Mein Chef möchte mich in eine andere Filiale versetzen. Die ist zwar sogar dichter an meinem Wohnort als mein jetziger Arbeitsort, dort möchte ich allerdings nicht arbeiten. Muss ich diese Versetzung über mich ergehen lassen?, fragt Dieter Bachmann.

Sehr geehrter Herr Bachmann,

eine nicht unwesentliche Arbeitsbedingung für Mitarbeiter ist der Ort ihrer Arbeitsstätte, wo sie also ihre Arbeitsleistung letztendlich zu erbringen haben. Das wird in der Regel der jeweilige Betriebssitz sein. An welchem Arbeitsort Mitarbeiter ihre Arbeitsleistung zu erfüllen haben, steht meist im Arbeitsvertrag.

Ist das nicht der Fall, weil zum Beispiel mehrere Betriebssitze vorhanden sind, ergibt sich die Bestimmung des Arbeitsortes durch das Weisungsrecht des Arbeitgebers. Die Weite des Weisungsrechts bestimmt sich dann durch eine sogenannte Auslegung des Vertrages, welchen Inhalt die vertraglichen Regelungen unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalles haben.

Versetzungsklausel im Arbeitsvertrag beachten

Vom Grundsatz heißt das also, ergibt sich der Arbeitsort nicht bereits aus dem Arbeitsvertrag selbst, aus Bestimmungen einer Betriebsvereinbarung, eines anwendbaren Tarifvertrages oder gesetzlicher Vorschriften, so kann auch der Arbeitsort durch Weisung des Arbeitgebers festgelegt werden. Das Direktionsrecht umfasst insoweit auch das Recht, den Arbeitnehmer an verschiedenen Orten, somit auch in verschiedenen Filialen einzusetzen. Auf einen bestimmten Entfernungsradius ist der Arbeitgeber jedoch nicht beschränkt, erst recht nicht, wenn die neue Filiale noch näher am Wohnort liegt.

Arbeitgeber, die beispielsweise über mehrere Filialen verfügen, nehmen in der Regel zudem auch eine sogenannte Versetzungsklausel in den Arbeitsvertrag auf. So nämlich bleiben sie noch stärker flexibel, weil sie damit ihr Weisungsrecht auch im Hinblick auf den Arbeitsort weit ausgestalten bzw. sogar noch stärker erweitern können.

Enthält Ihr Arbeitsvertrag eine solche Versetzungsklausel (wovon ich ausgehe), die Ihren Arbeitgeber berechtigt, Sie in einen anderen Betriebssitz (also anderer Arbeitsort) zu versetzen, müssen Sie erst Recht der Anweisung folge leisten. Halten Sie sich nicht daran, droht die fristlose Kündigung.

Allerdings wird von den Arbeitsgerichten auch die soziale Schutzbedürftigkeit eines Arbeitnehmers im Rahmen einer sogenannten Interessenabwägung berücksichtigt. Denn Arbeitgeber müssen dabei immer auch die Lebensumstände ihres Mitarbeiters im Auge haben. Wer zum Beispiel versetzt werden soll, was einen Umzug zur Folge hätte, aber schulpflichtige Kinder hat, kann die Versetzung gegebenenfalls ablehnen – ohne arbeitsrechtliche Sanktionen befürchten zu müssen. Das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein urteilte zum Beispiel, dass ein Vater dreier schulpflichtiger Kinder nicht auf eine Baustelle versetzt werden darf, die 660 Kilometer vom Wohnort entfernt liegt. Der Arbeitgeber habe hier die familiären Belange im Rahmen billigen Ermessens zu berücksichtigen.

Ihr Ulf Weigelt