Assessment-Center Bewerber im Stresstest
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So läuft das AC ab

Durchschnittlich acht bis zwölf Bewerber nehmen an einem Eignungstest teil. Oft geht es dabei um mehrere offene Stellen. Von der Unternehmensseite aus gibt es häufig mehrere Beobachter, Mitarbeiter der Personalabteilung sowie Verantwortliche aus dem Unternehmen, die in dem Bereich eine Führungsposition inne haben, für den es offene Stellen gibt. In seltenen Fällen haben die Firmen auch einen internen oder externen Psychologen oder Coach mit dabei, der das AC moderiert.

Ziel des Tests ist es, die einzelnen Bewerber in solchen Situationen zu erleben, die relevant für die Position sind – und unter den stressigen Laborbedingungen, die im AC herrschen. Darum gibt es eine Reihe konkreter Aufgaben, die der Arbeitssituation im Alltag entsprechen. Auch Fachwissen wird abgefragt. Die Bewerber sollten in der Lage sein, zu erkennen, was Ziel der jeweiligen Aufgabe ist. Und sie müssen sich bewusst sein, dass ihr Verhalten von den Personalern auch auf die Fragen interpretiert wird: Passt der Bewerber zur Firma, ist er oder sie konfliktfähig, arbeitet er oder sie effizient und stressresistent?

Je nach individueller Leistung können die Kandidaten untereinander verglichen werden. Wird sogar ein neues Team zusammengestellt, kann in dem AC geprüft werden, wie gut die einzelnen Bewerber zusammenarbeiten. Auch zeigt sich, wer ein guter Teamplayer ist, wer eher Einzelkämpfer ist, wer Verantwortung übernimmt oder eine ausgleichende Rolle in der Gruppe einnimmt. Dabei ist den Personalern bewusst, dass während des Tests auf den Bewerbern ein immenser Druck liegt.

Die Kriterien, nach denen beurteilt wird, hängen von der zu besetzenden Stelle und der Schwerpunktsetzung des Unternehmens ab. Die Bewerber werden häufig auf ihre Fähigkeiten im Service- oder Kommunikationsbereich getestet, je nach Branche auch auf ihre Verkaufsstrategien. Eventuell gehen die Recruiter noch einmal auf das fachliche Profil des Jobanwärters ein.

Der Klassiker unter den AC-Aufgaben ist die Postkorb-Übung. Der Kandidat erhält eine Liste mit Aufgaben sowie eine Einschätzung, wie lange jede Aufgabe dauern wird – und ein "Zeit-Budget". Nun sollen diese Aufgaben nach Wichtigkeit geordnet werden. Der Zeitrahmen ist so gesetzt, dass nicht alles geschafft werden kann. Manchmal stehen auch private Verpflichtungen in den Aufgaben. Es muss also sehr gut priorisiert werden. Anhand der Übung zeigen die Kandidaten, wie sie sich und ihren Workflow organisieren und strukturieren – und auch, wie realitätsnah sie sind. Kniffelig sind hier Aufgaben wie "Kind abholen" und "Meeting mit dem Chef".

Ein weiterer Klassiker ist die Selbstpräsentation. Bei dieser Aufgabe hat der Bewerber meist ein Kurzreferat über sich selbst zu halten. Meist bekommt der Kandidat zehn Minuten Zeit, in denen er über sich selbst sprechen soll, seine Stärken und Schwächen skizziert. Wer über jobrelevante Erfahrungen spricht, die eigenen Stärken angemessen betont und ein wenig aus der eigenen Biografie erzählt, ist auf der sicheren Seite. Wichtiger als der Inhalt ist zumeist die Art und Weise der Präsentation: Ist das Erzählte strukturiert, wie ist die Mimik und Gestik, wie die Rhetorik des Bewerbers? Steht ein Flipchart oder ein Projektor bereit, sollten diese auch verwendet werden.

Neben Einzelaufgaben gibt es auch Gruppenarbeiten, zum Beispiel Rollenspiele. Die Bewerber werden beispielsweise in die Rolle eines Personalverantwortlichen hineinversetzt, der einem Mitarbeiter eine Verwarnung oder Kündigung mitteilt. Oder sie spielen einen Vertriebsmitarbeiter, der einen schwierigen Kunden überzeugen muss. Für die Rollen gibt es zumeist nur eine sehr kurze Vorbereitungszeit, dann werden die Situationen gemeinsam mit einem Mitbewerber durchgespielt.

Wichtig dabei ist, nicht in Stereotypen wie "strenger Chef", "mitfühlender Chef" oder auch "Büromonster", zu verfallen, sondern so zu agieren, wie es dem eigenen Charakter entspricht.

