Hufeisen, Kleeblatt und Schornsteinfeger – wenn es um die Bedeutung als Glückssymbol geht, waren Kaminkehrer nie ungefragt. Die rußbedeckte Kleidung bringe Glück, das glaubten schon die Menschen im Mittelalter. Heute werden Schornsteinfeger wieder gesucht. Denn der früher recht einseitige Beruf umfasst mittlerweile zahlreiche Aufgaben und Möglichkeiten zur Spezialisierung. Zudem ist eine Bandbreite an Weiterbildungsangeboten entstanden. 

Heute sind Schornsteinfeger für die Reinigung und Wartung von Heizungs-, Abgas- und Lüftungsanlagen zuständig. Durch den vermehrten Einsatz von Gas- und Ölheizungen ist die Reinigung sogar eher zu einer Nebensache geworden. Den Hauptteil der Arbeit macht die Messung und Einstellung der Emissionen aus. Außerdem beraten Schornsteinfeger sehr viel. Etwa, welche Feuer- und Lüftungsanlagen zu welchem Haus passen und wie man bestehende Anlagen erneuern oder erweitern sollte. Sie kennen sich außerdem mit Brandschutz und Energieverwendung aus und führen auch hier bei den Kunden Beratungen durch.

Auch die intellektuellen Anforderungen sind größer geworden. Schornsteinfeger müssen heute über Gesetzte und Verordnungen Bescheid wissen. Wichtig ist außerdem Technik-Affinität. Denn wie die allermeisten Berufsbilder bleibt auch der Job eines Schornsteinfegers nicht vom Digitalen Wandel verschont. Mittlerweile arbeiten viele Betriebe mit speziellen Computerprogrammen. Ganze Heizsysteme und Anlagen können so gesteuert werden. Daher ist es wichtig, die Software bedienen zu können und Spaß an Innovationen mitzubringen.

Keine Angst vor Schmutz

Praktisch bleibt der Beruf dennoch: Denn die Fachkräfte müssen immer noch viel Handarbeit an den Heizungs-, Abgas- und Lüftungsanalgen machen. Dafür brauchen sie spezielle Maschinen und Werkzeuge, die sie außerdem selbst warten und reinigen müssen.

Ein Teil der Arbeit findet nach wie vor auf dem Dach statt, wo sich Schornsteinfeger oft ungesichert bewegen. Daher ist eine Grundvoraussetzung für den Job, sich auch in extremen Höhen schwindelfrei bewegen zu können. Natürlich sollten auch Dreck und Dunkelheit angehende Kaminkehrer nicht schrecken. Es kommt immer noch vor, dass sie in Kamine klettern müssen, um diese reinigen zu können.

Nach der Ausbildung streben Schornsteinfeger in der Regel den Meistertitel an, denn laut Handwerksordnung und je nach Betrieb kann oft nur ein Meister seinen eigenen Kehrbezirk betreuen. Und während früher jeder Betrieb seinen eigenen Kehrbezirk hatte, gibt es seit Januar 2013 eine neue Verordnung die besagt, dass Anwohner sich ihren Kehrbetrieb selber aussuchen dürfen. Dafür findet alle sieben Jahre ein Auswahlverfahren statt, bei dem Meister ihre Qualifikation unter Beweis stellen können. Das ermöglicht auch jungen Schornsteinfegern, früh bevollmächtigter Bezirksschornsteinfeger und Betriebsinhaber zu werden.

Wer sich mehr Abwechslung wünscht, hat die Möglichkeit, verschiedene Wege der Weiterbildung einzuschlagen. Man kann etwa als Solarfachberater oder Gebäude- und Energieberater arbeiten, eine Weiterbildung zum Umweltschutztechniker, Versorgungstechniker oder Brandschutztechniker anstreben oder auch in die Umweltbranche wechseln. Die Praxis zeigt jedoch, dass ein Großteil der Azubis im klassischen Tätigkeitsfeld als Schornsteinfeger arbeitet.

  • Gehalt: In der Ausbildung starten Auszubildende mit einem monatlichen Bruttolohn von etwa 500 Euro im ersten, 600 Euro im zweiten und 650 Euro im dritten Lehrjahr. Nach der Ausbildung verdienen Schornsteinfeger rund 2.500 Euro brutto im Monat.
  • Arbeitszeit: Der Arbeitstag beginnt für Schornsteinfeger in der Regel zwischen 6:30 und 7:00 Uhr im Büro mit der Besprechung des Tagesablaufs. Anschließend beginnt der Außendienst, der meist so gegen 16 Uhr endet.
  • Ausbildung: Die staatlich anerkannte Ausbildung dauert drei Jahre, findet abwechselnd in Betrieb und Berufsschule statt und endet mit der Gesellenprüfung. Voraussetzung dafür ist die mittlere Reife.