und auch für die, die es einfach nötig haben. Wir haben so viel Geld, dass wir uns keine großen Sorgen machen müssen. Gleichzeitig haben wir nicht so viel Geld, dass wir uns gerade deswegen Sorgen machen müssten. Das Geld ist unser Diener, nicht unser Herr.

Ja, so könnte es gehen.