Absagen auf Bewerbungen Entschuldigung, ich bin keine Empfangssekretärin
Das etwas andere Bewerbungsbuch: Der Satiriker Jürgen Sprenzinger hat Unternehmen Absagen auf Stellenanzeigen geschickt. Manche Personalabteilungen waren sehr traurig
Bewerbungen sind ein Krampf. Wer auf Jobsuche ist, durchsucht bisweilen Hunderte Annoncen, müht sich bei den Anschreiben – und erhält zum Dank meist nur eine plumpe Absage. Jürgen Sprenzinger hat es irgendwann gereicht und er hat den Spieß einfach umgedreht. Er schickte Absagen an Unternehmen, die Stellenanzeigen in Zeitungen veröffentlicht haben. Unter dem Titel Sehr geehrter Herr Hornbach, um ein Haar hätte ich mich bei Ihnen beworben – Absagen auf unverlangte Stellenanzeigen hat der Satiriker ein Buch aus seiner Sammlung gemacht, das mit Witz die sprachlichen Ungetüme von Stellenanzeigen enthüllt.
Auf eine Anzeige einer Elektrotechnik-Firma, die zwei Ingenieure suchte, antwortete Sprenzinger beispielsweise mit folgender Absage:
"Sehr geehrte Damen und Herren, ursprünglich wollte ich mich bei Ihnen bewerben, doch dann fiel mir auf, dass ich leider nur ein Ingenieur bin. Ich war bislang immer nur einer und nie zwei, obwohl es natürlich schon sehr praktisch wäre, zu zweit zu sein, dann wäre man nicht immer so allein..."
Die Argumentation überzeugte die Firma: Sprenzinger wurde nicht eingestellt. Ein anderes Unternehmen, das eine Empfangssekretärin suchte, kassierte ein Schreiben von dem Satiriker, in dem er auf die geschlechtsspezifische Diskriminierung hinweist: "Ich muss Ihnen leider mitteilen, dass ich die Anzeige als gegenstandslos betrachte und mich nicht bei Ihnen bewerben kann. Der Hauptgrund ist: Ich bin keine Empfangssekretärin, sondern männlichen Geschlechts."
Auch klassische Absagen-Phrasen hat Jürgen Sprenzinger verwendet – auf Anzeigen, die selbst voller Worthülsen waren. So sagte er auf die Annonce einer Bäckerei, die einen Verkaufsleiter suchte, folgendermaßen ab: "Vielen Dank für Ihre Stellenanzeige in meinem Exemplar der Augsburger Allgemeinen und das Vertrauen, das Sie damit meiner Person entgegengebracht haben. Leider konnte ich aufgrund der Vielzahl der Stellenanzeigen Ihre Stellenanzeige nicht berücksichtigen und muss daher von einer Bewerbung für eine Tätigkeit in Ihrem Haus absehen."
Manche Personalabteilungen haben geantwortet, und einige haben mit ihren Antworten Humor bewiesen. Beispielsweise die der Firma "Remonds", die in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit folgender Ausschreibung einen Senior Sales Manager suchte: "Für manche ist die Welt recht eng. Und wer sich im Kreis dreht, findet kein Ende. Brechen Sie mit uns aus...". Im Kreis drehen? Ausbrechen? Jürgen Sprenzinger konnte bei diesem Wortlaut nicht widerstehen und sagte mit folgenden Worten ab: "Mit besonderer Aufmerksamkeit habe ich Ihre Stellenanzeige gelesen. Besonders Ihre Aussage, dass für manche die Welt sehr eng ist und dass derjenige sich im Kreis dreht, keine Ende findet, hat mich unwahrscheinlich angesprochen. Ich drehe mich seit Jahren im Kreis. Wenn ich ehrlich bin, hab ich schon einen Drehwurm. Auch ist meine Welt recht eng. Ich lebe allein mit Hund auf etwa 45 Quadratmetern. (...) Gerne würde ich mit Ihnen ausbrechen. Leider muss ich Ihnen aber mitteilen, dass ich mich nicht bei Ihnen bewerben kann, denn ich glaube, dass ich für Ihr Stellenangebot bereits zu verschroben bin."
Auf diese Absage antwortete die Personalabteilung sehr professionell – und bestätigte erst einmal den Empfang. Das war Sprenzinger Grund genug für eine Richtigstellung: "Ich habe mich aber nicht beworben, sondern abgesagt." Die kuriosen Schreiben zeigten Wirkung: Die Personalabteilung antwortete mit großer Enttäuschung: "Mit Bedauern nehmen wir zur Kenntnis, dass Sie nicht für die Position des Senior Sales Manager zur Verfügung stehen. Gerne hätten wir Sie zu einem Gespräch eingeladen und mit Ihnen herausgefunden, ob wir nicht gemeinsam Ihr jahrelanges Kreiseln beenden könnten. Möglicherweise hätte wir Ihnen den Anstoß in die richtige Richtung geben können und mit ein wenig Glück hätten Sie dann wirklich mit uns ausbrechen können. Wir hoffen sehr, dass Sie nun nicht einbrechen." Und im PS: "Wir haben selten so schön gelacht, vielen Dank!".
