Viele Firmen bezuschussen das Mittagessen ihrer Mitarbeiter. Bis zu 6,27 Euro dürfen sie täglich steuerfrei dazugeben. Doch was macht, wer keine Kantine in der Nähe hat? Rabattmarken einlösen? In der heutigen digitalisierten Welt wirkt dieses Modell eher antiquiert. Und doch gibt es sie immer noch, die Papierfetzen, mit denen das tägliche Mittagessen in Partnerrestaurants oder Supermärkten ein bisschen günstiger wird. Oft verfallen sie oder gehen verloren, ein Steuervorteil wird so verschenkt. Florian Gottschaller hat daraus eine Geschäftsidee entwickelt: Spendit heißt sein Start-up. "Es ist eine Plattform, die Steuervorteile systematisch nutzbar macht", erklärt der 42-Jährige.

Anstelle von Rabattmarken haben der Münchner und sein Mitgründer Ralph Meyer die App Lunchit entwickelt. Damit können Firmenangestellte in Restaurants oder Cafés ihrer Wahl gehen, am Kiosk um die Ecke oder im Supermarkt einkaufen. Die Belege werden mit dem Smartphone fotografiert und in der App gesammelt. Sie liest den Inhalt, überprüft die Art der Ausgabe, den Wochentag und Ausstellungsort – und am Monatsende überweist der Arbeitgeber seinen Essenszuschuss mit dem Gehalt. "Die Lohnbuchhaltung kann die Daten über eine digitale Schnittstelle ganz einfach einpflegen. Papier wird bei uns gar nicht mehr benötigt", sagt Gottschaller.

Dass die digitalen Essensmarken heute so einfach funktionieren, war allerdings ein langer Weg: Mehrere Jahre dauerte es, bis das Finanzministerium seine Zustimmung gab. Mittlerweile nutzen mehr als 1.100 deutsche und österreichische Unternehmen das System. Potenzial sieht der Gründer noch in 40 weiteren Ländern.

Auch das erste Spendit-Produkt, eine im Mai 2014 eingeführte Prepaid-Kreditkarte, bekam den Segen der Finanzbehörden. "Das Steuerrecht erlaubt es, dass Mitarbeiter jeden Monat steuerfreie Sachleistungen oder Gutscheine bekommen können. Beispielsweise, wenn ein Angestellter seinen privaten Internetanschluss dienstlich nutzt", erklärt Gottschaller. "Oder wenn er sein Auto als Werbefläche für die Firma zur Verfügung stellt." Ein Bonus kann dafür auf der Kreditkarte gutgeschrieben werden. Steuerfrei. Bis zu 960 Euro dürfen qua Gesetz so jährlich abgerechnet werden – ein Extra, das für beide Seiten attraktiv ist.

Finanzkrise weckte Unternehmergeist

Gottschaller hat sich mit Spendit einen beruflichen Traum verwirklicht: "Ich wollte schon immer was Eigenes machen und fühle mich mit dem Thema Finanzen einfach wohl", erzählt der studierte Betriebswirt. Das war nicht immer so: Sein Berufsweg begann im Investmentbanking. Er arbeitete für Morgan Stanley in London und Frankfurt, ebenso für Bear Stearns. Dann kam die Finanzkrise. "Der perfekte Zeitpunkt, um etwas Neues zu beginnen", befand Gottschaller.

2008 kehrte er nach München zurück. "Aber als Derivate-Spezialist hatte ich keine Ahnung, wie es in Firmen zugeht. So konnte ich mich auf keinen Fall selbstständig machen. Also beschloss ich, erst einmal für einen Insolvenzverwalter zu arbeiten, um zu sehen, was bei Firmen schiefgehen kann und wie man sie saniert." Gottschaller war für Michael Pluta, der die Insolvenz von Märklin und BenQ begleitete, tätig und anschließend für Thomas Klöckner.

"Bei ihm bin ich über das Thema Gepäckverladung am Flughafen gestolpert. Ich fand es spannend, mit Robotik ein konkretes Problem zu lösen und machte mir Gedanken, wie man mit Bildtechnik Gepäckstücke erfassen, vermessen und sie mit Robotersteuerung präzise bis ins Flugzeug befördern kann", erzählt er. Gottschaller gründete sein erstes Start-up Autoloader und tüftelte drei Jahre an dem Problem. "Die Verhandlungen mit dem Münchner Flughafen liefen gut, aber sobald feststand, dass es keine dritte Start- und Landebahn geben wird, wurden alle Investitionen zurückgefahren. Und wir waren raus." Die Firma existiert noch, das operative Geschäft stellte der junge Unternehmer aber ein.

Auf den Partner kommt es an

Stattdessen zog er Bilanz und überlegte, was er mit einem neuen Start-up besser machen könnte. "Der potenzielle Kundenkreis war bei Autoloader einfach zu klein und die Konstellation mit meinem Entwicklungschef nicht ideal." Gottschaller wusste, dass das Persönliche ganz entscheidend ist. Also schrieb er zehn Namen auf eine Liste von Leuten, mit denen er sich vorstellen konnte, ein Business aufzubauen.

Außerdem unterhielt er sich viel mit Bekannten und Geschäftsleuten, um sich zu neuen Themen inspirieren zu lassen. Mit einem Freund kam das Gespräch so auf steuerfreie Sachbezüge, die über eine Kreditkarte abgerechnet werden. "Das ging genau in meine Richtung: Finanzdienstleistungen. Die Herausforderung war, ein Produkt zu konzipieren, das über Jahre hinweg problemlos funktioniert", sagt er.

Im August 2013 rief er Ralph Meyer an, der zu der Zeit als Unternehmensberater arbeitete. "Er war der erste auf meiner Liste und begeistert von der Idee", erinnert sich Gottschaller. In kleinen Schritten testeten sie sechs Monate lang ihr System und die Resonanz potenzieller Kunden. "Als wir wussten, dass die Geschäftsidee tragfähig ist und es einen Markt für unser Produkt gibt, haben wir die Spendit AG gegründet", so Gottschaller. Der Betrieb ist stetig größer geworden, mittlerweile beschäftigen die Unternehmer 35 Mitarbeiter – und wollen weiter wachsen.