Zur Gruppenarbeit gehören auch Gruppendiskussionen zu einem bestimmten Thema. Auch bei dieser Aufgabe zeigt sich das Verhalten der Bewerber im Team. Wer versucht, durch eine große Anzahl logischer Argumente zu überzeugen, wer hört zu und versucht, Harmonie herzustellen, wer schlägt Kompromisse vor und wer agiert als Diskussionsleiter?

Wichtig zu berücksichtigen ist: Keine Rolle gilt als besonders "gut". Jemand, der ausgleichend argumentiert, ist genauso fähig wie jemand, der in der Gruppenaufgabe die Führungsrolle übernimmt. Am Ende entscheiden die Personaler entsprechend der zu besetzenden Stelle. Wer sich im AC als Führungspersönlichkeit darstellt, könnte schlechtere Karten auf eine Einsteigerposition haben als der smarte Kandidat mit hoher Sozialkompetenz und effizienter Arbeitsweise.

Am Ende entscheidet das gewisse Quäntchen Glück. Wer bereits mehrere ACs mitgemacht hat, wird zudem feststellen, dass Routine einkehrt. Auch dafür lohnt sich der Stresstest.

 
Leser-Kommentare
    • DocKr
    • 16.02.2010 um 9:13 Uhr

    Leider enthält der Bericht einige Aussagen, die so nicht zutreffen. Es ist die Regel, dass ein AC von einem externen Moderator begleitet wird, nicht die Ausnahme. Der Grund liegt in der Unabhängigkeit von den Beobachtern, die ja in der Regel Führungskräfte sind und Prozess und Entscheidunjg sauber von eionander getrennt werden müssen. Die Postkorbübung ist heute ein alter Hut und findet eher selten Anwendung. Wenn sie verwendet wird, dann höchstens bei Berufseinsteigern. Ganz wichtig ist jedoch, dass in einm AC die Teilnehmer untereinander eben nicht verglichen werden dürfen, da das ja die Standards relativiert. In der Regel sind die Stufen der Bewertungsskala mit beobachtbarem Verhalten operationalisiert. Schafft es kein Bewerber diesen Standard zu dokumentieren, so hat auch keiner bestanden.

  1. Mehr kann ich aus eigener Erfahrung nicht dazu sagen.

    Genau wie beim "Idiotentest" nach dem Führerscheinentzug ist das ganze Prozedere nicht mehr als "heiße Luft".

    Jemand, der sich ganz intensiv für so einen "Auftritt" vorbereitet, der hat für die praktische Seite der Arbeit vielleicht überhaupt kein Verständnis.

    Ein Beispiel - kein AC:
    Vor Jahren wurde in einem großen Logistik-Unternehmen mit den Mitarbeitern jährlich ein persönliches Gespräch - sehr hoch wissenschaftlich - geführt.
    Jeder sollte sich darauf gründlich vorbereiten und bekam seitenweise Fragestellungen und Kreisdiagramme, die er im Gespräch ausfüllen sollte.
    Den ganzen Mist habe ich mir nicht eine Minute angesehen und bin nach über 2 Stunden aus der "Personal-Gespräch-Mühle" wieder raus, ohne auch nur einmal "rot" zu werden, obwohl 2 Vorgesetzte mir gegenüber saßen und wir ein stabiles Dreieck bildeten.
    Nach der Vorstellung lobten mich beide "Chefs", wie gut ich mich vorbereitet hatte.
    Die Gesichtszüge der Herren verbogen sich dann aber, als ich sagte, dass ich mich nicht eine Minute auf dieses Gespräch vorbereitete.

    Tja, wer zu Ost-Zeiten als engagierter FDJ- und Parteikader mehr als einmal vor seinen "Kollegen und Genossen" wegen seiner angeblichen "Missetaten" Rechenschaft ablegen durfte, der weiß, wie man mit den Leuten in solchen Gesprächen umgehen muss - ohne sein Gesicht zu verlieren und sich zu verbiegen.

    Das war früher so und das ist heute nicht anders, auch ohne Partei und FDJ.

