Absagen "Sie sind uns leider unsympathisch"

Auf die schönste Bewerbung folgt oft die dümmste Absage. Doch wie geht man souverän mit "Eisschreiben" um, und gibt es nicht doch auch gute Absagen?

Vielen Dank ..., wir bedauern ..., keine Geringschätzung ..., zu unserer Entlastung ..., alles Gute ..., bla bla bla. Wer kennt das nicht? Absagephrasen. Man gibt sich Mühe, stellt eine gute Bewerbungsmappe zusammen, wird womöglich noch zum Vorstellungsgespräch eingeladen - und hält dann ein paar Wochen später doch nur ein mageres Schreiben in der Hand: "Tut uns leid."

Natürlich tut es ihnen nicht leid! Sonst hätten sie einen ja genommen. Denkt man. Und ärgert sich, vor allem, wenn das Absageschreiben auch noch lieblos oder gar dümmlich daherkommt. Da heißt es dann schon mal: "Wir bedanken uns für Ihre Bewerbung. Leider ist diese bei uns intern verloren gegangen. Bei der Menge der Bewerbungen kommt das schon mal vor. Leider ist nun der von Ihnen gewünschte Zeitraum bereits abgelaufen. Wir würden uns aber freuen, wenn Sie sich zu einem späteren Zeitpunkt erneut bewerben würden." Und manches liest sich regelrecht frech: "Es würde zu weit führen, unseren Entschluss an dieser Stelle im Einzelnen zu begründen." Oder: "Die Position stellt ganz spezielle Anforderungen, die nicht jede Person in vollem Maße erfüllen kann."

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Richtig absagen ist eine Kunst für sich. Einerseits mag man keine Standardfloskeln lesen. Andererseits kann eine absolut ehrliche Absage – etwa "Ihre Qualifikation ist unzureichend" oder "während des Vorstellungsgesprächs machten Sie einen unsouveränen Eindruck" oder gar "Sie sind uns unsympathisch" – einen Bewerber auch verletzen. Und demotivieren.

Wie geht man also richtig mit einer Absage um? Jens Plinke vom Beratungsunternehmen Terra Personalmarketing, einer Tochter der Kienbaum-Gruppe, rät: "Man sollte sich professionell verhalten. Natürlich ist man nicht glücklich, aber ob man sich mit einer gut formulierten Antwort noch mal ins Bewerberfeld zurückbringt, wage ich zu bezweifeln."

Plinke würde allerdings nachhaken, wenn man generell zu lange auf eine Antwort wartet. "Gute Personalabteilungen schicken binnen drei Tagen eine Empfangsbestätigung und auch spätestens nach drei Wochen ein definitives Schreiben: Einladung oder Absage. Wer nach vier Wochen noch nichts gehört hat, sollte nachhaken – am besten im Stil von: "Ich habe noch keine Neuigkeiten gehört und wollte einmal nachfragen, ob vielleicht noch Fragen offen sind oder Sie noch weitere Informationen von mir brauchen könnten.

Vor ein paar Jahren rief ein Personalmarketing-Unternehmen zusammen mit einer Kölner Recruitingfirma einen Wettbewerb für das schönste "Eisschreiben" aus. Das sind Absagen, die sich Bewerber mit freundlichen Worten für spätere Zeiten auf Eis legen. Da hieß es dann beim Wettbewerbssieger, einem Hersteller von Kolben- und Motorenkomponenten: "Engagierte und motivierte Mitarbeiter, die ihren Motor zu Höchstleistungen bringen möchten, suchen wir in unserem 'Rennstall' immer wieder. Ihre Einwilligung vorausgesetzt, würden wir gerne Ihre Bewerbung in unserer 'Boxengasse' parken." Da hatte der Personaler wohl ein Faible für Metaphern.

Nicht ganz so blumig formulierte es der Zweitplatzierte, ein Stromanbieter, dafür etwas selbstverliebter: "Sie denken, dass Sie gut zu uns passen – auch wir sind dieser Meinung. Jedoch sind die Mitarbeiter bei uns genauso zufrieden wie unsere Kunden: Daher gibt es zurzeit leider keine freie Position." Diese Absage war im Grunde eine Kopie des Gewinnerschreibens der vormaligen Wettbewerbsrunde, die damals ein Möbelhaus gewann: "Wir haben uns sehr bemüht, für Sie das Richtige zu finden. Doch bei uns fühlen sich die Mitarbeiter so wohl, dass wir leider derzeit nicht den passenden Arbeitsplatz für Sie haben." Ob der Schluss der Absage allerdings so glücklich gewählt war? "Bis dahin wünschen wir Ihnen viel Erfolg für Ihre berufliche Zukunft. Und richten Sie sich doch einfach mit uns ein." Das kann auch zynisch sein.

Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Das zeigt auch das folgende Absageschreiben: "Wir danken Ihnen noch mal herzlich für die Zeit, die Sie sich für die Vorstellungsgespräche genommen haben. Sie sind jetzt sicherlich etwas enttäuscht – wir haben Sie nicht in die engste Wahl einbeziehen können. Es ist keine leichte Aufgabe, aus mehreren gleichsam interessanten und guten Bewerbern den Kandidaten auszuwählen, der am ehesten für die ausgeschriebene Position infrage kommt. Aber müssen wir nicht alle damit leben, dass andere manchmal noch ein paar kleine Gewichte mehr in die Waagschale werfen können? Sie haben bisher Ihren Weg gemacht und werden ihn zielbewusst fortsetzen. Da sind wir sicher! Und manchmal kommt der nächste Wettbewerb schneller, als man glaubt, und da ist man plötzlich als Erster am Ziel. Das wünschen wir Ihnen sehr!"

(Erschienen auf Karriere.de)

 
Leser-Kommentare
  1. 1.

    In Zeiten von Anti-Diskriminierungsgesetzen erwartet hier wohl niemand mehr ehrliche Aussagen, die sofort zu Klagen unterlegener Bewerber führen würden. Damit ist der Artikel überflüssig.

    Eine Leser-Empfehlung
  2. Ich muss dem Vorschreiber beipflichten. Das restriktive AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz) hat ehrliche Absagen verboten. Heutzutage werden schon Diskobetreiber verklagt, wenn Sie eine Ladies Night anbieten. Wer sich also über standardisierte Absagen aufregt, sollte sich nicht bei den Unternehmen beschweren, sondern bei den Poltikern, die dieses Gesetz auf den Weg gebracht haben. Vermutlich gibt es schon mehr Antidiskriminierungsopfer als Diskriminierungsopfer.....

    Eine Leser-Empfehlung
    • hirmer
    • 08.01.2010 um 17:08 Uhr

    @Zeit-Kommentar:
    Sie haben wohl recht, besonders wenn Bewerbungen (rein) elektronisch behandelt werden mit maschinengerierter Absage. Da bringt auch eine Nachfrage nichts mehr.

    Vor 15,20 Jahren war es aber auch nicht viel anders, wenn die Bewerbungen damals auch nur von Menschen bearbeitet wurden.

    Ich habe in meinen Aktenordnern, just for fun, so stücker 500 wohlfeile Standard-Absagen aus dieser Zeit abgelegt.

    NACHFRAGEN haben einem manchmal weitergeholfen: "Die Kenntnis von Gebiet A ist uns allerdings sehr wichtig ... auf Gebiet B hat ein Konkurrent mehr Berufserfahrung ... Ihr Auftreten hat uns nicht überzeugt ... . Wie gesagt, das Wichtigste, um an sich arbeiten zu können, war _allenfalls_ auf Nachfrage zu erfahren.

    Harald Artur Irmer

    • hirmer
    • 08.01.2010 um 17:22 Uhr

    Um den Verzweifelten etwas anzubieten:

    1. Lernen
    2. Die eigenen Stärken und Schwächen erkennen und sich geeignet bewerben

    Wenn dies getan, aber nicht als ausreichend befunden wird,

    3. Schauspielunterricht o.ä. nehmen (Hat nachweisbar gewirkt: Ein abgebrochener Kunstmaler ist damit Reichskanzler geworden, immerhin!).

    Ich hatte keinen Schauspielunterricht; wenn ich aber jünger wäre, würde ich heutzutage ernsthaft daran denken.

    Harald Artur Irmer

  3. nun muss ich doch zum wiederholten male feststellen - dass scheinbar selbst die zeit nicht im ansatz objektiv schaltet - ich möchte mir das also nicht länger bieten lassen - meine zeit ihr geld - trauen sie mir durchaus eine abstinenz zu - ich weiß sehr wohl anderweitig informationen zu beschaffen

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Junge Karriere
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