Können Mitarbeiter aufgrund ihres Glaubens gewisse Arbeitsaufgaben einfach ablehnen?, fragt Andrea Bachmann.

Sehr geehrte Frau Bachmann,

ein Mitarbeiter kann nicht ohne Weiteres eine Arbeitsaufgabe ablehnen. Auch nicht, wenn diese ihn in religiöse Gewissenskonflikte bringt. So zumindest sehen es die Richter des Arbeitsgerichts Mannheim (Az.: 3 Ca 282/16).

Ein Pflegedienst suchte eine Pflegekraft. Die Stellenbeschreibung sah vor, Menschen zu pflegen sowie Besorgungen für die Pflegebedürftigen zu erledigen. Eine Muslimin bewarb sich und bekam die Stelle. Allerdings kam es bald zwischen Arbeitgeber und Mitarbeiterin zu Problemen, denn die Mitarbeiterin weigerte sich aus religiösen Gründen, männliche Patienten zu pflegen und weibliche Patienten dann zu pflegen, wenn männliche Angehörige mit ihnen zusammenlebten, sowie Zigaretten und Alkohol einzukaufen.

Da das nicht mit den Arbeitsaufgaben im Betrieb vereinbar war, kündigte der Arbeitgeber der Mitarbeiterin innerhalb der Probezeit wieder. Weil die Mitarbeiterin sich dadurch diskriminiert fühlte, reichte sie Kündigungsschutzklage ein.

Das Arbeitsgericht Mannheim sah in dem Arbeitgeberverhalten jedoch keine Diskriminierung, denn der Betrieb musste ihr nicht eine Tätigkeit zuweisen, die "speziell auf ihre Religion zugeschnitten ist", hieß es im Urteil.

Mitarbeiter haben sich mit dem Abschluss eines Arbeitsvertrages zu der Erfüllung der  im Vertrag benannten Arbeitsaufgaben beziehungsweise Arbeitstätigkeiten entschieden. Weigern sie sich hinterher, kann ihnen gekündigt werden. Unterstützung erhalten Arbeitgeber hier vom Bundesarbeitsgericht (Az.: 2 AZR 636/09).

Doch Vorsicht: Können Arbeitgeber diesen Mitarbeitern andere Aufgaben im Betrieb zuweisen, ist eine Kündigung nicht ohne Weiteres möglich.