Vorsichtig schlägt der kleine Hammer mit dem silbernen Kopf auf den stählernen Meißel. Es sind nur sanfte Schläge, die Kerbe um Kerbe in die dünne, kupferne Platte auf dem Arbeitstisch treiben. Ein Schlag zu viel oder zu stark und die mehrstündige Arbeit an der Zierplatte war umsonst.

Ausgeführt werden derart kunstvolle Metallarbeiten von Metallbildnern, Fachrichtung Ziseliertechnik. Noch bis 1998 war der Beruf unter dem Namen Ziseleur bekannt. Geändert hat sich seit dem im Arbeitsalltag jedoch kaum etwas. Denn ganz gleich ob Silberpokal, Zinnvasen, Türscharniere oder Bronzeskulpturen: Metallbildner bearbeiten, verfeinern und verzieren mit Augenmaß und ganz viel Feingefühl Metalle aller Art. Sie arbeiten Ornamente und Reliefs aus Oberflächen heraus und fertigen Kerzenständer, Pokale und Vasen aus Feinblech oder auch Zierelemente für Tür- und Zierbeschläge auf Möbeln an. Dazu werden neben Bronze, Kupfer, Messing und Aluminium auch Silber oder Gold bearbeitet.

Das Aufgabenspektrum umfasst unterschiedliche Arbeiten. Die plastische Verformung einer Kupfer- oder Messingplatte, etwa als Dekorations- oder Zierelement, mit kleinem Hammer und Meißel beispielsweise wird Treibziselieren genannt. Darunter versteht man das spanlose Treiben und Verformen des Metalls auf einer weichen Unterlage. Als Werkzeuge dienen hier neben Hämmern die sogenannten Punzen. Dies sind kleine Meißel und Stifte aus Stahl, die am Ende eine besondere Spitze besitzen – die kann rund, spitz oder eckig sein. Mit den Punzen kann aus dem Kupferblech ein plastisches Motiv herausgearbeitet werden.

Auch die Konstruktion von Modellen, die für Herstellung von Formen und Skulpturen benötigt werden, gehört zu ihrem Aufgabengebiet. Bevor eine fertige Bronzeskulptur Haus und Hof zieren kann, bedarf es einiger Vorarbeiten. Im ersten Schritt muss eine detaillierte Zeichnung erstellt werden. Schon hier ist Kreativität und ein Blick fürs Detail gefragt. Stimmt die Form? Sind die Proportionen richtig?

Kleine Details sind hier wichtig, etwa Falten in der dargestellten Kleidung, Gesichtszüge und andere Feinheiten, die der Skulptur Ausdruck und Atmosphäre verleihen. Diese Details müssen auch im nächsten Schritt, der Anfertigung eines dreidimensionalen Modells aus Ton, übernommen werden.

Kreatives Handwerk

Stimmt bei der dreidimensionalen Darstellung des Tonmodells alles, so wird anhand des Modells eine Wachsvorlage gefertigt, mit der eine Negativform erstellt wird. In diese wird hinterher das erhitzte und flüssige Metall gegossen. Bei einer fertigen Bronzefigur muss schließlich noch die Oberfläche behandelt und bearbeitet werden. Dazu entfernen die Metallbildner noch überstehende Gussgrate, Ecken und Kanten. Aufgrund ihrer handwerklichen Qualitäten und ihres Wissensschatzes sind Metallbildner mit Fachrichtung Ziseliertechnik immer öfter auch bei der Restauration von Metallteilen historischer Gegenstände gefragt.

Die Arbeit erfordert Kreativität, Interesse für Kunst und Gestaltung, Geduld, handwerkliches Geschick, ein ruhiges Händchen sowie ein Auge fürs Detail und räumliches Vorstellungsvermögen. Auch zeichnerisches Talent ist hilfreich.

Für die duale und staatlich anerkannte Ausbildung in Betrieb und Berufsschule zum Metallbildner mit Fachrichtung Ziseliertechnik sollte mindestens ein guter Hauptschulabschluss vorhanden sein. Innerhalb der Ausbildung lernen die Azubis technisches Zeichnen, das Anfertigen von Modellen und Werkzeugen und alles über die Oberflächenbearbeitung von Metallen und anderen Werkstoffen. Sie arbeiten mit traditionellen Werkzeugen wie Feilen, Punzen, Meißel, Hammer oder speziellen Holzwerkzeugen, aber auch mit modernen Schweiß- und Lötgeräten oder CNC-Fräsmaschinen. Die Ausbildung wird mit einer praktischen und theoretischen Ausbildung abgeschlossen.

Jobs gibt es in Kunstgießereien oder Unternehmen, die auf die Herstellung von Kunstgegenständen und Zierelementen spezialisiert sind. Schattenseiten finden sich in dem Beruf nur wenige. Manchmal ist der Job staubig und laut und man muss aufpassen, sich nicht an den Kanten der Metalle zu schneiden – das ist aber in der Regel meist schon das einzige Gefahrenrisiko.

Dieser ungewöhnliche Handwerksberuf bietet viele kreative Entfaltungsmöglichkeiten. Kaum ein Objekt, das bearbeitet werden soll, ist wie das andere, entsprechend abwechslungsreich und herausfordernd sind die täglich anfallenden Arbeiten.

  • Gehalt: Das Einstiegsgehalt liegt, abhängig vom Arbeitsort, zwischen 1.850 und 2.600 Euro brutto im Monat.
  • Arbeitszeit: 40 Stunden pro Woche
  • Ausbildung: duale, dreijährige, staatlich anerkannte Ausbildung zum/zur Metallbildner/-in Fachrichtung Ziseliertechnik