ZEIT ONLINE:Immer mehr Menschen leiden unter Dauer-Frust im Job. Warum macht so vielen Menschen ihr Job keinen Spaß mehr, Frau Götze?

Alexandra Götze: Die Informationsflut lässt uns nicht mehr durchblicken, uns fehlt schlicht die Zeit zum Filtern. Die Vernetzung und kommunikative Dichte hat zugenommen – dadurch steigt bei Mitarbeitern der Selektionsdruck, um Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden, was unter aktuellem Zeitdruck quasi kaum mehr möglich ist. Das ist anstrengend und kann sehr frustrieren. Viele Arbeitnehmer geben dem Unternehmen die Schuld an diesem Chaos und sind der Meinung, dass der Vorgesetzte sie aus dieser Misere holen müsste. Sie sagen nichts, aber hoffen, dass der Chef es merkt. Das ist fast wie eine intrinsische Abmahnung. Das ist jedoch keine Lösung und macht auf Dauer auch nicht zufriedener.

ZEIT ONLINE: Das heißt, wer keinen Spaß an seiner Arbeit hat, ist selbst dran schuld – auch wenn der Chef unfair und die Kollegen fies sind?

Götze: Wer unter seinem Chef oder den Kollegen leidet, ist dieser Situation doch nicht hilflos ausgeliefert. Man sollte sich selbst ermahnen. Dazu muss man "nur" wachsamer durchs Leben gehen und einen reflektierten Blick auf die Situation haben. Man kann die eigene Unzufriedenheit nicht auf den Arbeitgeber abwälzen. Jeder Job ist ein Handel. Es gibt Erwartungen an einander, und die sind meist mehr als nur Arbeit gegen Geld. Mitarbeiter wollen etwas Sinnvolles tun und Wertschätzung haben, Arbeitgeber wünschen sich in der Regel engagierte Arbeitnehmer, die mit Leidenschaft dabei sind. Das ist sozusagen auch ein psychischer Vertrag. Beide Seiten müssen die Erwartungen aneinander kommunizieren. Wer das nicht kann, sollte sich erst einmal die Zeit nehmen, seine eigenen Erwartungen an den Job auszuformulieren. Das ist besser, als Jahre lang Frust zu schieben.

ZEIT ONLINE: Mitunter lässt die Lage auf dem Arbeitsmarkt aber wenig Alternativen zu.

Götze: Das würde ich für die meisten Berufe bezweifeln. Selbst wenn man keine Alternative hat, sofort den Job zu wechseln, so hat man doch die Wahl, zunächst sein eigenes Verhalten unter die Lupe zu nehmen, sich zu verändern.

Viele vergessen aber, dass sie mit ihrem destruktiven Verhalten ihr Unternehmen und alle Kollegen abwerten. Denn diese negative Stimmung, die solche Personen verbreiten, wirkt sich negativ auf alle aus. Wie soll da etwas Positives wie Wertschätzung entstehen?