Immer mehr Beschäftigte arbeiten im Großraumbüro, zunehmend ohne festen Arbeitsplatz. So sparen Unternehmen Kosten für teure Bürofläche und feste, nicht dauerausgelastete Arbeitsplätze ein. Doch das hat seinen Preis: Viele Arbeitnehmer fühlen sich nicht nur unwohl im Open Space, wie das Großraumbüro neudeutsch heißt. Sie werden deutlich häufige gestört, sind unkonzentrierter und gestresster. Und obwohl auch immer mehr Unternehmen auf flache Hierarchien setzen und Führungsebenen, gerade im Mittelmanagement, abbauen – werden Führungskräfte immer noch mit besonders guten Arbeitsbedingungen bedacht. Das stellt eine neue Arbeitsplatzstudie von Steelcase und dem Ipsos Institut fest. Befragt wurden mehr als 12.000 Führungskräfte und Arbeitnehmer aus 17 Ländern. Weltweit zeigt sich: Gerade bei den Arbeitsbedingungen zeigt sich nach wie vor der kleine Unterschied zwischen den Hierarchien.

Die technische Ausstattung von Führungskräften ist in der Regel moderner, außerdem können sie ungestörter und konzentrierter arbeiten. Was bei der technischen Ausstattung vielleicht noch nachvollziehbar ist – Chefs haben im Schnitt häufiger die neuesten mobilen Geräte – führt bei der generellen Büroausstattung hingegen zu handfesten wirtschaftlichen Einbußen für die Unternehmen:

Führungskräfte arbeiten weitaus häufiger im Einzelbüro (58 Prozent) als normale Arbeitnehmer – hier verfügt nur jeder Fünfte über ein eigenes Büro. Die allermeisten arbeiten im Gemeinschafts- oder Großraumbüro und immerhin sieben Prozent haben überhaupt keinen eigenen Arbeitsplatz. Das hat aber Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit. Während mehr als Dreiviertel der befragten Führungskräfte in der Studie angibt, in der Regel ungestört arbeiten zu können, kann fast jeder zweite Arbeitnehmer das nicht. Bei den Chefs ist die Lebensqualität am Arbeitsplatz durchweg sehr gut. Die überwiegende Mehrheit stimmt dieser Aussage zu. Kein Wunder: Immerhin mehr als jede zweite Führungskraft kann ihre eigenen Büromöbel aussuchen. Normale Angestellte dagegen fühlen sich häufig durch die Situation am Arbeitsplatz beeinträchtigt.

Chefs sind im Büro entspannt, Mitarbeiter dagegen gestresst

Das hat langfristig auch Auswirkungen auf die Gesundheit: Viele leiden unter Dauerstress und permanenten Störungen. 67 Prozent der Führungskräfte fühlen sich dagegen im Büro entspannt. Und auch können die Entscheider ihre eigenen Ideen besser mitteilen und sich stärker einbringen ins Unternehmen – viele Mitarbeiter beklagen dagegen, dass ihre Meinung selten gefragt sei. Dieser Eindruck führt dazu, dass Arbeitnehmer Ideen und Verbesserungsvorschläge zurückhalten, auf Fehler und Missstände nicht hinweisen – und Unternehmen somit ein erhebliches Innovationspotenzial unberücksichtigt lassen.

Gerade einmal jeder Zweite hat das Gefühl, dass der Arbeitgeber ein Interesse am Wohlbefinden und der Leistungsfähigkeit der Beschäftigten hat. Und das wiederum wirkt sich auf die Loyalität mit dem Unternehmen aus: Während sich die Führungskräfte nicht zuletzt wegen ihrer guten Arbeitsbedingungen sehr an die Firma gebunden fühlen, hat immerhin fast jeder dritte Beschäftigte den Eindruck, er würde nicht wertgeschätzt.

Das entspricht auch den Ergebnissen der neuesten Gallup-Studie, die untersucht hatte, wie es um die Motivation der Beschäftigten bestellt ist. Auch hier war das Ergebnis: Besonders fehlende Wertschätzung und Führungskräfte, die sich selbst zu wichtig nehmen und das Wohlergehen ihrer Mitarbeiter ignorieren, führen zu Frust und dazu, dass viele Angestellte nur noch Dienst nach Vorschrift machen. Der Gallup-Untersuchung zufolge könnten allein die Unternehmen in Deutschland gute 105 Milliarden Euro mehr Umsatz im Jahr erzielen, wenn Führungskräfte sich hier anders verhalten würden.