Selbstständige können ein Arbeitszimmer zu Hause unter Umständen auch dann von der Steuer absetzen, wenn sie einen Schreibtisch im Betrieb haben. Das hat der Bundesfinanzhof im Fall eines selbstständigen Logopäden entschieden, der in zwei Praxen arbeitet. Für Verwaltungsarbeiten nutzt er ein häusliches Arbeitszimmer.

Laut Einkommensteuergesetz kann ein häusliches Arbeitszimmer nicht von der Steuer abgesetzt werden, wenn ein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Das Finanzgericht entschied aber in diesem konkreten Fall, dass die Büroarbeit in den Praxisräumen auch außerhalb der Öffnungszeiten nicht zumutbar sei. Deshalb seien bis zu 1.250 Euro für das Büro zu Hause abzugsfähig. Dem folgten die obersten Finanzrichter in ihrem nun veröffentlichten Urteil.

Schon vor dem Urteil galt, dass Arbeitnehmer jährlich bis zu 1.250 Euro für ein "häusliches Arbeitszimmer" geltend machen dürfen, wenn ihnen im Betrieb für bestimmte Tätigkeiten ein "anderer Arbeitsplatz" nicht zur Verfügung steht – etwa im Fall von Lehrern für ihre Unterrichtsvorbereitung und Korrekturen.

Nach dem Münchener Urteil kann Gleiches nun auch für Selbstständige gelten. Weil diese ihre betrieblichen Räume selbst gestalten können, reicht es allerdings nicht aus, wenn es keinen Büroraum gibt; vielmehr muss es unmöglich sein, in den Räumlichkeiten einen solchen Raum einzurichten.

Im vorliegenden Fall würden sämtliche Räume von den Angestellten als Behandlungsräume genutzt, urteilte der Bundesfinanzhof. Zwar gebe es dort auch Tische mit Computern und auch Aktenschränke. Diese könnten von dem Logopäden aber erst abends oder an den Wochenenden genutzt werden.

Angesichts der umfassenden Verwaltungstätigkeit für zwei Praxen mit vier Angestellten und der teils tagesaktuell notwendigen Abrechnungen reiche das aber nicht aus. Nicht jeder verfügbare Schreibtisch sei als "anderer Arbeitsplatz" zumutbar, hieß es im Urteil des Gerichts (Az: III R 9/16).