Der LebenslaufEin Leben auf zwei Seiten

Er ist Pflicht und Kür in jeder Bewerbung: der Lebenslauf. Welche Formen gängig sind, was rein gehört und was lieber nicht, zeigt der Überblick auf ZEIT ONLINE. von 

Ein Kandidat und sein Lebenslauf: Klar und übersichtlich sollte der CV sein, alles andere darf individuell gestaltet werden

Ein Kandidat und sein Lebenslauf: Klar und übersichtlich sollte der CV sein, alles andere darf individuell gestaltet werden  |  © Feng Li/Getty Images

Egal ob Stichpunktesammlung oder Aufsatzform – es gibt wohl niemanden, der gern einen Lebenslauf schreibt. Je älter man wird und je mehr berufliche Stationen sich im Erwerbsleben gesammelt haben, desto größer ist die Herausforderung.

Was kann und was muss in einen Lebenslauf – und was sollte auf gar keinen Fall erwähnt werden? Wo darf geschönt werden und welche Floskeln führen sofort ins Aus?

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Grundsätzlich gilt: Der Lebenslauf sollte so aussagekräftig wie möglich und sowohl auf den Bewerber als auch auf die Stelle, auf die man sich bewirbt, ausgerichtet sein. Er ist Werbemittel und Arbeitsprobe. Die Fakten müssen stimmen, der Text sollte leicht lesbar sein: klare, knappe, prägnante Sätze, ein übersichtliches Design, eine deutliche Gliederung. Mehr gibt es eigentlich nicht zu beachten, alles andere ist so individuell wie der Bewerber, die Stelle, die Branche und der Personaler.

Formen des Lebenslauf

Der klassische Lebenslauf, der in einem Fließtext die wichtigsten Stationen festhält, ist aus der Mode gekommen. Die kurze Tabellenform ist die Norm. Sie bietet einen Überblick über die wichtigsten beruflichen Daten eines Bewerbers und ist zeitsparend sowie leserfreundlich für den Personaler.

Besonders beliebt ist die amerikanische Version des Curriculum Vitae. Dabei steht die aktuelle Station an erster Stelle, die anderen folgen chronologisch rückwärts. Wer viele Stationen vorzuweisen hat und einige Berufsjahre an Erfahrung mitbringt, endet mit dem Studienabschluss, allenfalls dem Abitur. Jugendliche und junge Erwachsene, die sich auf eine Ausbildungsstelle, einen Studienplatz oder ein Praktikum bewerben, können ihren Lebenslauf hingegen chronologisch gestalten. Das stellt die bisherige Entwicklung heraus. Je nach Alter und Anzahl der bisherigen beruflichen Stationen, sollte abgewogen werden, welche als notwendig anzugeben sind.

Das gilt besonders für Absolventen, die sich um den ersten Job bewerben. Sie haben meist schon viele Praktika, Auslandsaufenthalte, befristete oder freiberufliche Tätigkeiten absolviert. Je nachdem, was man unterstreichen möchte, ist abzuwägen, ob eine chronologische Reihenfolge oder die amerikanische Variante sinnvoll erscheint.

Zusätzlich zum Lebenslauf hat sich in jüngster Zeit die sogenannte dritte Seite im Bewerbungsschreiben etabliert – ein Motivationsschreiben, das besonders für akademische Stellen verwendet wird. Das Schreiben legt in einer straffen, kohärenten Argumentation dar, warum sich der Bewerber ausgerechnet auf diesen Job bewirbt. Einsteiger betonen, welche berufliche Entwicklung sie nehmen wollen, Führungskräfte punkten mit einer klar fokussierten Leistungsbilanz und auch für die meisten anderen Jobs eignet sich die dritte Seite. Sie kann sich beispielsweise auf Projekte und Arbeiten in vergangenen Jobs beziehen.

