ZEIT ONLINE: Frau Burkart, Sie haben gemeinsam mit Ihrer Kollegin untersucht, wie sich die Einstiegsgehälter von Absolventinnen und Absolventen der Hochschule Pforzheim unterscheiden und dabei festgestellt, dass die Frauen durchschnittlich acht Prozent weniger verdienen. Als Erklärungen könnten aber nicht Erwerbsunterbrechungen, Teilzeitarbeit, geringer qualifizierte Jobs oder andere Branchen greifen. Wieso nicht?

Brigitte Burkart: Das liegt am Forschungsdesign. 3000 Absolventinnen und Absolventen der Hochschule wurden seit 1998 unmittelbar nach ihrem Studienabschluss, sowie nach vier bis neun Jahren im Beruf befragt. Wir konzentrieren uns auf die Daten beim Berufseinstieg, und können so viele für den Lohnunterschied verantwortlich gemachten Variablen als Erklärungsgrund ausschließen. Wir betrachten nur Personen, die einen Vertrag für eine Vollzeitbeschäftigung haben, und die das gleiche Fach an derselben Hochschule studiert haben, wir vergleichen also keine Kunsthistorikerinnen mit Maschinenbauern. Und beim Einstieg in den Beruf unmittelbar nach dem Abschluss liegen noch keine Erwerbsunterbrechungen vor.

ZEIT ONLINE: Und wie haben Sie sicher gestellt, welche Auswirkungen zusätzliche Qualifikationen der Absolventen und Absolventinnen wie etwa ein Auslandssemester oder Note, auf das Gehalt haben?

Burkart: Wie in diesen Fällen üblich, kann man mit Hilfe einer Regression mögliche andere Effekte, die das Gehalt beeinflussen können, herausrechnen; bei uns also das Abschlussjahr, den Studiengang, ein Auslandssemester, eine Erwerbstätigkeit während des Studiums, eine bereits abgeschlossene Berufsausbildung, Praktika oder auch die Note.

ZEIT ONLINE: Zu welchen Ergebnissen sind Sie gekommen?

Burkart:  Pro Studiengang verdienen die Männer mehr als die Frauen, im Mittel beträgt der Gender Pay Gap acht Prozent. Dabei haben die Frauen die besseren akademischen Leistungen, sie gehen häufiger ins Ausland oder sind in studentischen Organisationen engagiert. Die Männer haben dafür vor dem Studium häufiger eine Lehre abgeschlossen und sie orientieren sich bei ihrer Jobsuche mit 40,5 Prozent etwas stärker bundesweit als Frauen mit 35,5 Prozent. Wir stellen auch fest, dass die besseren akademischen Leistungen sich bei beiden Geschlechtern in höheren Einstiegsgehältern niederschlagen. Sprich: Hätten Frauen nicht die besseren Leistungen, würden sie noch weniger als ihre männlichen Kollegen verdienen.

ZEIT ONLINE: Wie erklären Sie das, verhandeln die Frauen einfach schlecht und haben sich vielleicht nur bei den kleinen und mittelständischen Unternehmen in der Nähe von Pforzheim beworben, während die Männer weit weg zu den großen Firmen gegangen sind?

Burkart: Ja, das können in der Tat Erklärungen sein. Entweder haben die Frauen weniger gefordert und schlechter verhandelt als die Männer oder sie haben sich bewusst eine Stelle ausgesucht, die eine spätere Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtert, aber dafür nicht so gut bezahlt wird. Oder sie werden von vornherein schlechter bezahlt. Denn viele Arbeitgeber erwarten, dass Frauen Familie und Beruf vereinbaren wollen und bieten daher allen Frauen, auch denen die keine Kinder bekommen wollen, aufgrund ihres Geschlechtes weniger Gehalt. Man nennt dieses eine statistische Diskriminierung. Wir können dieses mit unseren Daten nicht beweisen, sind aber überzeugt, dass hier einer der Gründe für den von uns gefundenen Gehaltsunterschied liegt. Eine höhere Transparenz bei den Gehaltsstrukturen der Unternehmen könnte dieses Problem offen legen und so gleichzeitig auch reduzieren.