Nur ein einfaches buntes Porzellanpüppchen? Weit gefehlt. Manch Teller, Vase oder Figur aus Porzellan erzielt heute auf einer Auktion Preise im mittleren fünfstelligen Bereich. Insbesondere Einzelstücke, die mitunter 200 Jahre und älter sind, sind bei Sammlern beliebt. Dabei gilt: Je aufwendiger bemalt, desto kostbarer.

Verziert wurden die wertvollen Tassen, Teller, Vasen und Figuren schon vor mehreren hundert Jahren von Hand. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Manufakturporzellanmaler werden die Mitglieder dieses Berufsstandes heute genannt, die sich der filigranen Verzierungen annehmen.

Nach dem Brennen des Porzellans, wenn die Stücke bereit sind fürs Bemalen, geht es los für die Manufakturporzellanmaler. Ganz wichtig: Zittern vermeiden. Denn ohne eine ruhige Pinselführung ist eine detailgetreue Verzierung unmöglich. Wichtigste Handwerkzeuge sind Pinsel von unterschiedlicher Stärke und mit verschiedenen Spitzen, aber auch die Farbsprühpistole, etwa um großflächig schnell Farbe aufzutragen. Mitunter kommen auch Malfedern zum Einsatz.   

Motive können Blumen, feine Muster und Ornamente, Landschaften, Tiere oder Personen sein. Nicht selten wird komplett freihändig anhand eines Fotos oder eine Skizze gemalt, meistens jedoch werden Schablonen benutzt oder die Motive mit Graphitstiften vorab auf das Porzellan aufgetragen und dann nachgemalt. Die feinen Pinselstriche auf das Porzellan zu bringen wird im Fachjargon Staffieren genannt. Die große Herausforderung dabei: Die Proportionen müssen stimmen und Details und Schattierungen sollten realistisch und originalgetreu dargestellt werden. Außerdem anspruchsvoll: Die Farbgenauigkeit. Angemischt werden die verwendeten Farben aus unterschiedlichen Farbpulvern und das ebenfalls von Hand. Hier ist Erfahrung gefragt: Wie viel Farbpulver muss man nehmen? Welches ist das richtige Mischverhältnis?

Wichtig sind nicht nur Intensität und Sättigung der Farben, sondern auch die Konsistenz. Die Farbe darf zum Auftragen auf das Porzellan nicht zu dünn-, und nicht zu dickflüssig sein, damit sie auf der glatten Oberfläche nicht verläuft. Ist eine Tasse, ein Teller oder eine Schüssel fertig bemalt, so wandert das Porzellanstück abschließend noch einmal in den Brennofen. So wird das aufgetragene Motiv dauerhaft fixiert. Zum Schluss wird die Oberfläche des Porzellans noch poliert und so auf Hochglanz gebracht.
Für die Arbeit als Manufakturporzellanmaler oder -malerin sind zeichnerisches Talent, Genauigkeit, Sorgfalt, manuelles Geschick, kreatives Gespür, ein Auge für Formen, Farben und Proportionen und Geduld wichtig.