Mein Chef ist sehr misstrauisch und neugierig. Muss ich seine täglichen Schnüffeleien tolerieren?, fragt Katharina Mayer.

Sehr geehrte Frau Mayer,

schnüffelt ein Arbeitgeber seinen Mitarbeitern hinterher, kommt es einer Überwachung gleich. Und die hat für Arbeitgeber ganz klare Grenzen. Ist ein Arbeitgeber misstrauisch und wittert hinter allen und allem den Betrug, darf er nur zu drastischen Maßnahmen wie dem Überprüfen der Arbeitsplätze oder dem Überwachen durch eine Kamera oder einen Detektiv greifen, wenn er einen hinreichend konkreten (Tat-)Verdacht hat – und dieser sich nach der Aktion auch mit größter Wahrscheinlichkeit bewahrheitet.

Kommt es zu einem Verfahren und stellt sich dabei heraus, dass die Überwachung des Untergebenen und seines Arbeitsverhaltens nicht gerechtfertigt war, kann der Mitarbeiter einen Schadensersatzanspruch geltend machen, und der Arbeitgeber muss im Ergebnis zahlen, weil in das Persönlichkeitsrecht eingegriffen wurde.

Deckt eine Maßnahme jedoch einen Betrug auf und hat sich der konkrete Verdacht bestätigt, hat der Mitarbeiter schlechte Karten. Im schlimmsten Fall droht die fristlose Kündigung und gegebenenfalls die Kostenübernahme der Überwachungsmaßnahme durch den Mitarbeiter. Ein Strafverfahren ist gleichfalls nicht ausgeschlossen. Letzteres kommt jedoch sehr selten vor.

Die Frage ist, wie konkret schnüffelt Ihr Chef Ihnen hinterher? Und was ist der konkrete Anlass hierfür? Sie sollten das Gespräch mit Ihrem Chef suchen. Oft lässt sich nämlich in einem persönlichen Gespräch eine solche Situation entschärfen.