Mein Chef bietet mir einen Job im Ausland an. Auf was muss ich bezüglich meiner Sozialversicherungen achten?, fragt Stefanie Gehrmann.

Sehr geehrte Frau Gehrmann,

unbedingt zu klären ist, ob Sie während des Einsatzes weiterhin der deutschen Sozialversicherung unterliegen. Denn im Krankheitsfall, bei einer Arbeitslosigkeit oder auch bezüglich Ihres späteren Rentenbezugs ist diese Frage wichtig.

Generell gilt bei der Sozialversicherung das Territorialitätsprinzip. Das heißt, es gilt die Sozialversicherung des jeweiligen Landes, in dem Sie beschäftigt sind. Bei Tätigkeiten im Ausland gelten also die Bestimmungen des Einsatzlandes.

Wird ein Mitarbeiter von seiner Firma in ein Land, das der Europäischen Union angehört, entsendet, gelten verschiedene europarechtliche Verordnungen (VO EWG 1408/71, VO EG 883/2004, VO 574/72). Wenn Sie dabei nicht länger als zwölf Monate im europäischen Ausland tätig sind, bleibt ihr deutscher Sozialversicherungsschutz erhalten.

Werden Sie in ein Nicht-EU-Land entsendet, kann es sein, dass Sie eine zusätzliche Sozialversicherung benötigen. Für solche Fälle hat Deutschland mit einigen Ländern Sozialversicherungsabkommen geschlossen. Doch Vorsicht: Nicht immer sind damit alle Sozialversicherungsleistungen abgedeckt.

Das heißt, hier müssen Sie schauen, welche Lücken entstehen und wie Sie diese schließen können.

Gehen Sie in einen sogenannten vertragslosen Staat, sind Sie gezwungen, sich privat abzusichern. Es sei denn, die deutsche Sozialversicherung tritt hier doch ein. Das wird im § 4 SGB IV geregelt und ist möglich, wenn der Schwerpunkt Ihrer Tätigkeit tatsächlich und rechtlich im Inland liegen.

Also, wenn Sie Ihr Gehalt durch den in Deutschland ansässigen Arbeitgeber erhalten und auch dort versteuern. Oder Sie dort an die Weisungen des Arbeitgebers gebunden sind. Dafür muss Ihr Wohnort sowie Ihr Arbeitsverhältnis bereits vor dem Auslandeinsatz dem deutschen Sozialversicherungsschutz vorgelegen haben. Wer für den Auslandseinsatz eingestellt wurde und keinen deutschen Wohnort vorweisen kann, fällt aber nicht darunter.

Ebenfalls wichtig ist die bereits zu Beginn des Einsatzes festgelegte zeitliche Begrenzung des Auslandsaufenthaltes. Denn die deutsche Sozialversicherung bleibt nur erhalten, wenn Ihr Einsatz nicht länger als drei Jahre dauert. Wer unsicher ist oder mehr Fragen als Antworten hat, sollte sich an die Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung wenden.

Ihr Ulf Weigelt