Bei der Berufswahl stand für Dennis Tjoeng eines von Anfang an fest: Auf keinen Fall wollte er DJ werden. "Das war für mich lediglich ein Hobby, das mir geholfen hat, mich zu entspannen", erzählt der 38-Jährige, der als Jugendlicher und junger Erwachsener zwar auflegte – allerdings meistens für sich daheim. "Und für Freunde habe ich auf kleineren Partys aufgelegt, das hat viel Spaß gemacht", sagt der Düsseldorfer. Doch damit Geld zu verdienen, das konnte er sich nicht vorstellen.

Stattdessen wählte er einen klassischen Ausbildungsweg, ging nach Holland und studierte International Business Administration. "Ich war aber kein Vollblut-BWLer und konnte mir auch nicht vorstellen, jeden Tag im Anzug zur Arbeit zu gehen. So landete ich in der Werbung", erinnert er sich. Zunächst als Praktikant, dann als Texter. Das sei ganz okay gewesen, aber nicht wirklich sein Traumjob, erzählt er. "Nach fünf Jahren hatte ich genug von der Branche: Die Arbeitszeiten waren krass, die Bezahlung war nicht gut und ich kam einfach nicht über den Status des Juniortexters hinaus. Das war demotivierend. Ich wollte nur noch raus."

Tjoeng wollte ins Marketing wechseln. Eine Personalagentur sollte ihm dabei helfen und ihn an eine Firma vermitteln. Da die Agentur gerade zufällig selbst einen Posten offen hatte, bot sie ihn Tjoeng an. "Ab da hieß es für mich: Armani statt Air Max", erzählt er und lacht. Obwohl ihm damals gar nicht so zum Lachen zu Mute gewesen sei. Bald merkte er, dass der Job noch weniger zu ihm passte als sein vorheriger in der Werbebranche. "Entgegen meiner Überzeugung habe ich trotzdem weiter gemacht – und dafür gesundheitlich die Quittung bekommen: Zweimal stand ich kurz vor einem Burnout." In einem Alter über 30 Jahren wurde Tjoeng klar: Er musste handeln, denn für ihn stand eindeutig fest: Ein Bürojob ist nichts für mich.

Auf das Herz gehört

Freunde rieten ihm zu einem Coaching – und so ging er zu der Berufsberaterin Uta Glaubitz. Er wusste, dass sie bereits Menschen in der Lebensmitte dabei geholfen hatte, einen völlig neuen Beruf zu ergreifen. Und er wusste auch, dass diese Menschen danach glücklicher waren. Und so buchte er ein Seminar bei der Beraterin. Doch das Ergebnis verstörte ihn: "Ich hatte es zum ersten Mal schwarz auf weiß: DJ ist mein Beruf, das, was mein Herz sagt." Für den damals 32-Jährigen war das schwer zu begreifen. Er habe mit Musikern und Künstlern immer ein  negatives Bild assoziiert – das waren für ihn Menschen, die finanziell nie unabhängig sind, die den Eltern ewig auf der Tasche liegen und nebenbei auch noch Kellnern gehen müssen.

Was also tun? Tjoeng fand für sich einen Kompromiss: Er wollte das DJ-Business nebenher aufbauen, seinen Job zunächst aber als finanzielle Sicherheit behalten. Daraus wurde jedoch nichts. "Mein Arbeitgeber war mit meiner Performance so unzufrieden, dass er mir eine Vertragsauflösung vorschlug. Somit war ich gezwungen, doch alles auf die DJ-Karte zu setzen", sagt er.

Das DJ-Equipment hatte er bereits, so dass der finanzielle Einsatz überschaubar war. Tjoeng nahm Mixes auf, schickte sie an Freunde, stellte sie ins Netz  und verteilte Mix-CDs mit seiner Musik in Bars. "So habe ich nach und nach Aufträge bekommen", erinnert er sich. "Die ersten waren nicht sehr lukrativ: 50 Euro für einen ganzen Abend in einer Bar."

Das war vor fünf Jahren. Heute hat er einen Künstlernamen – Mr Niceguy –, einen Agenten und wird deutschlandweit gebucht. Manchmal sogar von namhaften Fußballgrößen: Benedikt Höwedes und Kevin-Prince Boateng engagierten den 38-Jährigen bereits für private Partys. Auch international legte er schon auf: in Serbien, Österreich, der Schweiz, Belgien und Indonesien. "Für mich fühlt es sich toll an, bis fünf oder sechs Uhr in der Früh für mein Publikum aufzulegen", sagt Tjoeng. Bei jedem Gig spüre er, dass seine berufliche Entscheidung richtig war.