ZEIT ONLINE: Herr Stückl, Sie praktizieren in Ihrem Unternehmen die Vier-Tage-Woche. Wie kamen Sie auf die Idee, ihr Unternehmen am fünften Tag der Woche zu schließen?

Andreas Stückl: Wir haben vor fünf Jahren als Start-up angefangen. Um voranzukommen haben wir, wie viele andere auch, oft 70 Stunden die Woche gearbeitet. Wir haben aber schnell gemerkt, dass uns dieses Pensum auslaugt, dass der Arbeitsstress auf Dauer nicht gesund sein kann und wir unseren Mitarbeitern das auch nicht zumuten wollen. Als uns dann ein Mitarbeiter von einem kalifornischen Start-up erzählt hat, das auf die Vier-Tage-Woche umgestiegen ist, haben wir uns vor zwei Jahren entschieden, das auch zu machen. Seither sind wir freitags einfach nicht erreichbar.

ZEIT ONLINE: Hatten Sie als Chef ein gutes Gefühl dabei?

Stückl: Wir haben uns gesagt, wenn wir das jetzt nicht machen, dann nie. Irgendwann funktioniert die Umstellung nicht mehr. Was unsere Entscheidung auch beeinflusst hat: Wir waren bereits in einer stabilen Phase, hatten uns vom Start-up zu einem jungen Unternehmen entwickelt. Die Geschäfte liefen gut. Und wir hatten damals wie heute keinen Investor, der uns im Nacken sitzt und mitbestimmen kann. Wir sind also sehr frei, solche Entscheidungen zu treffen.

ZEIT ONLINE: Was haben ihre 25 Mitarbeiter zu dem Schritt gesagt?

Stückl: Wir haben mit jedem einzelnen gesprochen und einen Testlauf von zwei Monaten vereinbart. Und klar: Es gab Jubler und Bedenkenträger, die sich fragten: Wird sich die Arbeitszeit an den vier Tagen verdichten? Verprellt man nicht die Kunden? Was passiert, wenn man sein Pensum nicht schafft? Gibt es weniger Geld?

ZEIT ONLINE: Hatten sie Recht?

Stückl: 90 Prozent stimmten letztlich für die neue Regelung. Wir haben die Arbeitszeit allerdings nicht drastisch reduziert, sondern wir arbeiten alle an den vier Tagen ein bisschen mehr – so um die neun Stunden. Alle verdienten zunächst auch ein bisschen weniger, aber das macht netto nicht so viel aus. Dafür ist Donnerstag der neue Freitag. Das Wochenende ist länger. Du kannst einfach mehr deinen privaten Interessen nachgehen und am gesamtgesellschaftlichen Leben teilnehmen. Manche haben auch Familie und finden es gut, sich mehr einbringen zu können. Alle sind motivierter, die Atmosphäre ist entspannt.

ZEIT ONLINE: Haben Sie seitdem mehr Bewerber, die bei Ihnen anfangen wollen? 

Stückl: Die kurze Woche ist vielleicht das I-Tüpfelchen, aber ich glaube, für die Leute, die zu uns kommen wollen, spielen auch andere Faktoren eine Rolle. Bei uns bewerben sich viele Menschen, die unsere Philosophie teilen, die auch wissen, dass Städte wie auch die Sharing Economy wachsen, dass Menschen Autos vermehrt teilen und häufiger zum Fahrrad greifen werden.