Darf ich als Arbeitgeber eine Mitarbeiterin fragen, ob sie schwanger ist?, fragt Andreas Schumann.

Sehr geehrter Herr Schumann,

nein, Sie dürfen Ihre Mitarbeiterin nicht fragen, sondern müssen abwarten, bis sie mit dieser Information auf Sie zukommt.

Die Frau entscheidet selbst

Und auch wenn der Gesetzgeber nach Paragraf 5 Absatz 1 Mutterschutzgesetz Mitarbeiterinnen empfiehlt, es so bald wie möglich zu sagen: Es besteht keine rechtliche Verpflichtung, den Chef über eine Schwangerschaft zu informieren. Wenn sie es erst kurz vor dem Mutterschutz mitteilen möchte, dann ist das ihr gutes Recht.

Allerdings ist eine werdende Mutter gut beraten, dem Arbeitgeber die Schwangerschaft alsbald mitzuteilen, weil sie damit auch ihre eigenen Rechte sichert. Die Mitteilung kann mündlich oder auch schriftlich erfolgen.

Warten Sie einfach ab, bis Ihre Mitarbeiterin auf Sie zukommt. Manchmal möchten Schwangere erst einmal die kritische Phase am Anfang einer Schwangerschaft sicher überstanden haben.

Kommt Ihre Mitarbeiterin mit einem Gesprächswunsch auf Sie zu, nehmen Sie sich Zeit dafür. In dem Gespräch sollte auch geklärt werden, ob es für gewisse Aufgaben unter Beachtung der individuellen Bedürfnisse der Schwangeren eine andere Arbeitsverteilung geben muss, denn grundsätzlich haben Sie als Arbeitgeber die Schutzvorschriften einzuhalten und müssen die Arbeit für die schwangere Mitarbeiterin so gestalten, dass die Gesundheit von Mutter und Kind nicht gefährdet wird. So dürfen schwangere Mitarbeiter nicht regelmäßig mehr als fünf Kilogramm Lasten tragen, sie dürfen nicht mit giftigen beziehungsweise gefährlichen Stoffen arbeiten, nicht mehr lange stehend tätig sein, nicht an Sonn- und Feiertagen arbeiten und vieles andere mehr. Außerdem ist es möglich, dass Ihre Mitarbeiterin für bestimmte Aufgaben oder Arbeitszeiten ein individuelles Beschäftigungsverbot von ihrem Arzt erhält.

Und wenn Ihre Mitarbeiterin möchte, sollten Sie auch darüber sprechen, wann, wie (etwa zunächst nur im Homeoffice) und in welchem Umfang (Vollzeit oder Teilzeit) sie nach der Schwangerschaft beabsichtigt, in den Job zurückkehren.

Ihr Ulf Weigelt