Mit 19 Jahren stand Philipp Hommelsheim – wie so viele junge Menschen – vor einem großen Problem. Die Schule hatte er beendet, fühlte sich aber auf das Berufsleben nicht vorbereitet. Dennoch musste er entscheiden, wie es weitergehen sollte. "Aus der Not heraus habe ich das gemacht, was ich gut kannte: Ich wurde Polizist, so wie mein Vater – da wusste ich, was ich bekomme – finanziell und auch inhaltlich."

Er ging von Berlin nach Bremen in dem Glauben, alles über das Berufsbild des Polizisten zu wissen. Doch mit dem Tragen der Uniform begann er, sich unwohl zu fühlen. "Ich musste auf einmal angepasst sein – das passte nicht zu mir." Hommelsheim reagierte und ging zum Bundeskriminalamt (BKA) nach Wiesbaden, wo er zunächst drei Jahre studierte. Er fühlte sich wieder im Einklang mit sich selbst: "Meine Bedürfnisse waren befriedigt, ich durfte kämpfen und alles über Kriminologie lernen, rechtswissenschaftliche und psychologische Sachen – das war spannend." Der Berliner blieb beim BKA und studierte nebenbei noch Sicherheitsmanagement an der Hochschule für Wirtschaft und Recht. "Das BKA erkennt dieses Studium zwar nicht an, mir gab es aber vom Kopf her die Möglichkeit, auch mal was anderes zu tun."

Doch zunehmend stellte er seinen Alltag als Beamter infrage. "Ich verdiente zwar gutes Geld, so richtig herausgefordert habe ich mich aber nicht gefühlt. Als junger Mensch sehe ich die Veränderungen in der Welt, die Technologien, doch meine Änderungsvorschläge wurden immer abgewiegelt. Irgendwann habe ich aufgehört, mich einzubringen. Es war ziemlich frustrierend. Trostlos. Ich mag gar nicht daran zurück denken."

Sehnsucht nach Kontrastprogramm

Ein Erkenntnisgewinn, der Hommelsheim aus dem sicheren Job aussteigen ließ. Nach sechs Jahren beim BKA stand die Verbeamtung auf Lebenszeit an. Statt diese anzunehmen, bat der heute 29-Jährige um Entlassung. "Was bringt es mir, wenn ich mit 80 Jahren sage, ich hatte ein sicheres Leben, es war nicht aufregend und ich hab auch nicht das gemacht, was mir Freude bereitet hat. Aber es war sicher?", fragt er.

Dass es anders sein kann, erfuhr Hommelsheim durch Kontakte in die Start-up-Szene. "Menschen, die sich in diesen Kreisen bewegen, die brennen für etwas, die haben Lust auf etwas. Das war eine ganz andere Klientel als die, die ich aus meinem Arbeitsalltag kannte – ich kam aus einer Welt geprägt von Sicherheit und Behäbigkeit." Beim BKA habe er das Gefühl gehabt, nur noch auf seine Pensionierung zu warten. Er wollte aber so sein, wie die jungen Kreativen, angetrieben vom Spaß an der Arbeit.

Helfen sollte ihm dabei ein Kurs am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam, an der School of Design Thinking. "Das ist ein ganz besonderer Ort, an dem verrückte Menschen aus aller Welt zusammenkommen und versuchen, divergent zu lernen – also wie Kinder ganz breit zu denken und zu fragen, und die Menschen in den Mittelpunkt aller Produkte und Services zu stellen."

Hommelsheim gab das den nötigen Anschub für eine eigene Geschäftsidee: Die Digitalisierung des Notrufs in Deutschland. Herauskristallisiert hat sich dabei eine Unfallerkennungssoftware fürs Handy. "Wer vor einen Baum fährt und den Notruf nicht mehr selbst wählen kann, für den erledigt das sein Telefon – sofern die entsprechende App darauf installiert ist", erklärt er. Diese entwickelte er gemeinsam mit einem Kommilitonen vom Hasso-Plattner-Institut, einem studierten IT-Experten. Ein versicherungsunabhängiger Unfallabwickler soll das Servicepaket von CrashGuard vervollständigen. "Jetzt brauchen wir nur noch eine private Leitstelle, die den Notruf auffängt, denn in Deutschland darf man keine automatischen Notrufe in die öffentlichen Leitstellen schicken", erzählt Hommelsheim, der dazu bereits Gespräche führt.

Sein Zeitplan ist straff: Im Februar dieses Jahres gründete er sein Start-up mithilfe eines Stipendiums, ein Prototyp der App ist bereits fertig und soll im März auf den Markt kommen. Der Berliner fühlt sich gut mit seinem Wechsel, "beruflich lebendig". "Ich kann nur jedem raten, der sich im Job unwohl fühlt, mutig zu sein und etwas anderes zu machen."