ZEIT ONLINE: Sind Netzwerke für berufstätige Mütter eine Unterstützung, Frau Bilen?

Stefanie Bilen: Ja, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Das heißt, wenn allen Beteiligten der konkrete Nutzen klar ist und alle auch verstehen, dass es immer auch eine Bring- bzw. Holschuld gibt. Ferner muss das Netzwerken ausdrücklich gewünscht und gefördert werden. Fehlt es an dieser Offenheit und unterstützt sich nur ein kleiner Kreis, ist ein Netzwerk eher Zeitverschwendung.

ZEIT ONLINE: Es heißt, dass Mitglieder von Frauennetzwerken oft enttäuscht sind, weil die Erwartungen nicht erfüllt werden. Woran liegt das?

Bilen: Ich glaube, es liegt daran, dass in Netzwerken häufig nicht konkret kommuniziert wird, was der Nutzen des Netzwerks sein soll. Bei den Working Moms, einem Netzwerk, das ich mitgegründet habe, beispielsweise ist allen Beteiligten klar, dass das Bündnis Kinder und Familie nicht außen vor lässt, sondern bewusst bei der Unterstützung integriert. Ob Kinderfrau oder Babysitter, ob Job oder Auftrag, hier unterstützen sich Frauen umfassend.

ZEIT ONLINE: Welche persönlichen Erfahrungen haben Sie bisher mit Netzwerken gemacht?

Bilen: Ich habe sowohl gute als auch schlechte Erfahrungen gemacht und selektiere daher mittlerweile sehr. Häufig ist es doch so: Sie gehen zum Treffen hin, hören vielleicht einen Vortrag, bekommen eventuell auch noch Fingerfood gereicht, unterhalten sich gut und tauschen Visitenkarten aus. Mit wirklich Konkretem aber gehen Sie nicht nach Hause.

Und dann gibt es Netzwerke, die funktionieren einfach. Da bekommen Sie vielleicht kein Fingerfood gereicht, aber gehen von dem Treffen nach Hause und haben neben guten Gesprächen und Visitenkarten auch konkrete Unterstützung erhalten. Weil Teilnehmer auf Anwesende zugehen und explizit fragen: "Welche Herausforderungen hast du aktuell zu meistern? Wofür brauchst du Unterstützung?" Genauso aber auch fragen: "Kennst du dich mit guten CMS-Systemen aus? Kannst du mir einen Personalberater empfehlen?"

Dafür braucht es aber auch die richtigen Rahmenbedingungen. Männer machen es meiner Meinung nach oft richtig, denn sie haben nicht die Berührungsängste, nach Unterstützung zu fragen oder sie gar einzufordern.

ZEIT ONLINE: Eine Studie der Beratungsunternehmen D&I Strategy and Solutions sowie dem Inclusion Institute legt den Schluss nahe, dass die meisten internen Frauennetzwerke die Karrieren von Frauen eher blockieren statt zu beflügeln. Wie ist Ihre Erfahrung?

Bilen: Ich bin schon länger selbstständig, dementsprechend fehlen mir hier die persönlichen Erfahrungen. Ich höre allerdings aus meinem Umfeld, dass interne Frauennetzwerke oft als Alibi von Vorstand oder Geschäftsführung initiiert werden, eine echte Unterstützung von oben entsprechend fehlt.

Bleiben Frauen nur unter sich, entwickeln sie sich zum Nebenschauplatz und sind aus wichtigen Strukturen raus. Deshalb sind meiner Meinung nach gemischte interne Netzwerke sinnvoller, in denen Führungskräfte verpflichtet werden, sich zu engagieren.