Irina Gerassimow, Russin*

"In Russland habe ich nach einem gut bezahlten Job gesucht. Der Arbeitsplatz musste nicht unbedingt mit der Ausbildung zusammenpassen. So habe ich nach meinem Wirtschaftsstudium eine Tätigkeit als Sekretärin aufgenommen und machte Karriere im Vertrieb. In Russland wundert es niemanden, wenn Akademiker deutlich unter ihrem Bildungsniveau arbeiten. Hochschulbildung bedeutet in meinem Heimatland vor allem, dass jemand qualifiziert ist und sich in praktisch jede Aufgabe einarbeiten und diese gut erledigen kann.

Als ich nach Deutschland kam, kannte ich die üblichen Bewerbungsverfahren hierzulande nicht. Mir war nicht klar, dass man sich besser nur auf Stellen bewirbt, für die man auch die formale Ausbildung mitbringt. Die Bewerbungsunterlagen müssen der Berufsbezeichnung entsprechen, sonst hat man in Deutschland wenig Chancen auf einen Job. Ich bewarb mich also auf verschiedene kaufmännische Stellenausschreibungen. Erfolgreich war ich leider nicht. Auch nicht als Empfangsdame oder Bürohilfskraft, denn mein Lebenslauf erschien den Arbeitgeber zu hoch qualifiziert. Also probierte ich es mit den Stellen, für die ich eigentlich qualifiziert bin. Doch auch hier kassierte ich Absagen. Gegen die Konkurrenz deutscher Universitätsabsolventen konnte ich mich trotz meiner Fremdsprachenkenntnisse nicht durchsetzen.

Arbeitslos wurde ich dennoch nicht. Ich fand eine Stelle als eine Art 'universelle Büroangestellte' bei einer russischsprachigen Firma. Unter Russen in Deutschland herrschen noch halbwegs russische Regeln."

Miguel Rosario, Spanier*

"Meine deutsche Frau arbeitet als Angestellte in einem Ministerium. Noch vor dem Umzug nach Deutschland war ich fest entschlossen, mir möglichst schnell eine Stelle zu besorgen und mindestens die Hälfte zum Familienbudget beizutragen. Schließlich bin ich Ingenieur. Trotz aller Warnungen meiner Frau habe ich nicht erwartet, dass die Suche nach einer Arbeitsstelle in Deutschland so schwierig werden würde! Ich bewarb mich zunächst bei internationalen Firmen. Immerhin spreche ich Englisch fließend und ich dachte, bei einem internationalem Unternehmen seien meine damals noch mangelhaften Deutschkenntnisse kein Problem. Doch sie waren es. Es fehlten mir außerdem Arbeitszeugnisse, die die Unternehmen gerne sehen wollten. In Spanien spielen Arbeitszeugnisse aber keine so große Rolle bei der Stellensuche. Ehrlich gesagt, verstehe ich ihren Sinn bis jetzt nicht, sie sind ja alle wie Werbeprospekte geschrieben. In Spanien legen wir mehr Wert auf die Kontakte als auf die Zeugnisse. Das ist in Deutschland aber noch nicht so stark verbreitet. Meine Frau wollte zunächst auf keinen Fall ihre Beziehungen spielen lassen, damit ich einen Job fand – und mir fehlten in Deutschland die entsprechenden Businesskontakte.

So waren die ersten Wochen in Deutschland für mich sehr deprimierend. Ich begann einen Deutschkurs und entschied mich, erst einmal eine Arbeit unter meinem Ausbildungsniveau anzunehmen – als Kurierfahrer. Diesen Job bekam ich übrigens über einen Bekannten. Mittlerweile bin ich seit sechs Jahren in Deutschland. Meine Deutschkenntnisse sind viel besser und ich habe ein eigenes Unternehmen gegründet. Das Geschäft läuft immer besser."