Der Aussage kann sich der Leser der Absagensammlung nur anschließen. Selten hat man bei einem Buch zum Thema Bewerbungen so herzhaft gelacht wie bei dieser Zusammenstellung. Ein wirklich lesenswertes Büchlein!
"Sehr geehrter Herr Hornbach, um ein Haar hätte ich mich bei Ihnen beworben" von Jürgen Sprenzinger ist im Knaur Taschenbuch Verlag erschienen und kostet zehn Euro; ISBN: 978-3-426-78104-3
- Datum 08.01.2010 - 13:12 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 21
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habe beim Lesen des Artikels herzhaft gelacht. Ich erkenne mich in dem Bewerbungsstress wieder und lerne: alles nicht so eng sehen, alles bloß nicht so ernst nehmen. DANKE
Liebe Zeit,
vielen Dank für diesen Artikel, aber ich habe wirklich keine Zeit, alles zu lesen, was ich so finde. Deshalb sehe ich mich auch nicht in der Lage, einen Kommentar hierzu zu verfassen. Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute auf der Suche nach Kommentatoren!
Herzlichst,
Toby Baier
... herzlichst gelacht, meine ich natürlich! Tolle Idee!
... herzlichst gelacht, meine ich natürlich! Tolle Idee!
... herzlichst gelacht, meine ich natürlich! Tolle Idee!
Das Buch kaufe ich mir°! Ich bin selber Personalberater und werde mit Freude darin schmökern°!
...habe ich in dieses Buch und musste auch schmunzeln.
Ich befinde mich gerade mitten im Bewerbungschaos und das hat mir geholfen, mich mal wieder ein bisschen locker zu machen- auch wenn es nunmal um viel geht und man mit Humor nicht immer gut ankommt.
Danke für den Artikel zu dem Buch, habe es schon wieder aus meinem durcheinandergeratenen gedächtnis gestrichen.
Lieber Userinnen und User,
schicken Sie uns Ihre Bewerbungserfahrungen! Aus den besten Einsendungen würde ich gerne einen Artikel machen mit dem Arbeitstitel: So klappt es mit der Bewerbung – ZEIT-ONLINE-User erzählen...
Ich frage mich: Mit welchen Anschreiben, Lebensläufen, Argumenten haben Sie Ihren Job - vielleicht sogar den Traumjob - bekommen? Wie haben Sie in Vorstellungsgesprächen überzeugt, wie ACs überstnaden? Was waren die kuriosesten Fragen in Bewerbungsgesprächen, wie liefen die nettesten Vorstellungsgespräche ab? Diskutieren Sie hier mit mir oder schicken Sie mir Ihre Erfahrungen an tina.groll@zeit.de. Ich freue mich auf Ihre Berichte!
herzlichst,
Tina Groll, ZEIT ONLINE, Redakteurin
Lieber Userinnen und User,
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Ich frage mich: Mit welchen Anschreiben, Lebensläufen, Argumenten haben Sie Ihren Job - vielleicht sogar den Traumjob - bekommen? Wie haben Sie in Vorstellungsgesprächen überzeugt, wie ACs überstnaden? Was waren die kuriosesten Fragen in Bewerbungsgesprächen, wie liefen die nettesten Vorstellungsgespräche ab? Diskutieren Sie hier mit mir oder schicken Sie mir Ihre Erfahrungen an tina.groll@zeit.de. Ich freue mich auf Ihre Berichte!
herzlichst,
Tina Groll, ZEIT ONLINE, Redakteurin
Sehr lustig geschrieben. :-)
Danke für diesen Artikel.
Lieber Userinnen und User,
schicken Sie uns Ihre Bewerbungserfahrungen! Aus den besten Einsendungen würde ich gerne einen Artikel machen mit dem Arbeitstitel: So klappt es mit der Bewerbung – ZEIT-ONLINE-User erzählen...
Ich frage mich: Mit welchen Anschreiben, Lebensläufen, Argumenten haben Sie Ihren Job - vielleicht sogar den Traumjob - bekommen? Wie haben Sie in Vorstellungsgesprächen überzeugt, wie ACs überstnaden? Was waren die kuriosesten Fragen in Bewerbungsgesprächen, wie liefen die nettesten Vorstellungsgespräche ab? Diskutieren Sie hier mit mir oder schicken Sie mir Ihre Erfahrungen an tina.groll@zeit.de. Ich freue mich auf Ihre Berichte!
herzlichst,
Tina Groll, ZEIT ONLINE, Redakteurin
Und zwar aus dem Jahr 2005, als zwei sich erfolglos bewerbende Akademiker die Absageagentur gründeten. Leider gab es diese Initiative nur nicht sehr lang.
traurig sind wir doch alle mal - ganz ab von rat und stellung - das wichtigste die hoffnung auf freude - der schmunzel nicht weit
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