    Eine Leser-Empfehlung
    • Slink
    • 16.02.2010 um 9:23 Uhr

    Wie in dem ausgewogenen Artikel erwähnt, kann eigentlich jeder, der zu einem AC eingeladen wird, erst einmal froh darüber sein.
    Viele Gerüchte und Legenden kursieren um das AC und verunsichern die eingeladenen Teilnehmer. Nach wie vor bemängeln auch Kritiker den hohen Aufwand im Verhältnis zum erreichbaren Ergebnis. Heutzutage sind aber viele praktische Erfahrungen in die Struktur des AC eingeflossen und haben die prognostische Validität verbessert. Vermehrt wird es auch zur Personalentwicklung in Großunternehmen eingesetzt.
    Tipps für Betroffene:
    1. Sehen Sie das AC zuvorderst als Geschenk und Chance für Sie selbst, sich besser kennenzulernen, als eine Gelegenheit für einen Abgleich zwischen Selbstbild und Fremdbild, bei der sie wertvolle Erfahrungen und ein Feedback mitnehmen können.
    2. Bücher zur Vorbereitung auf ACs machen Sie i.d.R. eher nervöser, als dass sie Sicherheit erzeugen. Sie sind in etwa so wirkungsvoll wie Anleitungen zum Abnehmen oder zum Dating.
    3. Bleiben Sie im Bewerbungs-Vorfeld mit allen Angaben zu Ihren Fähigkeiten und Zielen realistisch - besser zusätzlich gepunktet als Erwartungen nicht erfüllt. "Verhandlungssicheres Englisch" z.B. müssten Sie unter Umständen im AC konkret unter Beweis stellen.
    4. Die sinnvolle Vorbereitung liegt darin, eigene Ziele und Karriere-Motive zu reflektieren und diese den vermuteten Unternehmenszielen gegenüberzustellen. Ein Feedback zu Ihrer Persönlichkeit von (ehemaligen) Kollegen hilft bei der Selbsteinschätzung.

  2. [entfernt. Bitte verzichten Sie auf beleidigende und herabwürdigende Äußerungen. Danke, die Redaktion/vv]

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Auch durch das Entfernen von entsprechenden Kommentaren wird die Serie aussageloser Artikel zum Thema Bewerbung nicht besser.

    Auch durch das Entfernen von entsprechenden Kommentaren wird die Serie aussageloser Artikel zum Thema Bewerbung nicht besser.

  3. Auch durch das Entfernen von entsprechenden Kommentaren wird die Serie aussageloser Artikel zum Thema Bewerbung nicht besser.

    Eine Leser-Empfehlung
    Antwort auf "Peinlich..."
  4. Und mit Assessment Centern zeigt sich das ganz deutlich.
    Am besten ist immer noch die Geschichte von dem jungen unbedarften Menschen, der im Assessment Center auf die Frage "wie gehen Sie mit Stress um" lachte und sagte: "Stress kostet Extra" aufstand und ging.

  5. Wer zum AC eingeladen wird, sollte vorher ein paar Fragen über die eigene Persönlichkeit klären. Die Frage nach Stärken und Schwächen wird so oder so kommen. Das sollte schon vorher geklärt sein, um dann sicher antworten zu können. Es hilft sicherlich Freunde, Familie etc. um eine Einschätzung zu bitten. Die besten Dinge fallen einem nicht immer selbst ein. Die Frage "Was schätzen ihre Freunde an ihnen?" kann dann auch leicht beantwortet werden.
    Das Sie die/der "Richtige" für die Stelle sind haben Sie im Gefühl aber da gibt 's bestimmt noch ein paar triftige Gründe!
    Recherche über Unternehmen und Berufsbild versteht sich von selbst.
    Wer sich vor dem AC etwas Zeit investiert hat, um sich mit seiner selbst und der gewünschten Stelle auseinander zu setzen, kann dem AC stressfrei entgegensehen. Der Stress und Nervosität werden eh noch rechtzeitig einsetzen.

    • sps74
    • 14.03.2010 um 2:36 Uhr

    Interessanter Artikel.

    Jetzt weiss ich weshalb interne Mitarbeiter so unfaehig sind, dass externe ihre Arbeit erledigen muessen. Denn:

    Erstens. Durch einen AC grenzt man automatisch die Auswahl denkbarer Kandidaten ein - naemlich bis auf die, die so einen Test mit sich machen lassen.

    Das bedeutet zu 95% sind es Kandidaten, die es auf die Stellung abgesehen haben und nicht auf etwaige interessante Aufgaben.

    Zweitens: Unter diesen uebriggebliebenen wird nach sehr fraglichen Prinzipien ausgesucht. Anstatt den Kandidaten wie einen normalen Menschen zu fragen, wie er z.B. auf Vorgesetzte reagiert oder ob er Probleme haette jemand zu entlassen, macht man Tests.

    Dabei wird vergessen, dass sich ein Mensch unter Beobachtung ganz anders verhaelt. D.h. die Testsituation allein verfaelscht das angestrebte Ziel von einem Testergebnis.

    Da sollte man sich wirklich fragen, ob man an einem AC teilnehmen will - es sagt m.E. immerhin nichts gutes ueber den Arbeitsplatz aus.

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