Bewerbungen schreiben : Das gelungene Anschreiben

Jede Bewerbung braucht ein prägnantes Anschreiben. Personalchefs verraten, was gut klingt, worauf es ankommt und was man besser sein lässt.

"Lieber Herr Siemens, der erste Satz in einer Bewerbung ist immer der schwierigste. Wie Sie sehen, habe ich diese Herausforderung irgendwie gemeistert ..."  Der erste Satz einer Bewerbung ist fast so schwer wie der eines Liebesbriefs. Ist er gelungen, findet die gesamte Bewerbung Beachtung. Ist er es nicht, landet sie womöglich sofort im Papierkorb. Was den Personalern gefällt, ist Geschmackssache. Aber es gibt einige Punkte, die immer gültig sind.

"Die Bewerbung sollte so gestaltet sein, dass mir die Qualifikationen für eine ausgeschriebene Stelle sofort ins Auge fallen", erklärt beispielsweise Dirk Marek, Personal-Verantwortlicher bei der Metro AG. Der Personaler tut schließlich auch nur seine Arbeit – und die geht ihm leichter von der Hand, wenn ihm zugearbeitet wird.

Darum sollte schon das Anschreiben prägnant und konkret verfasst sein. Zu viel Kreativität, zu viel Poesie, langatmige Aufzählungen und Ausführungen wollen die Mitarbeiter der Personalabteilung nicht lesen. Schließlich ist ein Anschreiben keine Literaturarbeit. Und eine gelungene Bewerbung enthält ohnehin noch einen Lebenslauf mit den wichtigsten beruflichen Stationen und häufig auch ein Motivationsschreiben. Darum beginnt das Anschreiben mit dem Wesentlichen und den stärksten Argumenten: Was der Bewerber kann, warum er der ideale Kandidat ist. Das zeigt er, indem er eine kurze, knappe und präzise Begründung liefert.

Das Anschreiben hat ein übersichtliches, ansprechendes Layout, ist in gut lesbarer Schrift auf hochwertigem Papier gedruckt. Es hat einen Briefkopf, in dem alle wichtigen Kontaktdaten sowie Name, Adresse und Abteilung des Ansprechpartners richtig aufgeführt sind. Es hat eine Ortsangabe, ein Datum und eine Betreffzeile, in der auch die genaue Position genannt ist, um die man sich bewirbt.

Der erste Satz beginnt mit dem stärksten Argument, nicht mit einer Ankündigung im Stile von "Hiermit bewerbe ich mich um ...", und auch sollte der Jobanwärter nicht erklären, dass er "mit besonderem Interesse" die Stellenanzeige gelesen habe. Was soll das aussagen? Dass der Bewerber des Lesens mächtig ist? Lange Einleitungen sind genauso überflüssig wie die Erwähnung, dass man derzeit auf Jobsuche ist. Und auch die ältlich klingende Frage "Darf ich mich Ihnen vorstellen?" könnte unbewusst ein "Bitte nicht!" provozieren.

"Texten Sie zwischen 'Sehr geehrte Damen und Herren' und 'Herzliche Grüße' keinen Brief, sondern ein Briefing", rät der Bewerbungsberater Gerhard Winkler.

Dafür reicht eine knappe Seite. Das Anschreiben ist eine Leistungsbilanz mit einer knappen Selbstpräsentation, kein Essay, kein Kurzroman. Die Einleitung kann auf einen Satz reduziert werden. Unbelegbares Eigenlob klingt unseriös, ebenso Lobeshymnen über den künftigen Wunsch-Arbeitgeber.

Doch was ist seriös und was ist ein überzeugendes Argument? Die bisherige Position, abgeschlossene Projekte, Erfolge bei Praktika, ein besonders exzellenter Abschluss, eine herausstechende Qualifikation auf der einen Seite. Und auf der anderen Seite ein knapper Verweis auf die Stellenanzeige, in der ein Mitarbeiter mit genau diesen Kompetenzen gesucht wird.

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Kommentare

31 Kommentare Seite 1 von 8 Kommentieren

"[...] wie Sie meinem Abschluss mit Bestnoten entnehmen können."

Der Satz ist ja wohl grauenhaft. Kann man sich nicht trotz seines tollen Abschlusses und der Konkurrenz am Arbeitsmarkt ansatzweise bescheiden geben?

Ein Personaler meinte mal zur mir, man solle einfach nur schreiben, dass man sich um die Stelle bewirbt. Das ganze "teamfähig, motiviert, zuverlässig"-Gelaber schreiben eh alle.

Darf man fragen....

...man zum Beispiel als Arbeitsloser in Arbeit kommen soll, wenn die Personaler nur Wert auf das legen, was man bisher gemacht hat?

Wenn ich (angenommen) 2 Jahre arbeitslos bin, kann ich schlecht schreiben, welche bisherige Position ich innehatte.
Somit fällt schon ein wesentlicher Teil des Anschreibens weg.

Aber was soll ich dann schreiben, außer, dass ich die Stellenanzeige gelesen hab und aufgrund meiner Ausbildung- und Weiterbildung und diversen Praktika mich in der Lage fühle, die ausgeschriebene Stelle zur vollsten Zufriedenheit auszufüllen?

Wenn ich doch nun mal "teamfähig, motiviert, zuverlässig" bin, und auch nur das und meine Zeugnisse zu bieten habe, was dann?

Was soll ich noch tun, um endlich einmal Berufserfahrung zu sammeln, wenn schon das Anschreiben eine halbe Abiturprüfung ist, in den Fächern Kreativität und Formenlehre?

Ich versteh die Welt nicht mehr...

Das sind doch nur Tipps für die Leute, die eh schon Arbeit haben.....gebt doch mal Tipps für Berufseinsteiger, die keine Akademiker sind, oder widerspricht das der Klientel dieser Zeitung?

Eigene Erfahrungen...

...sind ja durch nichts zu ersetzen; also:
für die Klientel in der Mitte des Lebens, also mit Berufs-
erfahrung und einer leidlichen Qualifikation zählt
nach meiner Erfahrung vor allem bei Mittelständlern die
menschliche Komponente neben den bisher erlangten
Erfahrungen. Will heißen, paßt er/sie ins Teaam.
Daraus folgert, daß man möglichst gute Referenzen mitbringt;
tja, und welcher Einsteiger hat die schon.
Ich kann mir vorstellen, daß die HR-Mitarbeiter in
Großunternehmen nach anderen Kriterien vorgehen, habe aber
selbst keine Erfahrung damit.
Ohne private Kontakte durch Familie, Freunde usw. ist es für
Einsteiger extrem schwierig, in eine adäquate Position
zu gelangen bzw überhaupt erst zur Vorstellung geladen
zu werden.
Dennoch, mein einziger Hinweis: authentisch sein und bleiben, und sich evtl einen privaten coach mit Kontakten
in die Wirtschaft o. den betreffenden Bereich gönnen, der
hier beim anschieben hilft...