Zudem muss sie von ihrem Honorar in die Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung, sowohl den Arbeitnehmer- als auch den Arbeitgeberanteil zahlen. Bezahlten Urlaub oder Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gibt es für sie als Selbstständige auch nicht. "Ich darf einfach nicht länger ausfallen, denn sonst bliebe mir nur der Gang zu Arbeitsamt, um Hartz IV zu beantragen. Einige Kollegen mit Kindern müssen das machen, weil sie sonst nicht über die Runden kommen. Und das ist neben der Arbeit noch ein zusätzlicher bürokratischer Aufwand", sagt die Leipzigerin.

Inzwischen hat sich ein Bündnis DaF/DaZ-Lehrkräfte gegründet. Lehrkräfte aus der ganzen Bundesrepublik haben sich hier organisiert und tragen ihre Forderungen auch in die Politik. Wie vielschichtig die Probleme sind, zeigt ein "Wunschzettel", auf dem das Bündnis seine "Lieblingswünsche" an das Bamf aufgeschrieben hat: Die Entkopplung der Honorarhöhe von der Höhe des Teilnehmerbeitrags etwa ist den Dozenten sehr wichtig. Hintergrund: Im Vergleich zu 2010 zahlen die Teilnehmenden heute fast doppelt so viel für ihre Kurse, sodass manche aus finanziellen Gründen den Kurs abbrechen müssen. "Eine angemessene Bezahlung der Lehrkräfte sollte nicht Aufgabe der Teilnehmenden sein", sagt Ulrike Pfeifer, die sich im Bündnis und speziell in Leipzig um eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Honorarkräfte einsetzt.

Schlechte Finanzausstattung bedingt geringe Bezahlung der Honorarlehrer

Auch sie möchte ähnlich gute Arbeitsbedingungen vorfinden wie fest angestellte Lehrer im Regelschulbetrieb. Die arbeiten im Schnitt nur 26 bis 28 Unterrichtseinheiten in der Woche. DaF/DaZ-Lehrkräfte dagegen geben durchschnittlich 34 bis 38 Unterrichtseinheiten. Und statt 30 Euro Honorar fordern die Lehrkräfte 65 Euro wie ein Berufsschullehrer (Arbeitgeberbrutto). Ulrike Pfeifer ist Gewerkschaftsmitglied und hofft, dass sie die rund 800 Kolleginnen und Kollegen in Leipzig motivieren kann, für einen Tarifvertrag in der Weiterbildung zu streiten. Die Unterstützung von Heike Richter-Beese, Leiterin der Volkshochschule Leipzig, hätten sie allemal: "Ich kann den Unmut verstehen. Wir reden nicht nur über Honorare. Hier geht es um Existenzen." Richter-Beese führt die schlechtere Honorierung bei den Volkshochschulen auf die schlechtere Finanzausstattung der zuständigen Länder zurück.

Doch während die Volkshochschule Leipzig ihre Honorare angehoben hat, verdienen die allermeisten Kursleiter an Volkshochschulen gerade einmal genug, um über die Runden zu kommen. Laut ver.di zahlen die gemeinnützigen Volkshochschulen zwischen 20 und 35 Euro. Die bereits erwähnte Volkshochschule Düsseldorf will ihr Regelhonorar von 22 Euro in den nächsten Jahren jeweils um einen Euro anheben, bis der Wert von 25 Euro erreicht ist. Darüber hinaus existieren Hunderte kleinerer Anbieter, Sozialverbände oder große Sprachschulen – alle Auftraggeber für freie Honorarkräfte. Der Vergleich zeigt: Die Privaten zahlen am schlechtesten.

Und so bleibt die Erkenntnis, dass Honorarlehrern wie Berit Kramer und ihren Kollegen vor allem durch einen Tarifvertrag geholfen wäre.