RecruitingSpannung, Spiel und Marketing

Um sich von Recruiting-Workshops abzuheben, setzt eine Beratungsfirma auf ein Rollenspiel. Auf den Spuren eines fiktiven Polarforschers lernen Studenten das Unternehmen kennen. von Kirsten Ludowig

Mann im Sonnenlicht

Mysteriös: Mithilfe eines Rätselspiels sucht eine große Unternehmensberatung künftige Mitarbeiter. Um die Aufgaben zu lösen, ist Ausdauer und Grips gefragt  |  © Richard Heathcote/Getty Images

Auf dem Platz vor dem Hauptgebäude der Uni Köln fährt eine weiße Stretchlimousine vor. Die Studenten verdrehen die Köpfe, der Verkäufer im Imbisswagen lugt über die Theke. Ein Mann im schwarzen Anzug steigt langsam aus und wartet. Zum weißen Hemd trägt er weiße Handschuhe und eine weiße Maske. Drei Studenten gehen auf den Mann zu, sprechen eine Art Code. Er nickt. Sie steigen ein.

Die drei Studenten sind Teil eines Spiels. Und das Spiel wiederum ist Teil des Recruitingprogramms einer großen Unternehmensberatung, die auf diese Weise neues Personal finden möchte. Das Spiel wird Alternate Reality Game (ARG) genannt. Es ist eine Art Rätselspaß, verpackt in einer interaktiven Geschichte, bei der die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit verwischen. Und die Beratungsfirma macht bereits zum zweiten Mal davon Gebrauch. So möchte sich das Unternehmen im Hochschulmarketing von seinen Konkurrenten absetzen. "Beratung wird manchmal zu Unrecht als konservativ wahrgenommen", sagt Kathrin Pommer, Personalerin bei der Firma. "Wir wollen die Studenten überraschen und in ungewöhnlicher Weise auf uns aufmerksam machen."

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In der Regel müssen die Spieler innerhalb einer festen Zeitspanne gemeinsam Aufgaben lösen, um eine drohende Katastrophe zu verhindern. Die Storyline wird über möglichst viele verschiedene Wege transportiert: die Post, E-Mail, Internet-Foren, Blogs, fiktive Homepages, Anrufe oder echte Charaktere und Ereignisse. Im Netz, häufig über sogenannte InGame-Foren, bekommen die Spieler wichtige Informationen, tauschen sich gegenseitig aus, analysieren und dokumentieren den Spielverlauf.

Die Initiatoren eines ARGs können Privatpersonen oder auch Unternehmen sein. Firmen nutzen ARGs als ergänzendes Kommunikationsinstrument, als virales Marketing. Viral, weil sich die Botschaft wie ein ansteckender Virus verbreiten soll. Zum Einsatz kommen häufig Clips in Internet-Videoportalen wie YouTube oder Beiträge in Foren und Blogs. "Mit normaler Werbung wird die Wahrnehmungsschwelle der Menschen aufgrund der enormen Reizüberflutung kaum noch erreicht. Deswegen werden moderne Konzepte immer wichtiger", sagt Gerald Uhlich. Der ehemalige Vorstand des Berliner Zoos verhalf einst Eisbär Knut mit viralen Kampagnen zu weltweiter, teils auch umstrittener, Popularität.

Ein ARG weckt im Idealfall die Neugierde und den Spieltrieb. Das Produkt oder die Marke bleibt vorerst verschleiert und wird indirekt über die Geschichte und die Spieler ins Gespräch gebracht.

Das ist im Einerlei der scheinbar exklusiven Recruiting-Workshops, mit denen die Top-Strategen immer öfter locken, auch nötig. "Mittlerweile war jeder von uns mal in Kitzbühl, hat Case-Studies bearbeitet, Vorträge gehört und gut gegessen", sagt Kathrin Rieger, BWL-Studentin an der Uni Köln und Spielerin des Rollenspiels der Beraterfirma. "Die wenigsten wissen danach, was die eine von der anderen Beratung unterscheidet."

Leserkommentare
    • oooo
    • 28. März 2010 13:39 Uhr

    Mc Kinsey und Co suchen also die intelligentesten und kreativsten Menschen in Deutschland. Sie sollten studiert haben, aber ihr Wissen ist nicht wichtig, alles was sie wissen müssen, lernen sie bei Mc K. Entscheidend ist allein ihr herausragender Intellekt. Die Limousine auf dem Campus ist dabei das Versprechen des hohen Gehalts.
    Später fahren die Herrenmenschen dann in ihren eigenen schwarzen Sportwagen vor, betreten eine fremde Firma und analysieren blitzschnell, dass hier Arbeiter entlassen werden müssen.

    Ich zweifele nicht an der Sinnhaftigkeit einer externen Unternehmensberatung.Aber es ist ein Unterschied, ob man Menschen entlässt, weil man eine Firma selbst aufgebaut hat, oder ob man sie auf die Straße setzt, weil man (angeblich) zur genitischen Elite der Gesellschaft gehört.

    Eine Leserempfehlung
  1. Justus, Peter und Bob unterwegs im Auftrag von Roland Berger oder so .... lach mich tot!

    Das Problem isr wahrscheinlich, dass die Mitarbeiter in den Firmen die Aufträge dann auch als Alternate Reality Game wahrnemen.
    Nur das echte Menschen dadurch entlassen werden .... und die Bezahlung ist natürlich in echtem und nicht in Spielgeld!!

    Und die Lösungsstrategien werden dann später wahrscheinlich auch ergoogelt!! Cool. Das ist ja wie im Da Vinci Code.

    Aber warum der nze Aufwand? Wir haben früher Monopoly gespielt.

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    • remail
    • 30. März 2010 15:34 Uhr

    Es ist nicht leicht gute Leute zu finden, die arbeiten dann auch im wirklichen Leben ohne Arbeitsplätze zu gefährden. So werden eben junge Leute gefunden, die alten hätte Monopoly aber auch nicht wirklich in den Job geholt;)

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Karriere.de
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