Ich habe in Folge eines Wutausbruchs meinem Chef eine Drohung an den Kopf geworfen. Daraufhin habe ich die fristlose Kündigung erhalten. Ist das rechtens?,

fragt Gabriel Schneider.

Sehr geehrter Herr Schneider,

um Ihnen eine verbindliche Antwort geben zu können, bräuchte ich nähere Informationen zu Ihrem Fall. Denn es kommt auf Ihre Wortwahl an.

Die Reaktion Ihres Arbeitgebers kann durchaus rechtens sein, wie ein Fall des Landesarbeitsgerichts Düsseldorf zeigt (Az.: 11 Sa 823/16). In dem Fall hatte ein Mitarbeiter seinem Chef am Telefon mit der Äußerung "Ich stech dich ab!" gedroht.

Dieser Drohung war eine Auseinandersetzung vorangegangen, die bei dem Mitarbeiter wohl eine so große Wut hervorrief, dass er anonym per Telefon drohte. Er hatte allerdings Pech, denn sein Chef erkannte ihn an seiner Stimme. Die Folge: fristlose Kündigung. Der Mitarbeiter jedoch sah sein Fehlverhalten nicht ein und legte Widerspruch ein. 

Weil eine solch massive Drohung das Vertrauensverhältnis zwischen Vorgesetzten und Mitarbeiter jedoch unwiderruflich zerstört, ist eine fristlose Kündigung durchaus gerechtfertigt, urteilten die Richter des Gerichts in Düsseldorf – auch ohne vorab eine Abmahnung aussprechen zu müssen.

Sie sehen also, eine Drohung kann durchaus einen wichtigen Grund für den Ausspruch einer fristlosen Kündigung darstellen. Allerdings ist in solchen Fällen immer der Einzelfall entscheidend, denn die Arbeitsgerichte urteilen bezüglich Beleidigungen und Drohungen einzelfallbezogen.

Während zum Beispiel für das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg die Beleidigung "Du blöde Kuh" keine fristlose Kündigung rechtfertigte, war dem Landesarbeitsgericht Frankfurt die Beschimpfung "Leck mich am Arsch" eine fristlose Kündigung wert.