Layout

Mehr als zwei bis drei Seiten sollte ein Lebenslauf bei einem Bewerber mit einigen Berufsjahren Erfahrung nicht umfassen. Das Layout sollte eine Schriftgröße von minimal Punkt zehn verwenden und genügend Weißraum lassen. Ob der Zeilenabstand ein- oder eineinhalbzeilig zu setzen ist, eine serifenlose Schrift oder Blockabsatz verwendet wird, hängt vom jeweiligen Design der Bewerbung ab. Wer sich auf einen kreativen Job bewirbt, bei dem Gestaltung eine Rolle spielt, sollte dies auch schon in der Bewerbung zeigen. Wer einen klaren, nüchternen Job anstrebt, kann auf verspieltes Design verzichten.

Leserkommentare
    • wawerka
    • 17. Oktober 2009 12:16 Uhr
    1. [...]

    "Ist alles gut leserlich und verständlich – und hat der Lebenslauf auch keine Rechtschreib- und Grammatikfehler?"

    Das gilt natürlich auch für einen Zeitungsartikel. Und deswegen sollte man bei einer Empfehlung wie dieser :

    "Eine Bewerbungshomepage rundet die perfekte Bewerbung ab, zeigt Engagement und hohe Kompetenz und peppt auch das leidliche Lebenslaufverfassen auf."

    das "leidliche" vielleicht durch "leidige" ersetzen.
    Dann all die durchaus klugen Ratschläge des Artikels helfen nichts, wenn wenn der Lebenslauf nur leidlich verfasst wird.

    Ansonsten ein sehr lesenswerter Artikel.

    [Gekürzt. Vielen Dank für Ihren Hinweis. Achten Sie bitte dennoch auf Ihre Wortwahl. Danke. / Die Redaktion as]

  1. Bei der Bewerbungshompage sollte man vielleicht noch hinzufügen: Bedenklich oder zumindest nur Passwort-geschützt. Sonst könnte die Firma denken: Wie blöd ist der denn, seine persönlichen Daten ins Netz zu stellen

    • wawerka
    • 18. Oktober 2009 17:04 Uhr

    Darf ich fragen, WAS an meiner Wortwahl Ihnen nicht gefallen hat?

    Ich habe zwar auf den Fehler hingewiesen aber andererseits den Artikel gleich zweimal gelobt.

    Da ist mir dann nicht ganz klar, warum Sie mir mit einem herablassenden "Achten Sie bitte auf Ihre Wortwahl" begegnen.

    Aber vielleicht klären Sie mich ja auf.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...da verstehe ich die Redaktion auch nicht und bin ebenfalls auf Aufklärung gespannt.

    • uhuznaa
    • 19. Oktober 2009 0:43 Uhr

    gibt es auch nicht.

  2. Redaktion
    5. Danke

    Vielen Dank für Ihren Hinweis.

    • uhuznaa
    • 19. Oktober 2009 22:03 Uhr
    6. Fazit

    Bewerbungen immer von möglichst vielen Leuten gegenlesen lassen, nicht nur wegen der Rechtschreibfehler. Dieser Hinweis (und das ist einer der besten) fehlt glaube ich in diesem Artikel. Vier Augen sehen mehr als zwei. Allein machen sie dich ein. Es gibt keine besseren Kritiker als Konkurrenten. Naja, und so weiter.

    Gegenlesen lassen, von Freunden, Eltern, Kindern, Kollegen oder gar Profis (notfalls sogar beim Arbeitsamt). Das nicht zu tun ist der sträflichste Fehler nicht nur von Bewerbern, sondern von Autoren jeglicher Texte ;-)

  3. Vielleicht in diesem Zusammenhang interessant, was ein Insider zu Lebensläufen schreibt:

    http://www.schwabing.org/...

    • alkyl
    • 04. Januar 2010 15:45 Uhr

    Die "dritte Seite" habe ich schon vor 13 Jahren in einer Bewerbung benutzt. Damals wurde das von "Hesse/Schrader" propagiert. Von "in jüngster Zeit" kann eigentlich keine Rede mehr sein.

    Und, ja, ich kann sagen: diese "dritte Seite" hat sich absolut bewährt! Ich jabe jede Stelle bekommen, die ich haben wollte.

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