Ohne Netzwerke und persönliche und soziale Kontakte könnten wir überhaupt nicht (zufrieden) leben. Und: Leider hängt eben "beruflicher Erfolg", Fuß fassen und den Aufstieg schaffen nicht allein von der Leistung ab. Unsere Kompetenz und Leistung hat Studien zufolge leider nur einen recht geringen Anteil daran – vielmehr kommt es darauf an, wen man kennt und welche Fürsprecher man hat. Der persönliche Bekanntheitsgrad ist einer der entscheidendsten Faktoren dafür, einen Job zu bekommen oder befördert zu werden.

Hinzukommt: Nur noch jeder dritte bis zweite Stelle (hier gibt es unterschiedliche Untersuchungen) wird hierzulande überhaupt noch ausgeschrieben. In vielen Branchen – etwa in den Medien, dem Kunst- und Kulturbereich – hängt maßgeblich vieles von Netzwerken und Kontakten ab. Aufträge, Projekte und Jobs werden vergeben an Personen, die man kennt – und denen insofern ein Vertrauensvorschuss entgegengebracht wird. Gerade für Selbstständige sind Kontakte und Netzwerke geradezu überlebenswichtig.

Formal oder ganz privat – die Formen sind verschieden

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen formalen und informellen Netzwerken (Seilschaften und Klüngelrunden). Formale Netzwerke sind etwa Alumnivereine von Universitäten, für Wissenschaftler, für Gründer, Netzwerke innerhalb von Unternehmen oder Branchen, etwa für Frauen oder Führungskräfte. Und dann gibt es noch die sogenannten Serviceclubs (Lions Club oder Soroptimistinnen). Diese waren seit jeher Elitenetzwerke, die sich vor allem durch Abschottung und Distinguierung auszeichneten, aber für ihre Mitglieder hochwirksam für den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen oder politischen Aufstieg waren. Sie sind es teilweise heute noch. Davon zu unterscheiden sind Geheimbünde, Bruderschaften und Burschenschaften. Weitere Formen von formalen Netzwerken sind Rednerclubs

Viele formale Netzwerke hatten allerdings lange Zeit ein Problem: Sie waren entweder nur für Männer bestimmt oder von Männern dominiert. Doch schon vor gut hundert Jahren begannen Frauen, eigene Netzwerke zu gründen – und damit die Emanzipation einerseits und gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Teilhabe andererseits zunehmend in die eigenen Hände zu nehmen. Innerhalb von Parteien, Organisationen und der Frauenbewegung bildeten sich weltweit unzählige Frauenbündnisse.

Bekannte Frauenkarrierenetzwerke mit langer Geschichte sind etwa die Business and Professional Women, die den Equal Pay Day (in diesem Jahr am 18. März) in Deutschland initiieren. Das Expertinnenberatungsnetz, das eher lokal funktioniert. Und unzählige Frauenverbände und Netzwerke für verschiedene Branchen – vom Zusammenschluss der Frauen in der Immobilienwirtschaft über den Deutschen Juristinnen oder Journalistinnenbund bis zu den Landfrauen. Als Dachorganisation aller Frauenverbände- und Netzwerke fungiert der Deutsche Frauenrat mit Sitz in Berlin.

Informelle Netzwerke dagegen entstehen eher im Persönlichen. Man baut ein Netzwerk selbst aus, man ist untereinander locker vernetzt. Es entsteht in der Regel keine Vereinsstruktur.

Und dann gibt es in den letzten Jahre verstärkt Gründungen von freien Frauennetzwerken wie And She Was Like: BÄM! oder die Digital Media Women. Diese Netzwerke entstehen oft zunächst im persönlichen Kontakt einzelner Frauen, die ein ähnliches Bedürfnis haben. Sie werden in der Regel schnell groß durch das Internet und soziale Medien – und geben sich schließlich eine formale Struktur.

Doch egal ob formal oder ohne feste Struktur: Grundlage für erfolgreiches Netzwerken ist Kooperation und Geben und Nehmen. Sicher ist es sinnvoll, sich über die eigenen Ziele klar zu sein – aber wer nur sein Egoziel verfolgt, wird beim Netzwerken scheitern. Der wichtigste Impuls ist daher, zu klären, was man für die anderen im Netzwerk eigentlich mitbringt – und dies auch proaktiv anzubieten. Hierin scheinen sich dem Stand der Forschung zufolge Männer- und Frauennetzwerke auch nicht zu unterscheiden.