ZEIT ONLINE: Sie haben sich darauf spezialisiert, Assistentinnen und Assistenten so zu schulen, dass Vorgesetzte einen effektiveren Tagesablauf haben. Was unterscheidet denn Ihre Sekretärinnen von anderen, Frau Walker?

Christine Walker: Die von uns ausgebildeten Assistentinnen und Assistenten sind bei namhaften Dax-Vorständen, bekannten Persönlichkeiten und in internationalen Großprojekten im Einsatz. Sie sind top qualifiziert und stimmen Arbeits- und Büroabläufe effektiv aufeinander ab. Richtig eingesetzt realisieren solche Assistentinnen und Assistenten eine sofortige Entlastung von 20 Prozent für Führungskräfte. Das entspricht einem Tag pro Woche! Das heißt, die Manager haben nicht nur mehr Zeit zur Verfügung, sondern auch mehr Lebensqualität.

ZEIT ONLINE: Und was lernen die Assistentinnen und Assistenten in Ihrer Ausbildung?

Walker: Zunächst einmal: Wir bilden keine neuen Assistenten aus – wir helfen Führungskräften und ihrer Assistenz dabei, zu einem Erfolgsteam zu werden. Dass dies oftmals nicht der Fall ist, liegt häufig an Büro- und Arbeitsabläufen, aber auch daran, dass die Chefs nicht gut delegieren können.

Wir haben 30 Trainingsmodule, mit der die Assistentinnen und Assistenten über Technik-Sessions, Übungseinheiten, Intervall-Trainings sowie in der Praxis geschult werden. Dabei messen wir die Steigerung ihrer Leistung. Damit können wir auch belegen, dass die Effizienzsteigerung bei über 50 Prozent innerhalb weniger Wochen liegt.

Parallel trainieren und coachen wir die Führungskraft, damit sie die PS im Vorzimmer auch richtig nutzen bzw. entwickeln kann. Denn Ziel ist, die Arbeits- und Büroabläufe effektiver aufzusetzen sowie operative Aufgaben wie das Termin- und Reisemanagement, E-Mails, Vorbereitung von Meetings, Präsentationen usw. delegieren zu können.

ZEIT ONLINE: Ist das Konzept für jeden Chef und jedes Unternehmen umsetzbar?

Walker: Ja, es kommt ja aus der Praxis und ist für die Praxis bestimmt. Und ich selbst lebe das Konzept: Ich habe mein Unternehmen aus eigener Kraft aufgebaut, währenddessen zwei Kinder bekommen und die ersten Jahre alles selbst gemacht. Als ich dann merkte, dass das so nicht weitergehen kann, organisierte ich mir eine Assistenz, die mir die nötige Luft verschaffte, um mein Führungsteam aufbauen zu können. Mittlerweile habe ich eine 40-Stunden-Woche und ausreichend Zeit für Hobbys und Freunde.

Die Voraussetzung dafür ist das Loslassen und Vertrauen, was generell der Schlüssel für mehr Freiräume ist. Der Chef eines Dax-Unternehmens beispielsweise hat anhand unseres Konzeptes seine 72-Stunden-Woche auf eine 42-Stunden-Woche reduzieren können – bei gleichzeitiger Steigerung seiner Produktivität.

ZEIT ONLINE: Wie lange dauert das Training und was kostet es?

Walker: Je nachdem, auf welchem Level die Führungskraft und wie die Teamkonstellation ist, kann bereits mit einem Tagesworkshop ein Zeitgewinn von 20 Prozent für den Chef realisiert werden. Den Dax-Chef beispielsweise coachten über einen Zeitraum von drei Monaten etwa acht Mal.

Die Trainingskosten belaufen sich dabei von 490 Euro pro Person und offenes Training bis hin zu 4.600 Euro Tagessatz für ein individuelles Coaching, ein Inhouse-Gruppentraining oder einen Vortrag.

ZEIT ONLINE: Und was, wenn es nicht klappt? Wird der Assistent oder die Assistentin dann gefeuert?

Walker: Das haben wir noch nie erlebt. Aber natürlich gibt es Grenzen – und die setzen die Beteiligten selbst. Einerseits muss bei der Führungskraft die Einsicht bestehen, dass sie im Hamsterrad feststeckt. Denn nur dann ist sie auch bereit, die Rahmenbedingungen zu schaffen, um sich und die Assistenz entsprechend auszubilden. Andererseits muss sie das nötige Vertrauen besitzen, um die Aufgaben loslassen und delegieren zu können. Und genau das ist eine große Herausforderung, denn viele Führungskräfte haben zu wenig Vertrauen in das Potenzial ihrer Mitarbeiter und scheuen sich, sie entsprechend zu fordern und zu fördern.