Ein Chassis aus nur wenigen Millimeter dickem Holz, die Tragflächen bespannt mit einem Kunststofffasergewebe: Auf den ersten Blick erscheinen Leichtflugzeuge fragil und wenig flugtauglich. Das Gegenteil ist aber der Fall: Viele Flieger in Leichtbauweise sind auch mit mehreren Jahrzehnten auf dem Buckel noch immer majestätisch über den Wolken unterwegs – wenn sie denn regelmäßig und beim kleinsten Anzeichen von Verschleiß gewartet und repariert werden.

Hier sind Leichtflugzeugbauer gefragt. Sie setzen Ultraleichtflugzeuge, Motorsegler, Segelflugzeuge und auch kleinere Motorflugzeuge instand und reparieren bei Bedarf einzelne Komponenten oder ersetzen auch komplette Teile wie Tragflächen oder Leitwerk. Und natürlich bauen sie auch komplette Flugzeuge. War hier bis in die sechziger Jahre noch Holz ein beliebter Werkstoff, kommt heute überwiegend glasfaserverstärkter Kunststoff, GFK genannt und umgangssprachlich auch als Fiberglas bekannt, zum Einsatz. 

Ob Rumpf oder Tragflächen: die einzelnen Komponenten gehen aus den Flugzeugplänen hervor, ohne Plan geht nichts. Gearbeitet wird mit Schablonen und Modellformen. In die Formen werden Glasfasermatten eingebracht, die wiederum mit flüssigem Polyesterharz, Epoxidharz oder Polyamid bestrichen werden. Härtet das Flüssigharz aus, so entsteht ein festes und zugleich leichtes Bauteil, das auch hohen Belastungen standhält. Wichtig ist die Oberflächenbearbeitung der Tragflächen und des Chassis. Alles muss leicht sowie windschnittig sein und wenig Widerstand bieten.

Befestigt werden die einzelnen Bauteile schließlich auf einem Rahmen. Er besteht meist aus Leichtmetallen wie etwa Aluminium, die verlötet, verschweißt oder auch vernietet werden. Alle Teile werden schließlich montiert und mit vorproduzierten Bauteilen wie etwa Motor, Fahrwerk, Steuerkomponenten oder Navigations- und Fluginstrumenten versehen. Zum Schluss lackieren die Flugzeugbauer das Flugzeug noch. Auch hier zählt jedes Gramm. Die abschließenden Lackschichten, die auch zum Schutz der Oberfläche dienen, werden daher nur hauchdünn aufgetragen.

Sicherheit steht bei der Wartung, Reparatur und beim Bau von Leichtflugzeugen an erster Stelle. Daher werden alle zu erledigenden Arbeiten dokumentiert, zudem versichert der Leichtflugzeugbauer durch seine Unterschrift die ordnungsgemäße Durchführung seiner Arbeit. Auch in puncto Baumaterial wird nichts dem Zufall überlassen: So dürfen lediglich solche Materialien zum Einsatz kommen, die getestet wurden und mit einem Prüfsiegel versehen sind.

Fingerfertigkeit und Vorsicht sind gefragt

Leichtflugzeugbauer müssen Baupläne lesen können, benötigen handwerkliches Geschick, eine gute körperliche Konstitution, gute Kenntnisse in Mathematik und Physik sowie ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen. Auch wichtig: Geduld und Sorgfalt bei der Arbeit, denn selbst kleine Fehler können schlimme Folgen haben.

Die Ausbildung dauert drei Jahre, ein bestimmter Schulabschluss wird nicht vorausgesetzt. Bundesweit gibt es aber nur wenige Ausbildungsplätze – und auch nur sehr wenige Berufsschulen. Die Azubis gehen deshalb oft mit ähnlichen Gewerken wie Tischlern oder Bootsbauern in die Berufsschule. Denn auch wenn es hinsichtlich der Vehikel auf den ersten Blick kurios erscheint: Der Beruf des Leichtflugzeugbauers ist dem des Bootsbauers sehr ähnlich. Beide Berufe haben ein vergleichbares Aufgabengebiet, beide arbeiten mit Bauteilformen und verwenden faserverstärkten Kunststoffen, Holz und Metall.

Innerhalb der Ausbildung lernen die Azubis die erforderlichen Sicherheitsbestimmungen, den Umgang und die Bearbeitung von Holz, Metall und Kunststoff und den verwendeten Werkzeugen.
Leichtflugzeugbauer sind wahre Multitalente, sie sägen, schleifen, schweißen, polieren und lackieren die einzelnen Bauteile und bauen auch die Bordinstrumente ein.

Abgeschlossen wird die Ausbildung mit einer praktischen und theoretischen Prüfung. Die Chancen auf ein festes Angestelltenverhältnis in ihrer Branche sind für Leichtflugzeugbauer überschaubar, bundesweit gibt es nur wenige freie Stellen. Dennoch finden Leichtflugzeugbauer zumeist schnell eine feste Anstellung.

Denn auch in Bootsbaubetrieben, bei Produzenten von Autotuningteilen oder bei Herstellern größerer Flugzeuge haben die Fachkräfte  gute Chancen auf eine Anstellung.

Doch der Job birgt auch Schattenseiten. Die Arbeit ist körperlich belastend, Leichtflugzeugbauer arbeiten oft in gebückter Haltung oder in der Hocke. Durch die Arbeit mit Kunststoffen, Lacken und Klebstoffen, sind sie trotz Schutzmaßnahmen wie Atemmasken und Absauganlagen schädlichen Dämpfen und Schleifstaub ausgesetzt.

Dennoch überwiegen die positiven Seiten des Berufes. Neben den, unter dem Strich guten Jobchancen, wird die Arbeit immer wieder aufs Neue als Herausforderung empfunden. Jeder Auftrag ist anders. Und die meisten Leichtflugzeugbauer sind selbst leidenschaftliche Flieger und schätzen besonders die Arbeit mit Flugzeugoldtimern.  

  • Gehalt: zwischen 2.500 und 2.800 Euro Monatsbrutto
  • Arbeitszeit: etwa 40 Stunden pro Woche, in Frühling und Sommer fallen oft Überstunden an
  • Ausbildung: dreijährige, staatlich anerkannte, duale Ausbildung