Wir sind dabei, die Arbeitsplätze zunehmend zu digitalisieren, also unseren Mitarbeitern flexibles und mobiles Arbeiten von überall zu ermöglichen. Aber was muss man als Arbeitgeber dabei rechtlich eigentlich beachten – besonders beim Arbeitsschutz, fragt Ludwig Bayer.

Sehr geehrter Herr Bayer,

neben diversen datenschutzrechtlichen Fragen ist eine der größten Herausforderungen digitaler Arbeitsplätze, Mitarbeiter von ihnen fern zu halten. Das meine ich ganz ernst. Denn Arbeitgeber – und falls vorhanden auch Betriebsräte – müssen dafür Sorge tragen, dass ihre Arbeitnehmer nicht rund um die Uhr arbeiten und dass der Arbeitsschutz und vor allem die Ruhe- und Pausenzeiten eingehalten werden. Tatsächlich zeigen diverse Studien, dass flexibles, mobiles und digitales Arbeiten dazu führt, dass die Beschäftigten rund um die Uhr ansprechbar sind und auch noch am späten Abend, im Feierabend und am Wochenende Arbeiten erledigen – oft obwohl der Arbeitgeber sie dazu gar nicht angewiesen hat.

Denn das Beantworten von E-Mails, Überarbeiten von Projektplänen oder die Organisation der Terminplanung der nächsten Woche ist mittlerweile in vielen Jobs auch in öffentlichen Verkehrsmitteln oder vom heimischen Sofa aus möglich und für viele Mitarbeiter mittlerweile Standard. Diese fehlende Trennung zwischen dem Berufs- und Privatleben ist allerdings langfristig ein Fluch – und zwar für beide Seiten. Denn Mitarbeiter fallen aufgrund der ständigen Arbeitsbelastung häufiger krankheitsbedingt aus, Arbeitgeber müssen diesen Ausfall auffangen.

Digitale Arbeitsplätze sind aber nicht nur negativ. Wer flexibel arbeiten möchte oder muss, weil er beispielsweise mittags Kinder aus der Schule oder dem Kindergarten abholen muss, hat so die Möglichkeit, anschließend weiterzuarbeiten.

Faire und transparente Regelungen für alle treffen

Dafür braucht es aber dringend betriebliche Regeln unter Beachtung des geltenden Arbeitsschutzes. Das heißt, die Arbeitszeiten müssen klar definiert sein. Es sollte nicht vorkommen, dass ein Arbeitgeber denkt, er kann den Mitarbeiter rund um die Uhr kontaktieren. Auch sollte geregelt sein, wer für notwendige Arbeitsmittel aufkommt. Denn wer zu Hause einen Arbeitsplatz einrichtet, sollte nicht auf den Kosten sitzen bleiben, sondern hat Anspruch darauf, dass sich der Arbeitgeber daran beteiligt.

Wer mit seinen Mitarbeitern transparente und faire Vereinbarungen trifft, wird keine Überraschungen in Form von erheblichen Problemen bekommen. Als Arbeitgeber sollten Sie daher mit Ihrem Betriebsrat – sofern vorhanden – am Besten in Betriebsvereinbarungen regeln, wie der Arbeitsschutz beim mobilen und flexiblen Arbeiten einzuhalten ist. Sie können mit den Arbeitnehmervertretern darüber hinaus auch weitere Regelungen treffen, etwa über die Gestaltung der Arbeitszeit, wenn Sie von einem fixen Zeitmodell mit Präsenzzeiten abrücken wollen oder über die Umsetzung technischer Vorkehrungen, die verhindern, dass Ihre Beschäftigten in ihrer Freizeit und im Urlaub E-Mails lesen. Viele Systeme lassen es heute etwa zu, dass Mails in Abwesenheitszeiten gar nicht erst weitergeleitet werden.

Ihr Ulf Weigelt