Fragt man Kinder danach, was sie später einmal beruflich machen wollen, sind die Antworten seit Jahrzehnten fast unverändert: Auf dem ersten Platz steht unangefochten Tierarzt beziehungsweise Tierärztin als Berufswunsch. Die Jungen wollen außerdem gern Polizist, Feuerwehrmann, Fußballer, Rennfahrer oder Pilot werden. Mädchen nennen Krankenschwester, Ärztin, Tierpflegerin oder Model als späteren Wunschberuf. Die Traumberufe von Kindern stammen meist aus ihrer Erlebnis- und Spielwelt – und sind daher schon früh stark geschlechtsspezifisch geprägt.

Erst ab etwa der Pubertät verändern sich die Berufsvorstellungen und werden realistischer. In diesem Alter verstehen viele Kinder und Jugendliche, dass die späteren Karrierechancen stark von Bildung und Herkunft bestimmt werden. Das Bildungssystem ist in den zurückliegenden 30 Jahren weniger durchlässig geworden: Kinder von Ungelernten oder Arbeitern haben deutlich schlechtere Chancen, einmal zu studieren und einen akademischen Beruf zu ergreifen. 77 Prozent der Akademikerkinder beginnen ein Studium, bei nicht-akademischen sind es 23 Prozent. Und nach wie vor gilt: Wer studiert, verdient in seinem Erwerbsleben deutlich mehr Geld als jemand, der kein Hochschulstudium absolviert hat.

Hinzu kommt eine stark von Geschlechterklischees geprägte und weitgehend stereotype Berufswahl: Frauen wählen seltener einen Handwerksberuf und häufiger Jobs in Pflege oder Erziehung. Sie studieren seltener ein Mint-Fach, also Mathematik, Ingenieurswissenschaften, Naturwissenschaften oder Technik, und häufiger ein geistes- oder sozialwissenschaftliches Fach. Umgekehrt üben Männer häufiger eine handwerkliche Tätigkeit aus oder studieren eben ein Mint-Fach. Eine wichtige Rolle spielen außerdem die Berufe der Eltern sowie der Einfluss von Lehrern und Medien. Interessant ist auch: Mädchen wählen aus einem weitaus kleineren Spektrum ihren späteren Beruf als Jungen. Mehr als die Hälfte der Mädchen entscheidet sich für einen von nur zehn verschiedenen Ausbildungsberufen im dualen System – kein naturwissenschaftlich-technischer ist darunter. Und das, obwohl Mädchen und junge Frauen die besseren Schulabschlüsse haben als Jungen.

Doch auch bei der Mehrzahl der Jungen und jungen Männer stammt der später gewählte Beruf aus einer vergleichsweise kurzen Liste. Statistiken zeigen: Die beliebtesten 20 Berufe sind seit Jahrzehnten gleich. Dazu gehören vor allem kaufmännische Tätigkeiten und Bürojobs. Dabei gibt es 328 staatlich anerkannte Ausbildungsberufe in Deutschland, wie aus einer Statistik des Portals Statista hervorgeht.

Die Zahl ist seit 1971 kontinuierlich gesunken – damals gab es noch 606 anerkannte Berufsbilder in der Bundesrepublik. Wie kommt das? Zum einen sind viele Berufe durch die Digitalisierung und Automatisierung weggefallen, andere – wie etwa alte Handwerksberufe – sind nahezu ausgestorben, sodass es bis auf wenige Manufakturen keine ausbildenden Betriebe mehr gibt. Und wieder andere wurden zu einem einheitlichen Beruf zusammengefasst.

Aber es sind auch neue Berufe dazugekommen: Seit 2006 etwa ist Bestatter ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf mit einem geregelten Ausbildungsplan. Und auch der Speiseeishersteller ist als Beruf anerkannt worden. Auch wenn die Zahl der anerkannten Berufe gesunken ist – die Zahl der freien Berufe scheint zu steigen. Freie Berufe zeichnet aus, dass weder Zugang noch Ausbildung einheitlich geregelt sind und die Berufsbezeichnungen nicht geschützt sind. Golfballtaucher, Gemüseschnitzer oder auch Dildodesigner gehören ebenso dazu wie Depiladora oder Globushersteller.

Woche für Woche – immer dienstags – stellen wir in der Serie Beruf der Woche seltene, ungewöhnliche, einzigartige, längst vergessene oder völlig unterschätzte Berufe vor. Und das seit dem Jahr 2009. Ein Ende ist noch immer nicht abzusehen. Übrigens: Unser Serienautor Markus Schleufe freut sich über Vorschläge für seltene, verrückte oder auch einzigartige Berufe.

Und wie gut Sie ungewöhnliche Jobs kennen, können Sie in diesem Quiz testen.