Einmal an der Kette gezogen oder den Knopf gedrückt – und schon ist alles entsorgt. Aber wohin die Toilettenspülung führt, darüber möchten sich wohl die wenigsten Gedanken machen. Dabei ist jedes Kanalnetz ein wahres Wunderwerk im Untergrund. Das Kanalisationsnetz einer Stadt wie Berlin etwa umfasst stolze 9.400 Kilometer. Wartung und Instandhaltung des labyrinthartigen Kanalsystems ist da eine echte Herausforderung.

Für den reibungslosen Fluss von Regen- und Abwasser durch das Rohrleitungssystem im Untergrund bis ins Klärwerk sorgen Kanalbauer. Sie halten das bestehende Kanalnetz instand, bauen neue Schächte, Regenrückhaltebecken und erweitern das bestehende Netz um neue Kanäle.

Hätten Sie etwa gewusst, dass bevor eine neue Straße gebaut, als erstes die Kanalbauer vor Ort sind? Denn, logisch, zunächst muss ja der Untergrund fertig werden. Da werden erst einmal Rohre unter dem Straßenbett verlegt und mit dem bestehenden Kanalnetz verbunden. In Neubaugebieten werden gleich komplette Straßenzüge angeschlossen.

Klingt einfach? Weit gefehlt, denn Abwasser ist nicht gleich Abwasser. Es gibt unterschiedliche Systeme. In ländlichen Gebieten befinden sich unter den Straßen meist Mischkanalisationen. In solche Systeme werden Haus-, Industrie- und Niederschlagsabwässer gemeinsam abgeführt. Mittels der modifizierten Mischkanalisation werden sowohl Abwässer einerseits und Regenwasser andererseits zusammengeführt. Das Gemisch muss schließlich in der Kläranlage behandelt und gereinigt werden. Andere Niederschlagsabwässer, die keiner Reinigung bedürfen, versickern hingegen oder werden in ein nahegelegenes Gewässer geleitet.

Ein weiteres System ist die Trennkanalisation. Hier werden Abwässer aus Haushalten und Industrie und Niederschlagsabwässer in separaten Kanälen abgeführt. Da Niederschlagsabwässer oft nur gering verschmutzt sind, werden diese oft in Gewässer eingeleitet.

Beim Neubau eines Kanals wird im ersten Schritt zumeist eine Baugrube ausgehoben. Die Wände der Baugrube müssen dabei gegen abfallendes Erdreich gesichert werden. Das ist wichtig, da ansonsten die Baugrube einstürzen könnte – Lebensgefahr für die Kanalbauer! Und nicht nur das: Durch eine einstürzende Baugrube können Gebäude in unmittelbarerer Umgebung in Mitleidenschaft gezogen werden. Hier müssen Kanalbauer besondere Sorgfalt an den Tag legen.

Abwasser ist nicht gleich Abwasser

Auf dem Grund der Grube werden die zuvor ausgelegten Rohre von den Kanalbauern miteinander verbunden. Zuvor wird ein Kiesbett auf dem Untergrund ausgebreitet. Je nach Nutzung, Abwasserart und Durchlaufmenge verwenden Kanalbauer Rohre aus Kunststoff, Beton oder Steinzeug, das ist eine besondere Keramikart. Bei der Arbeit ist Präzision gefragt, denn die Kanalbauer müssen auch das Gefälle der Rohre, damit die Abwässer mittels der Schwerkraft ihren Weg zurücklegen können, und die Dichtigkeit der Rohrverbindungen berücksichtigen. 

Wesentlich öfter als ein Kanalneubau steht die Wartung und Instandsetzung eines Kanal oder eines Teilabschnitts an. Rohre zu kontrollieren, geht heute mit modernen Kameras. Die Kanalbauer müssen dabei nicht in die Tiefe hinabsteigen. Steht allerdings eine Reparatur an, muss meist die Straßendecke geöffnet werden. Nur so können die alten Teile gegen neue ersetzt werden. Eine Sanierung direkt im Inneren des Kanals allerdings ist vergleichsweise selten, da ein Großteil der Kanäle nicht begehbar ist.

Für die Arbeit sind Sorgfalt, Konzentration und Muskelkraft gleichermaßen gefordert. Wichtig sind auch viele branchenübergreifende Fähigkeiten: Neben dem Verlegen von Rohren müssen Kanalbauer auch Mauern, Asphaltieren und Pflastern können. Denn die geöffneten Straßendecken werden nach der Arbeit am Kanal auch wieder von den Kanalbauern verschlossen.

Für die dreijährige, staatlich anerkannte Ausbildung sollten die angehenden Kanalexperten einen guten Hauptschulabschluss sowie handwerkliches Geschick und technisches Verständnis mitbringen. Insbesondere Kenntnisse der Mathematik und Physik sind wichtig. Innerhalb der Ausbildung lernen die Kanalbauer in spe das Ausheben von Gräben und Baugruben, die Sicherung einer Baustelle, den Einbau von Rohren und Schächten sowie alles über Mauern, Asphaltieren und Pflastern.

Gehälter zwischen 2.380 und 2.850 Euro

Sie lernen den Umgang mit Maschinen wie Rüttelplatte und Trennschleifer, wie der Baugrund ausgemessen und das Gefälle der Rohrleitungen bestimmt wird. Um die Baupläne später richtig lesen zu können, steht außerdem technisches Zeichnen auf dem Lehrplan. Kanalbauer sind meistens bei Tiefbauunternehmen oder in Unternehmen der Abwasserwirtschaft beschäftigt. Mit einigen Jahren Berufserfahrung können sie als Vorarbeiter ein Team führen, sich zum Industriemeister weiterbilden lassen oder nach der Ausbildung ein Studium der Bauingenieurswesen aufnehmen. Mit einer Weiterbildung zum Baumaschinenführer sind Kanalbauer zudem berechtigt, schwere Maschinen wie etwa Bagger zu bedienen.

Entscheidend für den Job ist allerdings auch, nicht wetterscheu zu sein. Denn die Arbeit findet bei jeder Witterung im Freien statt. Schmutz und Gestank sind ständige Begleiter, ebenso wie Verkehrslärm und Abgase beim Einsatz mitten in der Stadt. Die Arbeit kann anstrengend sein und manchmal sind Kanalbauer mehrere Tage oder Wochen auf Baustellen unterwegs.

Diesen Schattenseiten stehen jedoch einige positive Berufseigenschaften gegenüber. Die meisten schätzen es, dass sie eine verantwortungsvolle Arbeit haben. Und der Job gilt als krisensicher. Die Perspektiven sind daher gut, denn Kanalneubauten und Instandsetzungen stehen immer an.

  • Gehalt: Das Einstiegsgehalt liegt, abhängig von der Region, zwischen 2.380 und 2.850 Monatsbrutto
  • Arbeitszeit: etwa 40 Stunden/Woche
  • Ausbildung: dreijährige, staatlich anerkannte Ausbildung zum Kanalbauer