Bei uns im Büro herrscht täglich eine extrem schlechte Luft. Unsere Beschwerden prallen allerdings immer wieder bei unserem Arbeitgeber ab. Wie sieht die Rechtslage hier aus?, fragt Michael Richter.

Sehr geehrter Herr Richter,

schlechte Luft am Arbeitsplatz führt zu Unkonzentriertheit, die wiederum zu einem sinkenden Leistungsvermögen, Fehlern oder gar Unfällen führen kann. Ferner kann eine mindere Luftqualität zu ernsten gesundheitlichen Problemen bei Mitarbeitern führen.

So kann eine zu trockene Raumluft beispielsweise bei Arbeitnehmern, die unter Neurodermitis oder Schuppenflechten leiden einen Krankheitsschub auslösen. Reizhusten, Kopfschmerzen, trockene Augen oder auch eine juckende Haut können ebenfalls Folgen einer schlechten Raumluft sein. Und trockene Schleimhäute sorgen gar dafür, dass Krankheitserreger noch besser und schneller Mitarbeitern zu schaffen machen.

Der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt © Martin Landsmann/Studioline

Daher sollten Arbeitgeber darauf achten, dass die Luft in Büros, Konferenzräumen, Produktionshallen und Lagern eine gute Qualität hat. Neben einer guten Beleuchtung und Akustik ist nämlich auch ein gutes Raumklima ein Muss, das von Arbeitgebern erfüllt werden muss. Die Arbeitsstättenregel ASR A3.6 "Lüftung" sagt dazu konkret, dass in geschlossenen Arbeitsräumen eine "gesundheitlich zuträgliche Atemluft" herrschen muss.

Halten sich Arbeitgeber daran, dass sich die Raumtemperatur bei durchschnittlicher Arbeitsschwere zwischen 20 und 22 Grad Celsius bewegt, die Luftgeschwindigkeit höchstens 0,15 m/s beträgt und die Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60 Prozent liegt, schaffen sie für ihre Mitarbeiter in der Regel eine gute Arbeitsumgebung.

Weil Temperaturen aber immer auch ein subjektives Empfinden sind, können Arbeitgeber gemeinsam mit ihren Mitarbeitern herausfinden, was gewünscht und sinnvoll ist. Das heißt aber nicht, dass jeder Arbeitnehmer ein Recht auf ein individuelles Raumklima hat. Sind die Wünsche innerhalb eines Teams zu verschieden, müssen Arbeitgeber am Ende eine Entscheidung für alle treffen. Und die wird sich an den gesetzlichen Regelungen orientieren.

Nichts zu unternehmen ist allerdings keine Option für Arbeitgeber, denn der Gesetzgeber verpflichtet sie aufgrund ihrer Fürsorgepflicht dazu, Arbeitsplätze so einzurichten, dass sie nicht gesundheitsgefährdend sind.

Ihr Ulf Weigelt